Landauf, landab ist von Ärztemangel zu lesen. Insbesondere die Zahl der niedergelassenen Allgemeinmediziner soll schon seit geraumer Zeit rückläufig sein. Hausärzte finden nur schwer Nachfolger oder Verstärkung für ihre Praxen, insbesondere im ländlichen Raum. Nicht so im Fall von Dr. Oliver Mayer. Der Allgemeinmediziner aus Leidenschaft konnte eine kompetente und motivierte neue Kraft für sein Team in Nagold gewinnen. Gefunden hat er sie im eigenen Zuhause.
Landauf, landab ist von Ärztemangel zu lesen. Insbesondere die Zahl der niedergelassenen Allgemeinmediziner soll schon seit geraumer Zeit rückläufig sein. Hausärzte finden nur schwer Nachfolger oder Verstärkung für ihre Praxen, insbesondere im ländlichen Raum. Nicht so im Fall von Dr. Oliver Mayer. Der Allgemeinmediziner aus Leidenschaft konnte eine kompetente und motivierte neue Kraft für sein Team in Nagold gewinnen. Gefunden hat er sie im eigenen Zuhause.
Dr. Janine Mayer kommt ursprünglich von der Ostsee. Während ihres Medizinstudiums in Rostock hat sie ihren heutigen Mann kennengelernt: Dr. Oliver Mayer. Die junge Familie zog 2013 gemeinsam nach Nagold, wo er zwei Jahre später eine Praxis übernahm, die er seit über zehn Jahren mit Herzblut führt. Janine Mayer schlug zunächst einen anderen Weg ein. Schon seit der 8. Klasse stand für sie fest: Sie wollte Ärztin werden. „Es gab für mich nie etwas anderes, das in Frage gekommen wäre“, erzählt sie. „Ich hatte gerne Biologieunterricht und habe mich allgemein für diese Themen interessiert.“ Zu Beginn ihres Medizinstudiums war für sie noch klar: Gynäkologie kommt nicht in Frage! Aber schon nach dem ersten Praktikum haben sich ihre Ansichten komplett gewandelt. „Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich mich dann doch dafür entschieden habe“, erinnert sich Janine Mayer. Die Gynäkologie mit Geburtshilfe sei sehr vielfältig. „Da kommt neues Leben auf die Welt“, sagt sie begeistert. „Ich habe als Gynäkologin sehr viele schöne Momente erleben dürfen.“ Entsprechend viel Spaß hat ihr die Arbeit an einer Klinik in Aalen gemacht. Als die ersten Kinder des jungen Paares zurWelt kamen, entschieden sie sich für den Umzug von Ellwangen nach Nagold – zurück in die Heimat von Oliver Mayer und zu seinen Eltern, welche das Paar immer tatkräftig in Sachen Kinderbetreuung unterstützten. Zunächst betreute Janine Mayer noch eineinhalb Jahre lang Patientinnen in einer gynäkologischen Praxis in Nagold. Dann entschied sie sich für eine „Babypause“ und kümmerte sich die folgenden Jahre in Vollzeit um die mittlerweile vier Kinder. Die jüngste Tochter ist heute vier Jahre alt, die älteste bereits 14 Jahre. Nach und nach werden die Kleinen also groß – und Janine Mayer überlegte, wieder ins Berufsleben einzusteigen.
Wiedereinstieg in den Beruf – aber wie?
Als Ärztin mit vier Kindern ist das aber gar nicht so einfach. Der Klinikalltag ist mit den Dienstzeiten nicht neben der Familie zu stemmen,ebensowenig eineVollzeitstelle in einer Praxis. Möglichst flexibel sollten die Arbeitszeiten sein. So entstand die Idee einer Familienpraxis. Janine Mayer begann 2025 eine Tätigkeit als angestellte Ärztin in der Praxis ihres Mannes – und damit verbunden eine erneute Facharztausbildung. Vier Jahre lang wird sie Allgemeinmedizin „lernen“ und nach erfolgreich bestandener Prüfung kann sie sich Fachärztin für Allgemeinmedizin nennen. Tatkräftig anpacken kann sie aber schon jetzt. In den ersten Monaten hat Janine Mayer vor allem zugeschaut und gelernt. „Die Allgemeinmedizin ist sehr interessant und es macht wirklich Spaß“, erzählt sie. „Die Tätigkeit ist extrem vielseitig. Wenn ein Patient kommt, weiß man nie, was einen so erwartet.“
Mittlerweile hat Janine Mayer die Abläufe verinnerlicht.Also war es Zeit für den nächsten Schritt: eine eigene Sprechstunde. In diesen Tagen hat sie begonnen, eigene Patienten zu betreuen. „Natürlich nur die Patienten, die das auch wollen“, stellt sie klar. „Einige kommen schon seit Jahren zu meinem Mann und haben eine gewisse Bindung zu ihm. Sie können natürlich auch weiterhin in seine Sprechstunde kommen.“ Nähe und Bindung zum Patienten gefallen Janine Mayer besonders „Ich freue mich, nach einigen Jahren zuhause wieder zurück im Beruf zu sein“, erzählt Janine Mayer. Immerhin habe sie ihre Arbeit immer gerne gemacht und auch viel Zeit in die Ausbildung investiert – ganz zu schweigen von regelmäßigen Fortbildungen, die als Mediziner quasi Pflicht sind. Das war einer der Gründe, dass sie sich jetzt für die Rückkehr in den Praxisalltag entschieden hat. „Ich war und bin immer gerne bei meinen Kindern zuhause, aber irgendwann ist man in diesem Beruf zu lange raus. Man muss sich ständig fortbilden und informieren.“ Dazu kommt nun noch die Herausforderung, ein neues Fachgebiet zu erlernen. „Das ist nicht zu unterschätzen, auch, das alles unter einen Hut zu bringen und zu organisieren.“ Machbar sei das nur,weil Janine Mayer in der Praxis ihres Mannes entsprechend flexibel ist. Von ihrer neuen Tätigkeit ist Janine Mayer schon nach wenigen Monaten begeistert. Die Vielfältigkeit und die neue Herausforderung reizen sie an der neuen Fachrichtung. Außerdem habe das Praktizieren in einer Hausarztpraxis einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Klinikalltag: die Nähe zum Patienten. Man lerne sich kennen und sehe sich über Jahre hinweg immer wieder.Außerdem sei das Handeln ein ganz anderes. In der Klinik sei es um viele Tests und Überweisungen gegangen, in der Hausarztpraxis leistet sie selbst eine „Rundumversorgung“: „Der Patient sollte aus dem Zimmer gehen und das Gefühl haben, wir haben einen Plan.“
Autor / Fotograf: Jacqueline Geisel