Gut gelaunt schauten sich Claudia Dalm (Amt für Stadtentwicklung) und Regierungspräsident Carsten Gabbert die Innenstadt an. Foto: Köhler

Ladesäulen für Badegäste am Waldmattensee, mehr Platz für Schüler im Lahrer Osten und ein Ideenwettbewerb für Marktplatz und Werderpark: Regierungspräsident Carsten Gabbert hat sich über laufende Projekte in Lahr informiert – und bescheinigte seiner Heimatstadt, auf einem guten Weg zu sein.

Für 296 Städte und Gemeinden, erzählt Carsten Gabbert vor der Abfahrt auf dem Rathausplatz, ist er als Regierungspräsident zuständig. Doch nur Lahr ist seine Heimatstadt. Entsprechend interessiert zeigte sich der Landesvertreter bei der Rundfahrt mit der Verwaltungsspitze, die ihm an vier Stationen einige Neuigkeiten zu bekannten laufenden Projekten vermittelte.

 

Floating-PV-Anlage auf dem Waldmattensee: Von Langenwinkel, wo Gabbert als erste Station das Grundstück fürs neue Lahrer Klinikum besichtigte, ging es weiter nach Kippenheimweiler zum Waldmattensee. Dort nahm der Regierungspräsident die neue Floating-PV-Anlage der Firma Vogel-Bau in Augenschein. Etwa ein Viertel der Solarboote schwimmen bereits in der Mitte des Sees. An Land sind die Arbeiter damit beschäftigt, die Boote wie am Fließband zusammenzubauen. Zuerst werden die Schwimmkörper montiert, anschließend die PV-Module. Auf einer Länge von 60 Metern werden die Einheiten aneinandergereiht und ins Wasser gelassen. Pro Tag werden 19 Boote fertig, erklärt Bruno Schwendemann, Verkaufsleiter von Vogel-Bau in Lahr.

Am Waldmattensee machte Gabbert interessiert Fotos von den Arbeiten an der Floating-PV-Anlage. Foto: Köhler

Weiter erläutert er Gabbert, dass das Unternehmen plant, auf elektrisch betriebene Lkws umzustellen, um den auf dem See erzeugten Strom zu speichern. Allen voran die Transportbetonmischer könnten in der Zeit, in der sie beladen werden, Strom „tanken“. Auch Ladesäulen für Kunden oder für die Badegäste am See könne man sich perspektivisch vorstellen. Zudem sei eine Direktleitung zum Klinikum sinnvoll. „Wir benötigen einen Abnehmer, der auch samstags und sonntags Strom braucht“, so Schwendemann.

Erweiterung wohl bald möglich

„Das ist ein Beispiel, dass die Energiewende auch wirtschaftlich Sinn macht“, kommentierte Gabbert das Projekt, mit dem sich Vogel-Bau ein weiteres Standbein aufbauen könne. Er stellte zudem in Aussicht, dass die Grenze von 15 Prozent Maximalbelegung des Sees angehoben werden könnte, wenn sich herausstellt, dass die Folgen für Flora und Fauna nicht so gravierend sind wie – im Vorfeld vorsichtig – angenommen. Auf dem Waldmattensee, so Schwendemann, sei eine Erweiterung auf 25 Prozent der Fläche realistisch.

Grundschule Kuhbach: Über erreichte Grenzen ging es auch in der Außenstelle Kuhbach der Grundschule Reichenbach. Sozialdezernent Guido Schöneboom, Schulamtsleiterin Senja Dewes und Konrektorin Anika Bramer begrüßten den Regierungspräsidenten in einem Klassenzimmer, das früher Betreuungsraum war und jetzt auch als Küche und Lagerraum genutzt wird. Bramer erklärte, dass man durch steigende Schülerzahlen umstrukturieren musste. „Die Außenstelle platzt aus allen Nähten“, fasste Dewes zusammen. Man würde daher gerne mit dem Bau der Breitmattenschule beginnen, doch man warte noch auf den Förderbescheid vom Land.

