Inklusive städtische Kita-Gruppen: Hierbei sieht die Balinger SPD Handlungsbedarf. (Symbolfoto) Foto: malyutinaanna_AdobeStock.com

Die Balinger SPD will die Inklusion in den städtischen Kindergärten voranbringen. Daher hat sie in einem Antrag die Stadtverwaltung aufgefordert, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Balingen - So soll eine inklusionspädagogische Konzeption durch die Fachberatung der städtischen Kindergärten erarbeitet werden. Inhaltliche Basis sollen dabei die Wertschätzung von Vielfalt und gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung sein. Zudem soll das städtische Betreuungsangebot für Familien mit behinderten Kindern ausgeweitet werden. Der Wunsch der SPD geht schließlich dahin, dass Konzeption und Angebot der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden.

Annegret Land, die den Antrag in der Sitzung des Gemeinderats am Dienstag eingebracht hatte, begründete diesen unter anderem damit, dass bereits vor elf Jahren die UN-Behindertenkonvention in Kraft getreten sei. Sie lege fest, dass Inklusion und Teilhabe in allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens garantiert werden. "Davon sind wir in Baden-Württemberg weit entfernt. Und auch in Balingen sehen wir bei inklusiver Kinderbetreuung und inklusiver Bildungspolitik großen Handlungsbedarf", so Lang.

Sie verwies auf eine Aussage von Bürgermeister Reinhold Schäfer in der ersten Sitzung der Kindergartenkommission, dass in Balinger Kindertagesstätten keine Kinder mit Behinderung betreut würden. Betroffenen Eltern werde geraten, für die Betreuung eine Sondereinrichtung in Anspruch zu nehmen.

Diese Haltung sei spätestens seit der UN-Konvention nicht mehr zeitgemäß, so die Meinung von Lang. Es gebe die Pflicht, betroffenen Familien eine Wahlfreiheit zu ermöglichen.

Als Vorteil inklusiver Kita-Gruppen nannte Lang, dass diese von vornherein kleiner und mit mehr Personal ausgestattet seien. Dies komme allen Kindern zugute. Auch die Argumentation, den Erzieherinnen fehle die fachliche Kompetenz zur Betreuung von Kindern mit Behinderung, sei unzutreffend: Alle durchliefen die gleiche Ausbildung, die auch den Umgang und die Förderung von Kindern mit Beeinträchtigung umfasse.

Zudem bedeute die Betreuung von Kindern mit Behinderung in separaten Einrichtungen eine zusätzliche Belastung für betroffene Familien. Es komme nicht selten vor, dass deren Kind mit Behinderung in einem Kindergarten in Hechingen unterkomme, während die Geschwister ohne Beeinträchtigung in Balinger Einrichtungen betreut würden.

Die bauliche Erweiterung des Kindergarten Pestalozzi in Frommern erscheine der SPD-Fraktion als eine gute Möglichkeit, einen Modellversuch zu starten, hielt Lang fest. Barrierefreiheit heiße auch, Barrieren in den Köpfen abzubauen. Lang: "Kinder können das am besten."

Lang forderte den Oberbürgermeister und die Kollegen aller Fraktionen dazu auf, Inklusion in Balingen endlich wirkungsvoll anzupacken, "damit wir Vielfalt nicht nur in den Gärten der Gartenschau, sondern auch in unseren Kindergärten erleben dürfen".

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