Lärm befürchten Anwohner von den Lastwagen, die den Aldimarkt beliefern. (Symbolfoto) Foto: Ronald Rampsch – stock.adobe.com

Für viele Anmerkungen, vor allem in Bezug auf Lärm, sorgte im Gemeinderat die Aufstellung des Bebauungsplans "Sondergebiet Ortsrand Süd II" zur Ansiedlung eines Discounters und eines Drogeriemarkts in Königsfeld.

Königsfeld - Bürgermeister Fritz Link widersprach zu Beginn dem von Einwohner Axel Maier befürchteten Verdrängungswettbewerb. Laut Gutachten sei die Ansiedlung von Aldi für keinen Wettbewerber existenzgefährdend.

Auch würden für gefällte Bäume nicht die von Maier genannten "Bonsai-Bäumchen" gepflanzt. Der Ausgleich geschehe nach gesetzlichen Vorgaben.

Lana Walter vom Büro Gfrörer Ingenieure stellte das Abwägungsprotokoll vor, in das Anregungen von Bürgern und Behörden eingearbeitet wurden.

Ausgleichsmaßnahmen seien intern und auf der südlichen Wiesenfläche geplant. Auf der Landesstraße ist eine Linksabbiegerspur nötig. Der vom Naturschutz geforderten reduzierten Flächenversiegelung entgegnete sie, dass Fahrwege zur Anlieferung an beide Märkte sowie für Müllentsorgung und Kundenverkehr nötig sind. Die Kundenakzeptanz von Tiefgaragen und Parkdecks sei nicht gegeben. Bezüglich Dachbegrünung wolle die Gemeinde dem Investor aus Kostengründen keine Vorgaben machen. Ein Teil der Gebäude sei für Photovoltaik-Anlagen vorgesehen. Das Risiko von Vogelschlag sei bei einem reinen Erdgeschossbau mit umfassender Holzverkleidung sehr gering.

Wälle gegen Wasserzufluss

Um bei Starkregen den Zufluss von Wasser zu vermeiden, sollen Wälle nördlich und südlich der Grünfläche entstehen. Wegen des erforderlichen Abstands zwischen Bäumen können statt 53 nur 29 gepflanzt werden. Im Westen soll wegen des geringen Waldabstands Niederwald entstehen. E-Ladestationen auf dem Parkplatz sind geplant. Eine Trinkwasser- und eine Gasleitung südlich der Jahnstraße werden berücksichtigt. Eine Kundengefährdung durch Anlieferungen entkräftete Walter damit, dass kein bis nur minimaler Rückwärtsverkehr nötig ist.

Einwohnerin Barbara Hoss hatte dafür plädiert, wegen des Lärms Anlieferungen erst ab 8 Uhr zu erlauben oder Lastwagen-Rückfahrwarner zwischen 6 und 7 Uhr zu verbieten.

Auch sei die Berechnung sich addierender Lärmquellen eher Fiktion. Link wies auf das geplante, "sehr weitgehende" Anlieferungsverbot zwischen 22 und 6 Uhr hin. Sorgfältig abzuwägen sei, wie sehr man in den Geschäftsbetrieb eingreife. Laut Dieter Merkle vom Ingenieurbüro Gerlinger + Merkle gibt es für weitergehende Einschränkungen aus emmissionsrechtlicher Sicht keine Begründung. Er erläuterte das Schallschutzgutachten, Maßstäbe für Richtwerte und dass unterschiedliche Arten von Lärmquellen differenziert bewertet werden. Das sei allgemein anerkannt, Spitzenpegel würden nicht gemittelt, dafür gebe es Grenzwerte. Auch sei das gleichzeitige Auftreten aller Lärmquellen unwahrscheinlich. Eine von Bürgern angeregte, geneigte Schallschutzwand bedeute, dass Klimageräte mit höherer Drehzahl laufen müssten. Besser seien die geplanten höheren Wände. Sein Fazit lautete, dass Spitzenwerte an keinem Nachbargebäude überschritten werden.

Anlieferungszeiten auch samstags?

Ruhezeiten am Sonntag seien etwas ausgedehnter, beantwortete Merkle eine Frage von Beate Maier. Franziska Hornscheidt wies nachdrücklich auf das Ruhebedürfnis der Anwohner auch am Samstag hin und mahnte, alles zu tun, damit diese möglichst wenig Lärm ausgesetzt seien. Maßgeblich sei die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm, so Link, auch seien umfassende Schutzmaßnahmen vorgesehen. Man wolle sich aber Anlieferungszeiten schriftlich vorlegen lassen. Stefan Giesel war der Meinung, dass samstags nicht angeliefert werde.

Marielle Lupfer fragte, was passiere, falls Grenzwerte nicht eingehalten werden. Laut Merkle werden die Werte real geprüft, falls die berechneten relativ nah an den Grenzwerten liegen. Gegebenenfalls seien weitergehende Maßnahmen nötig. Jens Hagen hielt eine Nachprüfung für wichtig, ebenso die Prüfung, ob sonntags angeliefert wird. Hans Mack sprach von einem "sehr geringen Lärmaufkommen", das von der Straße her nach der Bebauung für Anwohner geringer sei als vorher. Birgit Helms zeigte sich mit den Erläuterungen und den Einschränkungen der Anlieferung zufrieden. Für sie sei die Nachtruhe entscheidend, bei Neukauf werde sogar nachts angeliefert.

Drei Enthaltungen

Im Zeitalter der Einsparungen habe man sich richtig viel Mühe gegeben, urteilte Thomas Fiehn.

Er bemängelte die geringe Begrünung zur Straße hin. Das liegt laut Link aber am Anbauverbot, das eigentlich sogar bei 20 Metern liegt, hier aber dank eines Blend- und Schutzwalls auf sechs Meter reduziert werden kann. Die von Maier angeregte Pflanzung von Sträuchern hängt laut Walter vom Regierungspräsidium ab.

Das von Bernd Möller vorgeschlagene Auseinanderziehen der Bäume auf der Parkfläche ist laut Link nicht möglich, da es nur einen schmalen Pflanzstreifen zwischen den Parkplätzen gibt.

Link wies darauf hin, dass es hinsichtlich der Gebäudeanordnung vier Planungsvarianten gab. Angedacht sei ein verbundener Gebäudekomplex mit Anlieferung in der Mitte.

Lärmtechnisch gebe es durch ein einziges Gebäude keine Vorteile. Sein Fazit war, dass zahlreichen Anliegen intensiv nachgegangen, vieles eingearbeitet worden sei. Der Bebauungsplan wurde mit drei Enthaltungen angenommen.