Seit vielen Jahren ist die Wilhelmstraße in Bad Wildbad eine Fußgängerzone. Die SPD-Fraktion im Gemeinderat will nun Ausnahmen für bestimmte Autos schaffen.
Der Status der Wilhelmstraße ist immer wieder Thema in Bad Wildbad. Im Oktober des vergangenen Jahres etwa sorgten einige Einzelhändler im Bad Wildbader Gemeinderat für Aufsehen, als sie massiv um Hilfe riefen und klare Forderungen an die Verwaltung richteten.
Auch dabei ging es unter anderem um das Thema Verkehr in der Wilhelmstraße. Die ist eigentlich eine Fußgängerzone. Immer wieder gibt es aber Stimmen, vor allem bei manchen Händlern, die die Öffnung der Wilhelmstraße für Autos und Kurzzeitparkplätze fordern. Andere wiederum sind strikt dagegen.
Verkehrsfluss soll geordnet werden
Nun hat die SPD-Fraktion in der jüngsten Sitzung des Bad Wildbader Gemeinderats einen Antrag zur Wilhelmstraße gestellt. Darin fordert sie, „erste Schritte einzuleiten, um zumindest den Verkehrsfluss in der Wilhelmstraße zu ordnen und die gewünschten Kurzhalteplätze für Kunden zu schaffen“.
Die SPD beantragt, dass die Wilhelmstraße grundsätzlich Fußgängerzone bleiben soll, aber bis 10 Uhr morgens mittels einer Einbahnstraßenregelung nur von Nord nach Süd zum Be- und Entladen befahren werden darf.
Hotelgäste sollen in Straße einfahren dürfen
Weiter sieht der Antrag vor, dass Übernachtungsbetriebe und Anwohner Einfahrtsberechtigungen erhalten. Zudem sollen die dort ansässigen Übernachtungsbetriebe ihren Hausgästen Einfahrtsgenehmigungen ausstellen dürfen. Darauf sollen dann die gebuchten Übernachtungstage vermerkt sein. Bei der Anreise soll die Buchungsbestätigung des Hotels als Nachweis dienen, dass die Einfahrt in die Wilhelmstraße einmalig gestattet sein soll.
Nach dem Willen der SPD-Fraktion sollen zudem Ladenbesitzer und Arztpraxen Parkscheine in Anlehnung an „Anwohnerparkscheine“ beantragen können. Diese sollen dann die Einfahrt in die Wilhelmstraße auch außerhalb der heute geltenden Be- und Entladezeiten erlauben. Diese Parkscheine sollten auf ein bis zwei pro Geschäft begrenzt sein und zudem das Parken in den dafür angezeichneten Parkplätzen für maximal 30 Minuten gestattet. Dazu sollen in der Wilhelmstraße maximal vier Kurzzeitparkplätze ausgewiesen werden.
Diese Vorschläge sollen laut SPD-Fraktion als erste Maßnahmen dienen, um den Bedürfnissen des Einzelhandels, der Übernachtungsbetriebe und Patienten der Arztpraxen entgegenkommen. „Der SPD-Fraktion ist bewusst, dass dies nur erste Schritte sind und insgesamt das Innenstadtkonzept schnellstmöglich überarbeitet und umgesetzt werden muss“, schreiben die Sozialdemokraten in ihrem Antrag, der mit den Worten schließt: „Wir bitten die Verwaltung, diesen Prozess nach Kräften voranzutreiben.“
Testlauf in Wilhelmstraße schon vor zehn Jahren
Das Thema Verkehr in der Wilhelmstraße beschäftigt den Gemeinderat bereits seit vielen Jahren. Bereits 2016 gab es einen sechsmonatigen Testlauf, in dem die Fußgängerzone in der Wilhelmstraße aufgehoben und stattdessen ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich eingerichtet worden war. Autos durften dann mit einer Geschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde durch die Wilhelmstraße fahren. Auch damals gab es eine Einbahnstraßenregelung und die Autos durften lediglich aus Richtung der Wildemann-Brücke und des Technischen Rathauses in die Straße einfahren.
Doch das Ganze habe nicht so funktioniert, wie sich die Stadt das vorgestellt habe, bedauerte der damalige Erste Bürgermeister-Stellvertreter Jochen Borg (CDU) dann aber im Jahr 2017. Die dadurch geschaffenen Parkplätze seien durch Dauerparker und Anwohner zweckentfremdet worden. Dadurch hätten mögliche Kunden des Einzelhandels gar keine Möglichkeit gehabt, zu parken, so Borg damals im Gespräch mit unserer Redaktion.
Zudem sei manchmal auch zu schnell gefahren worden, fügte Borg hinzu. Erlaubt war nur eine Geschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde. Ab September war die Wilhelmstraße dann für Kraftfahrzeuge wieder tabu. Damit kehrte die Stadt zu den Verhältnissen vor dem 1. September 2016 zurück. „Die Fußgänger haben dort wieder ihre Ruhe. Kinder und Senioren können sich ungefährdeter bewegen“, so Borg damals.