Im Naturschutzgebiet Taubergießen sorgt Rangerin Cosima Zeller dafür, dass Flora und Fauna geschützt werden. Außerdem ist sie Ansprechpartnerin für Besucher.
Vögel zwitschern, die Sonne scheint, Schmetterlinge flattern durch die Gräser am Wegrand: Das Treffen mit Rangerin Cosima Zeller im Taubergießen gleicht einer kurzen Auszeit im Paradies.
Die 34-Jährige ist seit Mai 2021 für das 1682 Hektar umfassende Naturschutzgebiet verantwortlich. „Die Arbeit geht mir hier nie aus“, erklärt Zeller strahlend, während sie unserer Redaktion bei einer Tour entlang des Rheins in Kappel-Grafenhausen einen Einblick in ihre Aufgaben gibt.
Dass die 34-Jährige ihren Job liebt, ist offensichtlich: Immer wieder bleibt sie stehen und freut sich über seltene Pflanzen, die sie rechts und links des Weges entdeckt. „Wenn man von den Wiesenflächen in den Auwald kommt, sind das für mich wie zwei Welten. Was das für eine Magie hat. Das macht das Gebiet für mich so faszinierend“, schwärmt sie.
Immer für Besucher ansprechbar
Zeller ist ursprünglich gelernte Tierarzthelferin. Im Rahmen ihres anschließenden Studiums „Waldwirtschaft und Umwelt“ in Freiburg absolvierte sie ein Pflichtpraktikum in der ökologischen Station Taubergießen des Regierungspräsidiums. „Als hier dann eine Rangerstelle geschaffen wurde, habe ich sie nach meinem Studium angenommen“, erklärt sie.
Eine Aufgabe der Rangerin ist es, auf der Fläche präsent und für Besucher bei Fragen ansprechbar zu sein – etwa wenn sie nach dem richtigen Weg suchen oder Informationen zu bestimmten Pflanzen haben möchten. Schon nach einem kurzen Stück unserer Tour treffen wir auf den ersten Spaziergänger.
Die Rangerin sorgt für die Einhaltung der Regeln
Er ist gekommen, um die seltenen Orchideen, für die das Schutzgebiet bekannt ist, zu fotografieren. Sie tauscht sich mit ihm aus und erklärt, was gerade blüht. Ein paar Meter weiter des Wegs entlang des Hochwasserdamms bleibt Zeller erneut stehen und deutet in die Hangböschung. Zu sehen ist ein plattgetretenes Stück Wiese, dahinter steht eine rosa blühende Orchidee. „Hier wollte jemand die Pflanze aus dem besten Winkel ablichten“, erläutert sie verärgert. Fotografen würden immer wieder ohne Rücksicht auf Verluste in die Böschung stapfen – dabei ist das Verlassen der Wege im gesamten Gebiet verboten. Die Menschen darüber zu informieren, fällt ebenfalls in den Aufgabenbereich der Rangerin: „Aufklärung und Sensibilisierung sind sehr wichtig“, erklärt sie.
Als wir an einer Schleuse vorbeikommen, vor der verdächtig wenig Wasser im Bachbett fließt, greift Zeller kurzerhand nach ihrem Telefon und meldet den Pegelstand der verantwortlichen Stelle. „Es gibt viele Dinge, die nicht in meiner Zuständigkeit liegen. Deshalb sind Zusammenarbeit und Austausch vor Ort das A und O“, berichtet sie. Zu tun habe sie bei ihrer Arbeit unter anderem immer wieder mit den Gemeinden Rheinhausen, Kappel-Grafenhausen, Rust und Schwanau sowie der französischen Gemeinde Rhinau, auf dessen Gemarkungen sich das Schutzgebiet befindet, dem Nabu, dem LPO (französischer Vogelschutzverein), der Wasserwirtschaft, Jägern, dem Forst, Landwirten, Bootsführern (durch das Gebiet führt eine ausgewiesene Bootstrecke), Fischern und Anglern.
90 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringe sie in der Station (sie befindet sich im alten Zollwohnhaus am Hochwasserdamm, rund 300 Meter vor der Fähre) oder draußen im Gebiet. Dazu kämen ab und zu Termine bei Behörden. Darauf achten, dass Hunde an der Leine geführt werden, Besucherlenkung, Sensibilisieren, Ansprechpartner sein, Anfragen für wissenschaftliche Untersuchungen, Bürokratie – all das gehört zu Zellers Aufgaben. Im Einsatz ist sie auch an Wochenenden und Feiertagen. Unterstützung bekommt sie dabei von ehrenamtlichen Naturschutzwarten. „Darüber bin ich sehr dankbar. Das ist so ein riesiges Gebiet, da kann man einfach nicht alles alleine abdecken“, betont die Rangerin.
Da es im Naturschutzgebiet Regeln gibt, an die es sich zu halten gilt, muss Zeller viel besprechen und erklären. Im Vergleich zur Zeit der Coronapandemie seien die Besucher mittlerweile wieder deutlich verträglicher geworden. „Im Allgemeinen sind die Leute umgänglich. 95 Prozent der Gespräche sind positiv. Das sind vielleicht zwei Prozent der Leute, die ausfällig oder aggressiv werden“, berichtet sie. Doch schwarze Schafe gebe es immer: Etwa Menschen, die ins Naturschutzgebiet kämen, nur um dort zu Grillen. „Mich hat auch schon jemand mit einer Glasflasche bedroht. Aber im Ernstfall hole ich die Polizei“, stellt die 34-Jährige klar.
Cosima Zeller hat auf dem Gebiet Hoheitsrechte
„Als hauptamtliche Naturschutzwartin habe ich auch Hoheitsrechte“, erklärt Zeller. So könne sie etwa die Landschaft sperren, wenn es dafür einen Grund gibt, Besucher der Fläche verweisen und Werkzeuge sowie Diebesgut (etwa geklaute Pflanzen) sicherstellen. „Wir Ranger sind die Anwälte der Natur, der Wildtiere und der Pflanzen. Es ist mir aber auch wichtig, mich nicht aufzuführen wie der Sheriff vom Dienst“, sagt die 34-Jährige.
Besonders bereichernd für Zeller sind die Gespräche mit den Menschen, die sie jeden Tag führt: „Wenn Leute mit einem kleinen Mehrwert nach Hause gehen, dann denke ich mir: Ich habe einen guten Job gemacht.“ Zudem sei es ein schönes Gefühl, der Natur etwas zurückgeben zu können. „Man kann nur schützen, was man kennt und liebt“, erklärt sie ihre Motivation.
Regeln im Schutzgebiet
Im Naturschutzgebiet ist es verboten, Wege zu verlassen, Hunde frei laufen zu lassen, Pflanzen zu pflücken, auszugraben oder zu beschädigen, wildlebende Tiere zu fangen oder zu stören, Drohnen zu starten oder zu landen, außerhalb von öffentlichen Straßen mit motorisierten Fahrzeugen zu fahren, zu reiten, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Wohnmobile aufzustellen, außerhalb von eingerichteten Feuerstellen Feuer zu machen, zu baden oder zu tauchen sowie die Gewässer mit Wasserfahrzeugen zu befahren. Ein Bereich ist für Bootsfahrten beschränkt freigegeben.