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Anzeige Aichhalden als Musterbeispiel

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Auch wenn Aichhalden (unten) und Rötenberg etwa sechs Kilometer voneinander entfernt liegen, so sind sie längst zu einer politischen Einheit zusammengewachsen. 2004 wurden Ortschaftsverfassung und Ortschaftsrat Rötenberg aufgelöst, 2013 die unechte Teilortswahl abgeschafft.Fotos: Gemeinde Foto: Schwarzwälder Bote
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Auch wenn Aichhalden (unten) und Rötenberg etwa sechs Kilometer voneinander entfernt liegen, so sind sie längst zu einer politischen Einheit zusammengewachsen. 2004 wurden Ortschaftsverfassung und Ortschaftsrat Rötenberg aufgelöst, 2013 die unechte Teilortswahl abgeschafft.Fotos: Gemeinde Foto: Schwarzwälder Bote

(lh). Im Juli 2024 jährt sich die Eingemeindung von Rötenberg nach Aichhalden zum 50. Mal. Da die Corona-Pandemie bis dahin überstanden sein sollte, steht einem größeren Fest nichts im Wege.

In diesen fünf Jahrzehnten haben es die katholischen Aichhalder und evangelischen Rötenberger geschafft, politisch zu einer Einheit zusammen zu wachsen. Hinsichtlich der durch die Gemeindereform in den 1970er-Jahren geschlossenen "Zweckheiraten" sind Aichhalden und Rötenberg über den Landkreis Rottweil hinaus ein Musterbeispiel dafür, wie Ortsteildenken, Rivalität und Neid bei Seite gelegt werden können und beide Ortsteile profitieren.

Bereits im Jahr 2004 wurde die Ortschaftsverfassung mit Ortschaftsrat aufgelöst. 2013 folgte mit der Abschaffung der unechten Teilortswahl praktisch die letzte Etappe. Gleichzeitig wurde die Anzahl der Gemeinderäte von damals 17 Personen (einschließlich eines Ausgleichsmandats) auf 14 Räte gesenkt. Bei den Kommunalwahlen 2014 spielte es dann keine Rolle mehr, wie viele Mandatsträger aus Aichhalden und Rötenberg am Ratstisch saßen.

"Vater der kommunalen Einheit" war wohl der frühere Bürgermeister Ekhard Sekinger. Als gebürtiger Rötenberger wurde er im Juli 1993 als Nachfolger von Reinhold Kühner ins Amt gewählt und arbeitete mit Überzeugungskraft auf dieses Ziel hin. Dass die Aichhalder mit einem Rötenberger Rathauschef bestens zufrieden waren, zeigte die Wahl im Juli 2017: Mit Michael Lehrer machte wieder ein in Rötenberg aufgewachsener Bürgermeister-Kandidat das Rennen im zweiten Wahlgang.

Kräftig gewachsen ist die Gemeinde auch nach Einwohnern. Wohnten nach der Volkszählung im Mai 1939 noch 2899 Männer und Frauen in Aichhalden und Rötenberg, wurde bereits 1999 mit 4141 Einwohnern die 4000er-Schallmauer erstmals übersprungen. Der bisherige Höchststand datiert aus dem Jahre 2000 mit 4199 Bürgern.

Die um die Jahrtausendwende einsetzende Landflucht, Geburtenrückgänge und demografischer Wandel überstand die Gemeinde ohne größere Blessuren. Lediglich 2013 und 2014 wurde die 4000er-Marke geringfügig unterschritten. Stand Juni 2019 wohnen 4170 Personen in der Gesamtgemeinde.

Mehr als 400 Bürger wandern aus Not in die USA aus

Ein Blick lohnt sich in die Geschichtsbücher der beiden Ortsteile. So soll Rötenberg im 11. Jahrhundert mit den drei Teilen Altenberg, Bach und Dorf Rötenberg entstanden sein. Der zuvor römische Einfluss – auf dem Brandsteig stand ein römischer Posten mit Gutshof und Umspannstation – wurde durch die Landnahme der Alemannen begrenzt, die wiederum den Franken weichen mussten. Letztere brachten das Christentum mit, wodurch Rötenberg schon um 1128 eine eigene Kirche erhielt.

Durch mehrere Kriege wurde die Bevölkerung stark dezimiert. Zudem brachten Missernten in den 1850er-Jahren Not und Elend, weshalb mehr als 400 Rötenberger in die USA auswanderten. Bis 1935 hatte der Ort zwei unabhängige Schulen, bis 1953 zwei verschiedene Bürgermeister, ehe sich am 1. Januar 1969 die selbstständigen Kommunen Rötenberg und Bach-Altenberg zusammenschlossen.

Aichhalden wurde erstmals 1223 urkundlich erwähnt. Es spricht vieles dafür, dass die Besiedlung stark vom Kloster Alpirsbach beeinflusst worden ist. Von 1444 bis 1547 wird Aichhalden als Städtlein erwähnt. Wohl darauf ist der heutige Straßenname "Hintere Stadt" zurückzuführen.

Eine wesentliche Rolle in der Geschichte Aichhaldens spielten zahlreiche Brände. Zwischen 1890 und 1950 brannten allein 70 Häuser und Höfe ab, die meist ein Opfer des "Aichhalder Blitzes" waren.

Bis 1933 bestand Aichhalden aus den selbstständigen Teilgemeinden Vorderaichhalden und Hinteraichhalden, die wichtige Beschlüsse getrennt fassten. Mit der Eingemeindung von Rötenberg musste Aichhalden im Gegenzug Bereiche des "Lienberg" und den "Brambach" mit rund 250 Einwohnern und 330 Hektar Fläche an die Stadt Schramberg abtreten.

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