Steil, eng, kurvig: So beginnt der Steinrinneweg in Calw. Schwierig für die Müllabfuhr. Foto: Fritsch

Der Calwer Steinrinneweg ist für Fahrer von Müllautos eine Herausforderung. Das enge und zu Beginn steile Sträßchen ist nur rückwärts zu befahren. Um diese Fahrt so kurz wie möglich zu halten, sollen die Anwohner ihre Tonnen künftig an einen Sammelplatz bringen. Nun schildern sie ihre Sicht der Dinge.

Kreis Calw - 14 Partien wohnen im Steinrinneweg. Das entspricht etwa zwei Dutzend Personen, zumeist Senioren: Für sie ist es eine große Umstellung, die Tonnen an Abfuhrtagen an einen zentralen Platz statt vors Haus zu stellen. Doch der Abfallwirtschaftsbetrieb Landkreis Calw (AWB) verweist auf die Gefahren, wenn ein Müllauto größere Strecken rückwärts fahren muss, und auf verschärfte Vorschriften seitens der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Die Kombination aus beidem macht das Thema zu einem, das bald weitere Landkreisbewohner betreffen wird. Denn der AWB hat mit der Firma Häberle, die die Abfuhr durchführt – lediglich die Gelben Säcke holt Remondis ab –, 1600 Rückfahrstrecken im Kreis ausgemacht. 180 davon sind kritisch. Diese will der Abfallwirtschaftsbetrieb nun genauer anschauen. Die erste ist der Steinrinneweg.

Die Straße mit einem Müllauto im Rückwärtsgang zu meistern, ist eine Leistung, die die Anwohner anerkennen. Weniger gefällt ihnen, wie sich der Ablauf der Ereignisse ihren Schilderungen nach darstellt. "Die AWG (Abfallwirtschaft Landkreis Calw GmbH, Anm. d. Red.) hat die Anwohner des Steinrinnenwegs Mitte Februar ohne Anhörung vor die vollendete Tatsache gestellt, dass sie ab dem 1. März den gesamten Müll (Restmüll, Biomüll, Papier, Glas, Gelber Sack) zu einem von ihr festgelegten Sammelplatz in der Uhlandshöhe zu bringen habe, der bis zu 250 Meter weit entfernt liegt", schreibt Stephan Mayer, Sprecher der Anwohner. "Für die meisten Betroffenen wäre das aufgrund der Entfernung und des Gefälles nicht machbar gewesen. Dagegen hat sich unser Widerstand gerichtet."

Kleinere Fahrzeuge

Inzwischen, so hatte es auch AWB-Bereichsleiter Helge Jesse geschildert, gab es zwei Ortstermine mit AWB, Stadt, Entsorgern und Anwohnern, und der Sammelplatz wurde weiter nach hinten verlegt. Er befindet sich künftig oberhalb der steilen Kurve und ist somit näher für die Anwohner. Die Abholung von dort beginnt wohl Mitte oder Ende April, schätzt Jesse.

"Wir haben der Kompromisslösung ›Sammelplatz‹ nur zugestimmt unter dem Vorbehalt, dass bis zum Herbst Erfahrungen gesammelt werden über die Machbarkeit und über den Einsatz kleinerer Entsorgungsfahrzeuge. Danach wird erneut entschieden", schreibt Mayer. "Wir gucken gerne nach Erfahrungswerten", meint dazu Helge Jesse.

Anwohner lehnen Parkverbot ab

Stephan Mayer bemängelt mit Blick auf die Ortstermine, dass vor allem vonseiten der Entsorger kaum ein Entgegenkommen zu erkennen gewesen sei. "Das Argument, dass es auch kleinere Entsorgungsfahrzeuge gäbe, die das Problem zur Gänze lösen würden, wurde schlicht geleugnet." Dabei kämen andernorts lediglich zwei Meter breite Modelle zum Einsatz.

Allerdings hatte die Firma Häberle bereits ein schmaleres Auto angeschafft. Das ist mit 2,35 Meter immerhin 15 Zentimer schmaler, "aber immer noch breit", weiß auch Helge Jesse. Eng bleibe es im Steinrinneweg auch deshalb, weil dort oft Fahrzeuge parkten. Ein durchgehendes Parkverbot haben die Anwohner laut dem Bereichsleiter aber abgelehnt. Und noch kleinere Müllautos seien in einem Flächenlandkreis wie dem Kreis Calw nicht wirtschaftlich, weil sie ständig zum teils weit entfernten Umschlagplatz fahren müssten.

Derweil kritisieren die Anwohner, dass die "viel zitierte Unfallverhütungsvorschrift" seit 2016 existiert, aber bisher weder Abfallwirtschaft noch Entsorger reagiert hätten. Zumal es nach Angaben Mayers laut einer Broschüre der gesetzlichen Unfallversicherung "weniger als drei schwere Unfälle mit rückwärts fahrenden Müllfahrzeugen pro Jahr in Deutschland gegeben" hat, "von denen laut DGUV 80 Prozent vermeidbar gewesen wären, wenn man alle Vorschriften eingehalten hätte". Jeder Unfall sei tragisch und zu viel, meint der Calwer, aber vermutet, "dass man das Unfallrisiko bemüht, um die überfällige Investition in kleinere Fahrzeuge zu vermeiden".

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