Im Kreis Calw ist der Cannabis-Missbrauch abermals leicht angestiegen. Foto: Berg

Laut Robert-Koch-Institut ist Cannabis die weltweit am häufigsten genutzte illegale psychoaktive Droge. Im Suchtbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2020 heißt es, dass 46,4 Prozent der 18- bis 25-Jährigen schon einmal Cannabis probiert haben. Eine statistische Erhebung belegt diese Zahlen: 3,7 Millionen Deutsche – dies sind 7,1 Prozent der Bevölkerung – nahmen im Jahr 2018 Cannabis-Produkte wie Marihuana, Hasch, Hanf oder Gras zu sich.

Kreis Calw - Im Kreis Calw lässt sich die Entwicklung anhand der Behandlungshäufigkeit verfolgen: Waren 2015 hier noch 109 AOK-Versicherte wegen Cannabis-Missbrauch in ärztlicher Therapie, so waren es 2017 schon 111 und 2019 insgesamt 119.

Jährliche Steigerung um zwei Prozent

Obwohl sich nur ein geringer Prozentsatz der Konsumenten wegen erheblicher gesundheitlicher Einschränkungen in Therapie befindet, lässt diese Zahl doch die Dimension des Problems erkennen. Von 2015 bis 2019 sind die Behandlungen wegen Hasch-Konsums von AOK-Versicherten im Kreis im Schnitt um jährlich zwei Prozent gestiegen.

Kurz vor der Bundestagswahl haben manche Parteien die Legalisierung dieser Droge zum Wahlkampfthema gemacht, "obwohl sich zahlreiche Mediziner dagegen aussprechen", wie es in einer Mitteilung der AOK heißt. Hans-Peter Zipp, Kinder- und Jugendarzt bei der AOK Baden-Württemberg: "Chronischer Gebrauch von Cannabis kann zu anhaltendem Verlust des Erinnerungsvermögens, Aufmerksamkeitsstörungen und schlechter intellektueller Leistung führen. Der Konsum kann abhängig machen und es werden vermehrt Schizophrenie und psychische Episoden beobachtet."

 Laut Robert-Koch-Institut (RKI) sind die unmittelbaren Risiken des Konsums von Cannabis in erster Linie psychischer Natur. Problematisch sei die partielle Unvorhersehbarkeit von massiven Beschwerden. Herzrasen, Übelkeit und Schwindel könnten sich einstellen. Statt Euphorie entstünden Angst und Panikgefühle. Psychotische Symptome wie Verwirrtheit und Verfolgungsideen seien möglich.

Weiter teilt die AOK zu dem Thema mit: "Neben Beeinträchtigungen von Konzentration und Lernfähigkeit haben Wissenschaftler auch Halluzinationen und Persönlichkeitsstörungen nachgewiesen. Langzeitkonsumenten laufen Gefahr massive hirnorganische Schäden zu erleiden. Dem kurzfristigen Höhenflug folgt häufig ein langanhaltender Absturz."

Die Sucht nach der Psychodroge könne aber überwunden werden. "Hier ist es hilfreich, Strategien einzusetzen, die auch bei Stress hilfreich sind wie beispielsweise Hobbys nachzugehen, Sport zu treiben, Entspannungsübungen zu machen oder Freunde treffen. Die Hauptsache ist hierbei aktiv zu sein in Dingen, die Spaß machen, und Neues auszuprobieren", rät Hans-Peter Zipp.

Hilfesuchenden im Kreis Calw stehen der Soziale Dienst der AOK Nordschwarzwald sowie die Suchtberatungsstellen mit Rat und Tat zur Seite. Die sozialen Dienste bieten individuelle Beratung und vermitteln auch an Selbsthilfegruppen.