Der Vorschlag, Fahrrad- oder Autoleihstationen im Ortsteil Nonnenweier zu installieren, wurde im Schwanauer Gemeinderat abgelehnt.
Um auch im ländlichen Raum bequem von einem Ort zum anderen zu kommen sind viele Menschen auf das eigene Fahrzeug angewiesen. Inzwischen gibt es aber in einigen Gemeinden auch Stationen, an denen man sich kurzfristig Autos oder Fahrräder leihen kann. Ob auch in Schwanau sogenannte Bikesharing- und Carsharing-Stationen errichtet werden sollen, darüber hat der Gemeinderat am Montag diskutiert und letztlich abgestimmt.
„Wie wäre es, wenn wir mit einer Carsharing-Station anfangen – wie es in Neuried auch realisiert wurde. Die Kosten für eine reine Carsharing-Station liegen bei 20 000 Euro. Es gibt drei verschiedene Zuschüsse, sodass der Eigenanteil am Ende bei 8700 Euro liegt“, stieg der stellvertretende Hauptamtsleiter Jens Blümle in der Gemeinderatssitzung in das Thema ein. Er wolle nochmal eine Diskussion dazu anregen, da man nicht wissen könne, wie lange es die Förderungen für das Programm noch gebe.
Vielleicht nutzen nur zwei oder drei das Angebot
Kuno Hamm (CDU) ging auf eine Statistik aus den Umlandgemeinden ein. Darin werde ersichtlich, dass es beim Bikesharing in 14 Monaten nur zu 39 Ausleihen in einer kleinen Umlandgemeinde gekommen sei. Es gehe daraus zwar nicht hervor, wie viele verschiedene Personen das Angebot nutzten, „aber vielleicht sind das nur zwei oder drei, für die man dann so viel Geld investieren würde“, gab Hamm zu bedenken.
Er positionierte sich klar gegen die Stationen: „Für mich macht es keinen Sinn, in jedem Teilort von Schwanau so eine Station zu installieren. Ich könnte mich maximal mit einer Carsharing-Station nach dem Neurieder Modell anfreunden“.
Auch Georg Zeller (FW) blickte einem Leihauto offener entgegen als Leihfahrrädern. Vor zwei Jahren habe er noch für das Projekt gestimmt, inzwischen sei er dagegen – zumindest gegen Leihräder, diese würde er in der aktuellen Situation auf keinen Fall anbieten.
8000 Euro könne man sinnvoller investieren
Der Idee, Fahrradleihstationen in Allmannsweier zu platzieren, wurde in der Sitzung schnell abgetan. „Diese Angebote funktionieren bei uns nicht“, war sich auch Markus Kenngott (FW) sicher. „Wir haben die Zahlen gesehen, wie es in Friesenheim lief. Es zeigt uns, dass Fahrräder bei uns im ländlichen Raum kaum genutzt werden“.
Der ländliche Raum war auch das Hauptargument von Lutz Weide (SPD), der aber durchaus damit leben könne, in Allmannsweier „so ein Ding“ einzurichten, um „nicht ganz Widerstandsgemeinde“ zu sein.
„Ich denke, das Fahrradthema ist vom Tisch“, sagte Michael Krenkel (CDU). „Beim Carsharing bin ich auch noch hin- und hergerissen. Laut der Statistik müsste das acht Stunden am Tag genutzt werden, damit es sich lohnt.“
Zum Thema Carsharing wurde daraufhin diskutiert, ob man ein solches Fahrzeug mit oder ohne sogenanntes Wandmodul anschaffen würde, welches den Preis nochmal erhöhen würde. Kenngott gab zu bedenken, dass in anderen Gemeinden die Autos wieder abgeschafft würden, weil es zu weniger Nutzer gebe.
Dieser Argumentation schloss sich auch Stefan Bruder (CDU) an: „Ich finde, solche Investitionen sind gerade nicht angesagt. Selbst 8000 Euro kann man sinnvoller investieren. So überzeugt bin ich von dem Konzept nicht“.
In zwei Jahren will der Rat erneut auf das Thema blicken
Hartmut Läßle (Liste Hartmut Läßle) äußerte sich schließlich entschieden gegen alle zur Diskussion stehenden Mobilitätsmaßnahmen: „Wir sollten das für den Moment einstampfen, wenn wir nicht sehen dass es einen größeren Gewinn erzielen könnte. Es ist ein bisschen trendy, dann hätten wir es auch. Aber ich will nicht, dass wir 8000 Euro in ein einziges Auto investieren.“
Für den vollständigen Antrag zur Installation von einer Bikesharing-Station und einem Carsharing-Auto stimmte niemand. Und auch der Antrag, nur ein Leihauto anzuschaffen bekam nur zwei Ja-Stimmen. Der Beschluss, zum aktuellen Zeitpunkt nichts zu realisieren mit Wiedervorlage in zwei Jahren, wurde bei einer Gegenstimme angenommen.
Die Statistik aus dem Umland
In der vorliegenden Statistik, die die Umlandgemeinden abbildet, ist auch der städtische Bereich mit Ortsteilen vertreten. „In der Gesamtstatistik sehen die Zahlen gut aus“, heißt es darin. Die Ausleihzahlen des Bikesharing-Angebots sind aber auch dort niedrig, etwa 123 Ausleihen in 14 Monaten.