Martin Killing fragt bei der Info-Veranstaltung zur Hohenberg-Umfahrung kritisch nach. Foto: Lück

An diesem Abend in der Hohenberghalle zerstoben viele Träume der Hohenberger: Das Regierungspräsidium (RP) informierte über die sogenannte "Umfahrung Hohenberg". Bitter: Selbst wenn der "Voll-Trog" kommt, bleibt es voll laut!

Horb - Es war schon lange abzusehen: Die große Umfahrung um den Hohenberg wird nicht kommen. Doch bei der Informationsveranstaltung des Regierungspräsidiums Karlsruhe in der Hohenberghalle wird klar: Selbst um die beste Troglösung muss hart gekämpft werden.

Mehrere Jahre Warten auf die Umfahrung

Und wann sie kommt, steht in den Sternen. Jürgen Skarke (55), Referatsleiter Mobilität, Verkehr, Straße im RP: "Ich bin in einem Alter, wo ich wohl die Fertigstellung der Umfahrung in meinem Amt nicht mehr erleben werde." Und das ist in zehn Jahren. Bis mindestens dahin werden sich nach der Fertigstellung der Hochbrücke 24 000 Fahrzeuge schon im Jahr 2025 täglich über die Straße quälen – doppelt so viele wie im Jahr 2008.

Und damit das überhaupt was wird, will das RP jetzt vorschlagen, dass es nur eine "Teil-Trog-Lösung" geben soll. Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger warnt aber davor: "Wir sollten in unseren Forderungen beim Voll-Trog bleiben!"

Unterschied zwischen Teil- und Volltrog

Was ist der Unterschied zwischen dem Teil- und dem Volltrog? Trog bedeutet: Die Autos fahren in einem Graben. Der Voll-Trog würde vom Rauschbart (da, wo der Ersatzparkplatz hinkommt) vor der Haugenstein-Siedlung bis zur Dehner-Kreuzung gehen. Und vor dem Ortsschild Horb aus Richtung Talheim/Heiligenfeld beginnen. Alle Fahrzeuge von der Hochbrücke würden in die Trog fahren und dann Richtung Heiligenfeld bis hinter das Ortschild fahren.

Neben den Trog werden an jeder Seite je eine Fahrspur gebaut – oben. Für all die, die beispielsweise zu AHG, Marktkauf, Globus, Mühlenladen oder in die Hohenberg-Siedlung wollen. Heißt: Alle bisherigen Kreuzungen und Kreisverkehre bleiben über dem Trog erhalten. Heißt aber auch: Die Straße wird auf jeden Fall breiter (mindestens zwei Trogfahrspuren und zwei oberirdische Fahrspuren).

Teil-Trog wäre 20 Millionen Euro billiger

Der Teil-Trog würde etwa in Höhe der Tennishalle beginnen. Das könnte laut Nicolai Deveaux, Projektleiter vom RP, möglicherweise 20 Millionen Euro an Baukosten sparen. Das RP will deshalb als nächstes versuchen, diese Variante genauer zu untersuchen. Umweltgutachter Burchard Stochs: "Aus Lärmschutzgründen ist die Troglösung besser. Dennoch werden die Grenzwerte überschritten. Besonders im Eulenweg und an der Pestalozzischule. Dort muss ein konstruktiver Lärmschutz erarbeitet werden."

Warum kommt – egal ob Teil- oder Volltrog – nicht einfach ein Deckel drauf? Deveaux: "Ab 400 Meter Länge gilt solch ein Bauwerk als Tunnel. Und dann wird es richtig teuer!" Stochs: "Entlang des Eulenwegs könnte man einen solchen Deckel machen. Das würde auch die Anbindung der Siedlung an das Naherholungsgebiet verbessern – das wäre ein Zusatznutzen."

Volltrog kostet 60 Millionen Euro

Der Umweltgutachter sagt noch, dass man die oberen Straßen auch über den Trog ragen lassen könnte, um den Lärmschutz zu verbessern. Laut Projektleiter Deveaux sei das unter dem Kreisverkehr denkbar: "Man muss gucken, was die schalltechnische Untersuchung bringt."

Doch warum setzt das RP überhaupt auf die Teil-Trog-Lösung? Die Straßenbau-Planer gehen bei der vierspurigen Mitbenutzungstrasse von geschätzten Kosten in Höhe von 23 Millionen Euro aus. Der Voll-Trog kostet 60 Millionen Euro. Der Teiltrog könnte bei 40 Millionen Euro landen, so Referatsleiter Skarke und Projektleiter Deveaux.

Wird es günstiger, geht es vielleicht schneller

Fakt ist: Wenn man die bisherige Straße einfach vierspurig macht, ist die Lärmbelastung durch die 24 000 Fahrzeuge täglich am höchsten. Und ob man zwischen der Aral-Tankstelle/ATU und AHG überhaupt eine Lärmschutzwand bauen kann, wenn die Straße noch breiter wird als bisher, dürfte fraglich sein. Ob Teil- oder Volltrog – vom Lärm her wird’s besser. Weil das auch ein Faktor ist, der einfließt.

Es geht um zwei Faktoren: Das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Und die Chance, dass die Umfahrung so schnell wie möglich kommt.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis wird kompliziert berechnet. Fakt ist aber: Je höher die Baukosten, desto niedriger der Wert. Je höher der Wert ist, desto wirtschaftlicher erscheint das Projekt der Politik, die es beschließen muss.

Die schnelle Umsetzung. Referatsleiter Skarke: "Wenn man allein die Projekte um die B 27 anschaut: Die Hochbrücke kostet 100 Millionen Euro. Der Tunnel Freudenstadt ist auch mit 100 Millionen Euro veranschlagt. Den Bahnübergang Seehaus wollen wir vorrangig betreiben, dazu den Rauhen Stich wegen des Containerterminals. Wenn der Bund das Geld für Straßenbauinfrastruktur wie bisher zur Verfügung stellt, was wir derzeit bei der Ampelkoalition nicht wissen, sehe ich keine Chance zum Start vor 2030. Und das wäre noch eine optimistische Einschätzung."

Info: Oberbürgermeister fordert Entlastungen

Laut den Planern des RP gibt es keine Möglichkeit, vor dem Start der Umfahrung Hohenberg schon Lärmschutzwände oder ähnliches zu bauen.

Oberbürgermeister Peter Rosenberger fordert bereits deshalb eine Interimslösung an. Rosenberger: "Bei den prognostizierten 24 000 Fahrzeugen am Tag können wir nicht warten, bis die Umfahrung Hohenberg gebaut wird. Wir sollten deshalb mit Interimsmaßnahmen versuchen, die Belastung für alle bis dahin so gut wie möglich zu vermindern."

Zu diesen Maßnahmen zählt das Stadtoberhaupt optimierte Ampelschaltungen, um den Verkehrsfluss zu lenken. Auch die Fuß- und Radwege-Verbindungen sollen gecheckt werden. Rosenberger: "Gerade am Kreisel ist die Situation sehr kritisch. Da muss jetzt ernsthaft geprüft werden, wie eine gefahrenfreie Verbindung für Fußgänger und Radfahrende geschaffen werden kann. Dazu werden wir als Stadt das Gespräch suchen."

Laut Regierungspräsidium ist dafür die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Freudenstadt der Ansprechpartner.