In der Straße Hinterweiden wird gefordert, die Geschwindigkeit der Fahrzeuge in dem Wohngebiet zu reduzieren. So einfach ist das aber nicht.
26 Familien aus der am nördlichen Stadtrand gelegenen Straße Hinterweiden haben sich mit der Petition an die Stadtverwaltung gewandt.
Einer der Petenten, der Polizeibeamte Dieter Schowner, beklagte vor dem Gemeinderat: „Mütter, die zum Kindergarten Albblick fahren, sind häufig zu schnell“.
Die Unterzeichner der Bittschrift schlugen bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung, die Umwidmung in eine Einbahnstraße und stationäre oder temporäre Geschwindigkeitskontrollen in dem Neubaugebiet vor.
Messungen schon 2024
Die Stadtverwaltung hat bereits im vergangenen Jahr versucht, die Situation anhand von Geschwindigkeitsmessungen zu erhellen. Wie der Leiter des Sachgebiets Recht und Ordnung bei der Stadt, Axel Pecher, dem Gemeinderat berichtete, wurde die Geschwindigkeit der durchfahrenden Fahrzeuge mit der städtischen Geschwindigkeitstafel gemessen.
Insgesamt 20 000 Fahrzeuge wurden dabei im Tempo-30-Bereich erfasst. Die durchschnittliche Geschwindigkeit lag bei 33 Stundenkilometern. „Bedenklich“ nannte Axel Pecher aber die Tatsache, dass 20 Prozent der Fahrer mit 40 Stundenkilometern und schneller unterwegs waren – „was grenzwertig ist“, so die Feststellung des Sachgebietsleiters.
Dieses Maß an Geschwindigkeitsüberschreitungen rechtfertigt nach den geltenden Vorschriften schon ein Einschreiten und geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen.
Im letzten Jahr gab es an fünf Tagen zu unterschiedlichen Zeiten, also frühmorgens, tagsüber und in den Abendstunden auf Hinterweiden fünf „scharfe“ Geschwindigkeitsmessungen. Die Ergebnisse waren jedoch unauffällig. Von 238 gemessenen Fahrzeugen waren lediglich zwölf zu schnell, was einer Überschreitungsquote von fünf Prozent entspricht. Und dies ist in einer Tempo-30-Zone erfahrungsgemäß ein guter Wert. Die Höchstgeschwindigkeit lag abzüglich der Toleranz bei 48 Stundenkilometer.
Auch Anwohner waren zu schnell
Unter den Fahrzeugen, die im vergangenen Jahr zu schnell unterwegs waren und geblitzt wurden, waren jedoch auch Autos von Familien, welche die Petition mit unterschrieben haben, eines der Autos wurde sogar drei Mal geblitzt. Axel Pecher von der Stadtverwaltung machte darauf aufmerksam, dass scharfe Messungen, bei denen die „Geblitzten“ mit einer gebührenpflichtigen Verwarnung oder einem Bußgeld rechnen müssen, nur in begrenztem Umfang stattfinden können. Auch könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Messfahrzeug von Autofahrern erkannt wird oder sie durch den Gegenverkehr gewarnt werden. Nur einzelne Fahrzeuge würden 50 Stundenkilometer oder schneller fahren, so Pecher.
Da in der Straße an Kreuzungen die Rechts-vor-links-Regel gelte, sei es auch gar nicht möglich, dauerhaft wesentlich schneller als erlaubt zu fahren. Bei einer Fahrbahnverengung, wie sie von den 26 Familien vorgeschlagen wurde, darf eine Mindestbreite nicht unterschritten werden. Ist die Verkehrsfrequenz zu gering, bleibt die Verengung ohne Folgen, weil Autofahrer dann einfach Slalom fahren, anstatt gezwungenermaßen bei Gegenverkehr anzuhalten.
Schwellen wären denkbar
Axel Pecher wies darauf hin, dass in der Straße nur Anliegerverkehr herrscht. Den Vorschlag aus der Petition, eine Einbahnstraße einzurichten, lehnte er ab: „Das führt dazu, dass schneller gefahren wird“. Und der Einbau von Bremsschwellen („Berliner Kissen“) aus Gummi führe zu erhöhtem Lärm, wenn Fahrzeuge mit Anhänger oder Lkw darüber fahren.
Dennoch kann sich Axel Pecher vorstellen, zwei bis drei Schwellen in der Straße Hinterweiden zu installieren. „Wir schaffen damit zwar einen Präzedenzfall“, so der städtische Sachgebietsleiter, jedoch könne man dies damit rechtfertigen, dass die Straße Hinterweiden auch als Zufahrtsstraße zum Kindergarten Albblick dient.
Der Polizeibeamte Dieter Schowner, der als Sprecher der 26 Familien vor dem Gemeinderat auftrat, sagte, die Einwohner seien für Blumenkübel, aber gegen Bremsschwellen.
Kübel würden bevorzugt
Bürgermeisterin Susanne Irion kündigte an, dass die Thematik in der Verkehrskommission besprochen wird, in der Polizei und Landratsamt sowie Stadt vertreten sind. „Wenn Schwellen das Mittel der Wahl sind, müssen das die Anwohner akzeptieren“, so die Bürgermeisterin. Stadtrat Gerhard Brummer (OGL) sprach sich für Pflanzkübel aus, weil viele der Grundstücke in der Straße „tot“ seien, keine Pflanzen aufweisen würden. Auch Jürgen Vosseler (CDU) plädierte für Pflanzkübel und sah Handlungsbedarf, Werner Dressler (Freie Wähler) nannte den Vorschlag der Stadtverwaltung sinnvoll. Bodenschwellen oder seitliche Einengungen würden – je nach Ausführung – 1000 bis 2000 Euro kosten.