In der Kuhbacher Schule informierte sich Carsten Gabbert (rechts) über die angespannte Betreuungssituation im Lahrer Osten. Amtsleiterin Senja Dewes (links) erläuterte ihm, dass die Stadt noch auf den Förderbescheid für die neue Breitmattenschule warte. Foto: Köhler

Diese Nachricht überraschte den Regierungspräsidenten. Er sei davon ausgegangen, dass die Kommunen nach der Förderzusage für alle Schulprojekte mit dem Bau beginnen könnten. Viele hätten das bereits getan. Dewes spezifierte, dass man durch den Gemeinderatsbeschluss daran gebunden sei, auf eine verbindliche Zusage zu warten. Gabbert zeigte dafür Verständnis und versprach, nachzuhaken.

Hilfe bei der Friedrichschule

Schöneboom sprach den Landesvertreter darauf an, dass man beim Projekt Friedrichschule Hilfe benötige. Für diese ist ein Anbau geplant, zudem will das Clara-Schumann-Gymnasium langfristig ein Internat. Es gebe nun Pläne, wie man beides verwirklichen könnte. Da es sich aber um ein Grundstück in Eigentum des Landes handele, hofft die Stadt auf Unterstützung. Gabbert nahm auch diesen Punkt auf.

Innenstadt: Zum Abschluss ging es vom Alten Rathaus die Marktstraße hinunter bis zum Rathausplatz und zur Tiergartenstraße. Claudia Dalm vom Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung unterrichtete Gabbert über das Sanierungsgebiet Innenstadt. Das Ziel dieses Programms ist, die Innenstadt wieder zu stärken. Zehn Hektar rund um die Marktstraße umfasst das Gebiet, stellte Dalm vor. Problematisch für die Attraktivität seien nicht nur Leerstände der Geschäfte, „auch in den Obergeschossen gibt es leerstehende Wohnungen“.

Vom Sanierungsprogramm können auch Private profitieren – „es gab schon etliche Anfragen, wir sind positiv überrascht“, so Dalm. Bei einem Gebäude in der Mühlgasse, gegenüber des Restaurants Guisa, werde es demnächst konkret, gerne würde sie auch sehen, wenn sich im Eckgebäude am Schloßplatz, in dem unten die Vodafone-Filiale beheimatet ist, etwas tut. 1,67 Millionen Euro hat die Stadt für das Projekt veranschlagt. Die Beiträge für einzelne Maßnahmen sind jedoch auf 115 000 Euro gedeckelt.

Werderpark soll aufgewertet werden

Ein weiterer Punkt: die „fehlende Aufenthaltsqualität“ auf dem Marktplatz und im Werderpark auf der anderen Seite der B 415. Für beide Orte kann sich Dalm einen Ideenwettbewerb vorstellen, bei dem die Lahrer ihre Gestaltungsvorschläge einbringen können. Der Stadtplanerin schwebt auf dem Marktplatz etwa ein Wasserspiel vor, der Werderpark sollte nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene attraktiv sein. Gerade der Werderpark, befand Gabbert, sei ein „toller Platz“ in Innenstadtnähe, werde aber aktuell „unter Wert“ wahrgenommen.

Das Fazit: Als „sehr interessant“ fasste Carsten Gabbert die dreistündige Stippvisite in seiner Heimatstadt zusammen. Er lobte alle besichtigten Projekte. „Lahr ist auf einem guten Weg“, meinte er. Der Besuch sei für ihn etwas besonderes gewesen, da er zu keiner anderen Kommune einen solchen Bezug habe wie zu Lahr.

Zur Person

Carsten Gabbert wurde 1973 in Lahr geboren und ging auch in Lahr zur Schule. Nach dem Wirtschaftsabitur hat er in Freiburg Geschichte und Germanistik studiert. Nach einem kurzen Abstecher in die freie Wirtschaft wurde er mit 31 Jahren zum Rathauschef in Schuttertal. Den Posten hatte er bis 2020 inne. Seit April 2024 Regierungspräsident des Regierungsbezirks Freiburg, zuvor war er kurzzeitig Leiter des Projektteams für den Bau des neuen Lahrer Klinikums. Der Grünen-Politiker ist verheiratet und hat drei Kinder.