In einem Brief kritisiert ein Ruster anonym die Verwaltung. Der Grund: Mehrere Wohnungen würden ohne Erlaubnis an Touristen angeboten werden.
Kaum ein Thema wird in Rust seit Jahren so heiß diskutiert wie Ferienwohnungen. Die im Sommer 2025 gegründete Bürgerinitiative „Dorf statt Ferienanlage“ klagte in der Vergangenheit bereits über zu laute Übernachtungsgäste oder den Verlust der Dorfgemeinschaft. Jetzt hat sich ein Bürger in einem Brief anonym zu Wort gemeldet, in dem er den Bürgermeister und das Ordnungsamt auffordert, eine Reihe von Häusern zu überprüfen, die laut Verfasser illegal als Ferienanlagen genutzt werden.
Der Brief, der unserer Redaktion vorliegt, ist neben dem Bürgermeister auch an die einzelnen Gemeinderatsfraktionen, das Landratsamt sowie die Europa-Park-Betreiber Roland und Jürgen Mack gerichtet. Der Verfasser listet 14 Adressen auf, an denen sie unerlaubte Ferienwohnungen vermuten. „Augenscheinlich reine Nutzung als Ferienwohnungen“ steht bei den meisten Anschriften als Begründung dabei. In einigen Fällen sind zusätzliche Kommentare aufgeführt, wie „Teilweise bis zu zwölf Fahrzeuge am Wochenende“ oder „lebt hier noch jemand oder nur Touristen?“. „Die oben genannten Objekte sind nur Beispiele. Es gibt zig mehr Verdachtsfälle in Rust“, heißt es weiter.
Bürger fordert hohe Strafen für Ordnungswidrigkeiten
Durch einen Gemeinderatsbeschluss sollte ab 2025 das Dauerwohnen und Leben Vorrang vor touristischem- und Kurzeitwohnen haben, der Verfasser des Briefes erklärt, diese Anordnung werde bisher nicht ausreichend durchgesetzt. Er verlangt daher einerseits eine Kontrolle durch die Gemeindeverwaltung und andererseits, dass ihr Anliegen an das Landratsamt Ortenaukreis weitergeleitet und dort überprüft wird.
Außerdem wird gefordert, Strafen für Ordnungswidrigkeiten hoch anzusetzen. „Das Vermieten als Ferienappartments bringt sehr viel Geld. Über geringe Strafen von wenigen Hundert Euro dürften Großvermieter nur müde hinweg lächeln.“ Durch die Nutzung von Wohnraum als Ferienwohnungen sei es für Ruster schwer, etwas zum Mieten oder Kaufen zu finden, folglich müssten viele Menschen wegziehen, was laut Verfasser des Briefes auch das soziale Miteinander in Rust gefährde.
Auf Anfrage unserer Redaktion teilt Bürgermeister Kai-Achim Klare mit, dass dies seiner Auffassung nach kein Problem darstelle. „Als ich nach Rust gekommen bin, hatten wir 3700 Einwohner, jetzt sind es 5000. Wenn man alle anderen Fakten außen vor lässt, ist das schonmal falsch.“
Klare kritisiert die Anonymität des Verfassers
Der Rathauschef erklärt, dass es in der Gemeinde ein Modell gibt, bei dem Grundstücksprojekte speziell für Ruster geschaffen werden. Es gebe keine Gemeinde in dieser Größenordnung, die um die 100 Wohnungen kommunal vergibt. „Es interessiert sich niemand für den sozialen Wohnungsbau, es interessieren sich alle erst, wenn eine Bürgerinitiative sagt, dass hier alles schlecht ist. Das tut auch der Wahrnehmung von Politik nicht gut.“
Grundsätzlich betrachtet Klare die Kommunikation durch einen anonymen Brief kritisch. „Wenn jemand ein Anliegen hat und damit offen auf uns zukommt, nehmen wir uns dem gerne an.“ Eine „Riesenliste an Beschwerden“ abzugeben findet der Bürgermeister der Europa-Park-Gemeinde jedoch nicht fair. „Man entzieht sich dem Diskurs, ich halte das für einen schwierigen Umgang miteinander.“ Aus diesem Grund entschied sich Klare, im Gespräch mit unserer Redaktion nicht näher auf die Vorwürfe zu den einzelnen Adressen einzugehen.
Der Vollzug von baurechtlichen Fragen sei eigentlich Aufgabe des Landratsamts – die Gemeinde habe aber eine Vereinbarung, im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu unterstützen. „Wir können nicht einfach anfangen, jeden zu kontrollieren – wo fängt man da an? Eine solche Forderung ist schnell ausgesprochen, trifft in der Realität aber auf Grenzen.“
Die Gemeinde setze außerdem seit 2017 eine der konsequentesten Programme zur Kontrolle von Ferienwohnungen in Deutschland um, so Klare. „Wir wollen aber auch nicht die Menschen bestrafen, die hier im Einklang mit ihrer Nachbarschaft ein Gästezimmer vermieten und sich so etwas dazuverdienen.“ Es sei außerdem nicht auszuschließen, dass innerhalb dieser Debatte teilweise die Interessen von Einzelnen zu Allgemeininteressen erklärt werden. „Es wäre vermessen, das Thema jedes Mal auf diese Ebene zu heben, wenn jemand mit seiner Nachbarschaft unzufrieden ist“, heißt es aus dem Rathaus.
Das sagt das Gesetz
Wer eine Wohnung unangemeldet an Touristen vermietet, muss mit hohen Geldstraßen rechnen. Laut Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen können Verstöße mit bis zu 100.000 Euro Strafe geahndet werden.