Das Antik-Café mit Schwarzwaldkaufladen Auf Rinelen sorgt für Diskussionen im Netz. Foto: Schölzel

Mit ihrem Erwachsenen-Café will Dunja Wally einen Rückzugsort schaffen – und das möglichst ohne schreiende Kinder, die das Schwenninger Antik-Café als Spielplatz sehen. Ihren Aussagen haben eine Debatte losgetreten.

Es ist eigentlich nur eine kurze Liste mit Hausregeln, die Besucher des Antik-Cafés Auf Rinelen nahegelegt wird: Mobiltelefone sollen leise gestellt werden, Eltern sollen auf ihre Kinder achten – auch deshalb, weil die antiken Gegenstände in ihren Räumen nicht unbedingt in Kinderhände gehören.

 

Die Regeln sorgen nun aber für heiße Debatten in den sozialen Netzwerken, wo das Thema umfangreich kommentiert wurde. Dort gehen die Meinungen zum Umgang mit Kindern in einem Café weit auseinander.

So können es durchaus viele Leser nachvollziehen, dass Dunja Wally darauf aufmerksam macht, dass sich Kinder in ihrem Café zügeln sollten – das sagen selbst jene, die eigene Kinder haben. „Ich kanns absolut verstehen. Schon so oft erlebt, dass die Kinder über die Tische robben, den Kellner vor die Füße rennen. Von der Lautstärke ganz zu schweigen. Und auch als Mutter genieße ich es mal kinderfrei zu sein, gemütlich und ruhig essen gehen zu können“, erklärt eine Leserin, die gleichzeitig betont, dass ihre Kinder auch mal „still sitzen“ müssten.

Respekt, Anstand und Benehmen würden fehlen

In vielerlei Hinsicht wird auch eine mutmaßliche Entwicklung thematisiert, in deren Zusammenhang „kein Respekt, kein Anstand und kein Benehmen“ der Kinder kritisiert wird – „wenn ich sehe, wie die erzogen werden, kann ich das gut verstehen“, merkt ein Leser an. Ein weiterer Kommentar hierzu lautet: „Wenn man Kinder in die Welt setzt, dann muss man sich auch darum kümmern und für ein ordentliches Sozialverhalten sorgen. Wenn man das nicht schafft, muss man eben damit leben, dass solche Einrichtungen mehr werden.“

Andere ziehen den Vergleich zu Erwachsenenhotels, die sich in den vergangenen Jahren durchaus auch einer steigenden Beliebtheit erfreuen: „Und über Hotels, in die nur Erwachsene rein dürfen, wird dann nicht gemeckert. Nein, da wird sogar noch mehr Geld bezahlt, damit man mal abschalten kann. Nicht jeder will immer von Kinderlärm umgeben sein. Ist doch nichts verwerfliches. Kinder haben doch so viele Angebote, wie Spielparks und Spielplätze. Dann gibt es auch zig tausende Restaurants, in denen Kinder herzlichst empfangen werden. Wenn dann eine Hand voll ein anderes Konzept ausüben, muss man nicht gleich ausflippen“, schreibt eine Leserin.

Ist Deutschland kinderunfreundlich?

Teilweise emotional geht es auf der Gegenseite zu: „Dann soll sie schließen! Kinder sind keine Roboter!“ – „Da würde ich auch nicht hingehen – keine Kinder, wo gibt es denn sowas? Die soll ihr Café wieder schließen!“ Andere ziehen Vergleiche mit ausländischen Kulturkreisen. „Deutschland ist leider zum kinderunfreundlichsten Land verkommen. Viele deutsche Gastronomen haben wirklich Probleme, Kinder in ihren Räumlichkeiten zu akzeptieren, also brauchen diese mein Geld auch nicht. Seltsam, bei fast allen ausländischen Gastronomiebetriebe sind Kinder willkommen“, schreibt ein Leser.

Ein weiterer Kommentar bringt das Thema Gleichberechtigung ins Spiel und stellt sie in diesem Fall deutlich in Frage: „Schande! Man sollte es nicht für möglich halten, dass es in einer Gesellschaft, in der dem Gedanken der Gleichberechtigung neue Maßstäbe gesetzt werden, nur daran gedacht werden kann, Kindern in einem Kaufladen des täglichen Bedarfs, den Zugang zu verwehren. Wir leben in einer Zeit von absoluter Toleranz für soziale Minderheiten, sexueller Diversität und Tierrecht. Eine solche Regelung wirft diesen Gedanken um Lichtjahre zurück.“