Der Baufortschritt ist erkennbar – aber auch, dass die Baustelle eine sandige Angelegenheit ist. Foto: Albrecht Schneider

Auf der Baustelle Hochbrücke herrschte die letzten Wochen weiter Hochbetrieb – zum Ärger der Anwohner. Denn Staub und Lärm wurden wieder zur Belastung. Es folgte Protest.

Horb-Nordstetten - Edith Barth fackelt nicht lange. Die frühere Ortsvorsteherin von Nordstetten und Ex-Stadträtin meldet sich bei den Verantwortlichen, wenn die eigene Schmerzgrenze so stark überschritten ist, dass in ihren Augen etwas getan werden muss. "Die vergangenen zwei Jahre waren die Hölle, doch nun wurde noch eins draufgesetzt", berichtet sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Siebmaschine sorgt für Staubwolken

Auslöser der Anwohner-Wut: eine Siebmaschine zum Sieben des Oberbodens. Das Ergebnis laut Barth: riesige Staubwolken, die auf die Häuser und Grundstücke der Anwohner einprasseln. "Bei uns sieht es ganz schlimm aus. Alles ist voller Staub." Verstärkt werde das Problem noch durch die aktuelle Trockenheit.

Die bekannte Nordstetterin, die zusammen mit ihrem Mann Bernd im Horber Gäßle wohnt, ließ ihren Unmut in einem Schreiben an Bauleiter Rainer Gumz freien Lauf. Hinter dem "jetzt reicht es" setzte sie vier Ausrufezeichen. Es sei der absolute Hammer und eine Frechheit, die neue Maschine neben einem Wohngebiet einzusetzen. "Wir ersticken in Staub und Dreck." Barths Appell: "Die Anlieger fordern, sofort damit aufzuhören und die Einrichtung zu verlegen." Neben Staub und Dreck kommen weitere Belastungen auf die Anwohner zu, wie Barth berichtet. "Unser ganzes Haus wackelt immer wieder. Die Lautstärke ist unerträglich. Und es gibt überall Risse in den Gebäuden."

In der Alemannenstraße wackeln die Wände

Bestätigt wird die frühere Ortsvorsteherin von Albrecht Schneider aus der Alemannenstraße: "Wir leiden auch unter sehr viel Staub, wobei die Barths da noch mehr betroffen sind. Dafür wackeln die Wände in unserer Straße noch mehr. Es gibt einige Risse in den Häusern."

Auch der Lärm sei unerträglich. "Ich habe mir zum Glück neue Fenster einsetzen lassen, sonst wäre es noch weniger auszuhalten gewesen. Vorher habe ich 95 bis 98 Dezibel gemessen – und das den ganzen Tag lang und nicht nur für kurze Momente."

Auch Schneider hat schon den Kontakt zu Bauleiter Gumz gesucht. Dieser habe ihm gesagt, dass man sich um die Schadensregulierung kümmern werde, wenn alles fertig sei. Zwischenzeitlich hat Schneider jedoch bereits einen Gutachter eingefordert, mit dessen Auftreten er aber alles andere als zufrieden gewesen sei. Ob künftig im Sinne der Anwohner begutachtet werde? Schneider ist skeptisch: "Ich glaube nur das, was ich sehe."

Trockenes Wetter und Wind sorgen laut RP für Staubaufwirbelungen

Und was sagt das Regierungspräsidium Karlsruhe zur jüngsten Kritik der Anwohner? Durch die Siebmaschine werde erreicht, dass der einzubringende Oberboden frei von natürlich vorkommenden Fremd- und Störmaterialien wie Klumpen, Steinen, Ästen oder Ähnlichem sei, begründet Irene Feilhauer zunächst den Einsatz der Maschine.

Warum es so viel staubte? "Bedingt durch das aktuell vorherrschende sehr trockene Wetter kommt es in Verbindung mit Wind zu Staubaufwirbelungen. Dies ist derzeit, bedingt durch die anhaltende Trockenheit, ein generelles Problem, das aktuell allgemein bei Baustellen mit großen Erdbewegungen besteht und daher nicht spezifisch in Horb durch die Siebmaschine ausgelöst wird." Das RP gibt zu, dass die Anwohner vorher nicht über den Einsatz der Maschine informiert worden seien – "aufgrund der aktuell rasch voranschreitenden Arbeiten sowie des kurzfristig erforderlichen Einsatzes der Siebanlage".

Reaktion: Siebarbeiten werden an anderer Stelle fortgeführt

Man habe auf den Protest der Anwohner reagiert. Feilhauer: "Wir haben die Arbeiten zur Siebung des Oberbodens am bisherigen Ort eingestellt. Außerdem werden weitere, kurzfristig erforderliche Siebarbeiten an anderer Stelle fortgeführt. Dies ist mit einem erhöhten Aufwand im Hinblick auf die Materialbewegung verbunden, dadurch kann aber die Staubentwicklung in Richtung der bebauten Flächen vermindert werden."

Weiterhin sei beschlossen worden, einen Teil des Oberbodens ungesiebt an die dafür vorgesehenen Bereiche einzubringen. "Dies bedeutet ebenso einen erhöhten Aufwand in der zukünftigen Pflege der Flächen sowie in der Einbringung des Materials. Jedoch können dadurch die Staubbelastungen weiter minimiert werden."

Info: Aktuelle Arbeiten und Zeitplan

Zur Zeit werden Arbeiten in Randbereichen der Fahrbahn ausgeführt, wie RP-Sprecherin Irene Feilhauer auf Anfrage unserer Redaktion berichtet. Diese Arbeiten umfassen die Aufbringung von Erdmaterial, wie auch des Oberbodens. "Weiterhin finden Vorbereitungen für die Einbringung der Asphaltdeckschicht, die in KW 34 vorgesehen ist, sowie die Montage der Lärmschutzwände statt. Ebenfalls ab KW 34 findet die Montage der passiven Schutzeinrichtungen (›Leitplanken‹) statt", heißt es. Die Strecke Horb-Nordstetten werde um das zweite Septemberwochenende 2022 wieder für den Verkehr freigegeben.