Ein Favorit für die Anbindung an die B 415 ist auserkoren: Die Verwaltung fasst für 3,5 Millionen Euro eine Ampellösung mit Extraspur ins Auge. Geprüft wurden sechs weitere Varianten, die jedoch rechtlich oder wirtschaftlich nicht machbar seien.
Über eine „plangleiche, dreiarmige Lichtsignalanlage“ auf der B 415 soll der Verkehr vom und zum neuen Lahrer Klinikum bei Langenwinkel rollen. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: Die neue Klinikstraße ist als Einmündung auf die B 415 geplant, eine Ampel soll die Verkehrsströme regeln.
Den langen Weg bis hin zu dieser Entscheidung legten die Verantwortlichen der Verwaltung und des Projektteams bei einem Pressegespräch ausführlich dar – auch weil sie beim heutigen Infoabend mit Gegenwind aus Langenwinkel rechnen.
Was wurde geprüft?
Die ursprüngliche Idee der Verwaltung sah vor, nicht nur eine Anbindung ans Klinikum nach Süden, sondern auch eine neue Trasse nach Norden zu bauen, um das Industriegebiet West und unter anderem die Asphaltmischanlage an die B 415 anzubinden, erklärte Verkehrsplaner Martin Stehr. Dafür untersuchte man mit dem Planungsbüro Fichtner sechs Varianten.
Zwei davon, ein Anschluss mit einzelner Rampe und Brücke über die Bundesstraße sowie ein „halbseitiges Kleeblatt“ wie bei der Abfahrt nach Langenwinkel schieden aufgrund der örtlichen Begebenheiten aus. Zwei weitere – eine klassische Kreuzung mit vier Armen und Ampel und ein Turbokreisel wie in der Dr. Georg-Schaeffler-Straße – entsprachen unter anderem aus Sicherheitsgründen nicht den Richtlinien für eine Bundesstraße. Übrig blieben ein Kreisverkehr mit Auffahrtsrampen nach Ruster Vorbild und eine Lösung mit parallelen Rampen, wie man es von einer Autobahnanschlussstelle kennt.
Was ist das Problem dieser beiden Varianten?
Die Bauzeit und die Kosten. Wie Stehr erläuterte, würde es zweieinhalb Jahre dauern, bis ein „Ruster Kreisel“ fertiggestellt wäre. Auch bei der Rampenlösung würde es zwei Jahre dauern. Die Bagger sollen jedoch schon 2027 anrollen und der Baustellenverkehr, das sei ein ausdrückliches Ziel der Verwaltung, soll nicht durch Langenwinkel rollen.
Dann sind da noch die Kosten: Bekanntlich drohen der Stadt ohnehin hohe Haushaltsdefizite in den kommenden Jahren. Selbst ohne den Anschluss an die B 415 sind für die Erschließung des Klinik-areals Kosten in zweistelliger Millionenhöhe eingeplant. Eine Rampenlösung würde zusätzliche 13,5 Millionen Euro kosten, ein Kreisel nach Ruster Vorbild gar 21,6 Millionen Euro.
Wie sieht „Plan B“ aus?
OB Markus Ibert erläuterte, dass sich die Stadt auch mit Blick auf die drohenden Kosten nach einer Alternative umgesehen hat. Man kehrte von dem Plan ab, das Industriegebiet West auch über die B 415 anzuschließen. Wie Stehr vorstellte, sei eine Erschließung im Zweifelsfall auch über vorhandene Straßen beziehungsweise weitere Knotenpunkte an der Dr. Georg-Schaeffler-Straße realisierbar. So kam die Idee einer Kreuzung mit Ampel und nur einem Abzweigearm in Richtung Klinikum zustande. Diese neue Variante verglichen die Planer mit den genannten verbliebenen Lösungen.
Das Ergebnis: Bei den Themen Verkehrssicherheit und Leistungsfähigkeit fällt die Ampellösung ab, holt dieses Defizit jedoch beim Flächenverbrauch und vor allem bei den Kosten wieder auf. Für die Ampellösung sind 3,5 Millionen Euro veranschlagt. Am Ende ergab sich ein knapper Vorsprung im Punktesystem der Stadt. „Der Anschluss muss leistungsfähig, genehmigungsfähig aber auch wirtschaftlich sein“, fasste Ibert zusammen. Wäre ein Kreisel nach Ruster Vorbild finanzierbar gewesen, hätte man auch gerne diesen vorgeschlagen.
Welche Vorteile bietet die Ampel noch?
Im Vergleich zu einem Kreisverkehr, bei dem auch Rettungsdienste bei Stau nicht mehr durchkommen, könne man die Ampel so schalten, dass Rettungsfahrzeuge grün bekommen, erläuterte Baubürgermeister Tilman Petters. Darüber hinaus soll es nicht nur eine Abbiegespur, wie etwa am Sulzer Kreuz, sondern in beide Richtungen eine weitere Spur geradeaus geben, um den Verkehr zu entzerren, stellte Stehr vor. Am Ende der Kreuzung verjüngen sich die beiden Spuren wieder zu einer.
Sollte man später doch noch einen Anschluss von Süden an das Industriegebiet West benötigen, könne man den Verkehr über die Abfahrt zum Klinikum leiten und über eine dann noch zu bauende Brücke über die B 415 wieder nach Norden. Im Pressegespräch war den Verantwortlichen aber anzumerken, dass sie eine Lösung über bestehende Straßen befürworten.
Wie sieht der Zeitplan aus?
Ibert präsentierte beim Pressegespräch stolz, dass die Planungen für den Klinikneubau im Zeitplan liegen. Für die Ampellösung ist eine Bauzeit von einem Jahr veranschlagt. Im dritten Quartal 2026 sollen diese Arbeiten beginnen, Spatenstich für das Klinikum soll im zweiten Quartal 2027 sein. Der Bau soll etwa vier Jahre dauern, Ende 2031 könnte das Klinikum nach aktuellem Plan in Betrieb gehen.
Ist die Entscheidung über den Anschluss final?
Nein. Am Donnerstag gibt es eine Informationsveranstaltung, bei der auch die Bürger ihre Bedenken vortragen können (siehe Info). Melanie Kappus, die Ende 2023 gemeinsam mit anderen Langenwinklern ein Bürgerbegehren gegen den Klinik-Standort in unmittelbarer Nähe zum Dorf gestartet hatte, hat bereits dazu aufgerufen, dort zu erscheinen. Auch der Ortschaftsrat Langenwinkel wird am Donnerstag, 20. Februar, beraten. Endgültig entscheiden wird der Gemeinderat bei seiner Sitzung am Montag, 24. Februar.
Womit rechnet die Verwaltung beim Infoabend?
„Wir erwarten keine Jubelstürme“, gab Ibert einen Einblick. Die Langenwinkler hätten eine andere Variante favorisiert, das sei bekannt. „Wir gehen aber davon aus, dass sie Verständnis haben“, blickte Petters auf den Infoabend. Man werde, wie beim Pressegespräch, genau darlegen, warum man die Variante mit Ampel favorisiere.
Infoabend
Die untersuchten Varianten werden am Donnerstag ab 19 Uhr in der Aula der Grundschule vorgestellt. OB Markus Ibert und Ortsvorsteherstellvertreter Wolfgang Eichler werden mit Verkehrsplaner Martin Stehr und Vertretern des Fachbüros Fichtner die Möglichkeiten beleuchten, Bürgermeister Tilman Petters ein Fazit ziehen. Im Anschluss gibt es die Gelegenheit zu einem Austausch.