Grandioser Anblick: Kerzen-Knöterich, Pyrenäen-Aster und Rutenhirse machen aus einem schönen Herbsttag einen fantastischen. Foto: GMH/Banse

Herbststauden: Pflanzen bekommen in der dritten Jahreszeit größere Bedeutung

Der letzte Eindruck ist entscheidend für die Erinnerung und Sehnsucht nach einem Wiedersehen. Das Wissen um den bevorstehenden Winter verstärkt die Freude über jeden schönen Tag und schärft die Sinne für Details.

Staudengärtner Andre Stade fasst zusammen: "Im Sommer blüht es an allen Ecken und Enden; im Herbst hingegen bekommt die einzelne Pflanze viel mehr Gewicht."

In den Gärtnereien gibt es im Herbst noch alle Hände voll zu tun – es ist Pflanzzeit. Doch auch im größten Trubel ergeben sich immer wieder Momente des Innehaltens, in denen der besondere Wert mancher Stauden überdeutlich zu Tage tritt: Wenn die Herbstsonne die Blüten von Japan-Anemonen (Anemone japonica, A. hupehensis, A. tomentosa) und Scheinastern (Vernonia) vergoldet. Wenn sich die Rispen von Chinaschilf (Miscanthus) und Rutenhirse (Panicum) aus dem morgendlichen Nebel erheben. Oder wenn sich die Blätter von Bleiwurz (Ceratostigma) und Bergenien quasi über Nacht leuchtend färben.

"Im Herbst hat man alle nur denkbaren Zieraspekte auf einmal: spätblühende Stauden mit wundervollen Blüten, Arten mit genialer Herbstfärbung und Pflanzen, die durch ihre Struktur beeindrucken und deren Samenstände oft den ganzen Winter hindurch attraktiv bleiben", erklärt Andre Stade die Faszination für die Jahreszeit. Die eine, ganz bestimmte Lieblingspflanze hat er wie die meisten Staudengärtner nicht, wohl aber einen aktuellen Favoriten: den Blausternbusch (Amsonia).

"Die Arten Amsonia tabernaemontana und Amsonia hubrichtii stammen aus Nordamerika und verdanken ihren deutschen Namen dem dichten, buschigen Wuchs. Sie werden zwischen 50 und 120 Zentimeter hoch und bringen im Sommer je nach Art und Sorte unzählige weiße bis hellblaue Blütensterne hervor. Fast noch mehr schätze ich aber den Herbstaspekt, denn ihr Laub leuchtet ab dem Spätsommer intensiv gelb bis rotbraun", berichtet Andre Stade. Im Garten lässt sich die langlebige Staude hervorragend mit bewährten Herbstblühern wie Astern, Chrysanthemen, Sonnenhut und Fetthenne mischen. "Dazu ein paar markante Gräser wie Pfeifengras (Molinia) oder Rutenhirse (Panicum), die zum Herbst einfach dazugehören, und schon hat man eine stimmungsvolle Pflanzung, die auch den Winter über schön anzusehen ist."

Es gibt Stauden, die im Herbst zu blühen beginnen. Und es gibt Stauden, die im Herbst immer noch blühen. "Zu diesen Dauerblühern gehören zum Beispiel die Bergminze "Triumphator" (Calamintha nepeta) und das Mädchenauge "Moonbeam" (Coreopsis verticillata). Sie schmücken den Garten von Juli bis in den Oktober hinein", verrät Andre Stade. Auch die Mazedonische Witwenblume (Knautia macedonica) sowie zahlreiche Storchschnabel-Sorten sind echte Blühwunder: Sie öffnen teils schon im Mai ihre ersten Blüten und sind dann nicht mehr zu bremsen.

Wahre Marathonblüher sind auch die Kerzen-Knöteriche, Bistorta amplexicaulis. Sie gehören zu den Pflanzen, die Andre Stades besonders gerne empfiehlt. "Die rubinrote Sorte "Blackfield" beispielsweise blüht von Juli an immer weiter, bis der Frost dem Schauspiel ein Ende setzt – und kommt trotzdem im nächsten Jahr genauso kraftvoll wieder." In anderen Fällen rät der Staudenexperte hingegen, die Blütezeit aktiv zu beenden: "Die eleganten Prachtkerzen etwa, mit botanischem Namen Gaura lindheimeri, können sich regelrecht zu Tode blühen. Im Oktober sollte man sie daher zurückschneiden, damit die Pflanzen vor dem Winter noch etwas Kraft sammeln können."