Auf dem Podium (von links): Karam Fanari, Ida Kuner und Elias Müller (rechts) mit dem Moderator Andreas Menge-Altenburger. Foto: Elisabeth Winkelmann-Klingsporn

Diskussionsabend in Donaueschingen zu Wehrpflicht und Pflichtjahr. Schüler und angehende Studentin äußern sich dazu in der Reihe „Anstöße“.

Jetzt kommen die Betroffenen zu Wort. In der jüngsten Veranstaltung der Reihe Anstöße saßen im evangelischen Gemeindehaus am Irmapark in Donaueschingen zwei Schüler und eine angehende Studentin auf dem Podium. Unter der Moderation von Andreas Menge-Altenburger vom katholischen Bildungszentrum äußerten sie sich dazu, wie sie die Entwicklungen zum Wehrdienst und zum sozialen Pflichtjahr wahrnehmen.

 

Bis 2029, so heißt es, soll Deutschland „kriegstüchtig“ sein. Damit ist der Wehrdienst zurück. Ab Frühjahr 2026 erhalten junge Männer ab 18 einen Fragebogen, 2027 wird die Musterung Pflicht. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges halten Militärexperten einen russischen Angriff auf EU-Gebiet in Zukunft für möglich. Wehrdienst heißt dann, bereit zu sein, das Land mit der Waffe zu verteidigen, zu töten und getötet zu werden. Im Blick auf den Pflege- und Betreuungsnotstand ist wieder ein allgemeines Pflichtjahr im Gespräch. Persönlich Betroffene nahmen dazu im Gemeindehaus differenziert Stellung.

Im evangelischen Gemeindehaus am Irmapark in Donaueschingen folgen mehr als 20 Besucher interessiert den Vorstellungen junger Menschen zu Wehrdienst und Karriere. Foto: Elisabeth Winkelmann-Klingsporn

Karam Fanari ist Schülersprecher am Fürstenberg-Gymnasium in Donaueschingen. Er stammt aus Syrien, hat Krieg erlebt und beschäftigt sich im Leistungsfach Politik mit dem Thema „Wehrpflicht“.

Betroffene einbeziehen

Der 16-Jährige ist dankbar, dass man darüber in Deutschland differenziert diskutieren kann. Er kritisiert allerdings, dass dazu „über unsere Köpfe hinweg“, ohne Beteiligung der Betroffenen politisch entschieden wird. Klar ist für Fanari, dass jedes Land ein Militär braucht. Er wünscht sich mehr Informationen, auch über die Vorteile des Wehrdienstes und ob gegebenenfalls doch eine Wehrpflicht eingeführt werden müsse.

Grundsätzlich aber kritisiert er die Wehrpflicht wie die Streichung des Kulturpasses und fordert, Steuerhinterziehung anzugehen und Stipendien zu fördern. Er hinterfragt die Rentenpolitik und ob es menschlich vertretbar sei, junge Menschen in den Krieg zu schicken. Elias Müller ist Schüler an der Kaufmännischen und Hauswirtschaftlichen Schule in Donaueschingen. Der 18-Jährige praktiziert eine Kombination von Schule und Wehrdienst, ist Rettungssanitäter und hält den Wehrdienst für wichtig, ein Losverfahren zur Einberufung aber „für Quatsch“.

Ida Kuner hat Abitur gemacht und hält politische Bildung an der Schule für wichtig. Die 19-Jährige ist SPD-Mitglied und engagiert sich bei den Jusos. Sie hat ein Praktikum bei einem Bundestagsabgeordneten gemacht.

Bei der russischen Bedrohung für Polen und Finnland rüste die Nato für den Bündnisfall auf, um 2029 verteidigungsfähig zu sein. In Deutschland müsse eine Rüstungsdebatte geführt werden. Beim Wehrdienst sei wichtig, „dass alles freiwillig bleibt“.

Ein Stück Sicherheit

Beim Gespräch mit den Besuchern wurde deutlich, dass die Verteidigungsfähigkeit ein Stück Sicherheit für Familien und die Gesellschaft bedeutet. Hoher Lehrerausfall wurde beklagt, mehr Geld für Teilnehmer des Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) gefordert, die Schere zwischen Arm und Reich beklagt. Auch wenn weltweite und lokale Ereignisse Sorgen machen, ermunterte Kuner, „hoffnungsvoll zu sein“ und sich für politische Bildung und Politik zu engagieren. Elias Müller ist „guter Dinge, dass man als Gesellschaft viele Probleme lösen kann“, und Karam Fanari ist optimistisch, dass jeder Einzelne einen Beitrag leisten kann.

Die Reihe

Die „Anstöße“
sind eine ökumenische Veranstaltungsreihe im Rahmen der evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenbezirk Villingen, des katholischen Bildungswerks der Erzdiözese Freiburg sowie der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde Donaueschingen. Sie finden im Abstand von zwei Monaten meistens mittwochs im evangelischen Gemeindehaus am Irmapark (Max-Egon-Straße 21) in Donaueschingen statt. Das Anliegen ist es, wie die Macher schreiben, aktuelle Fragen ins Gespräch zu bringen und Denk-Anstöße zu geben. Zu einem gesellschaftlichen, politischen oder theologischen Thema werden Gäste eingeladen, die das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Ein Mitglied des Anstöße-Teams moderiert.

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