Die Trossingerin Annika Huynh betreibt erst seit vier Jahren Kampfkunst, im Oktober 2025 holte sie in Trier einen Weltmeister- und einen Vizeweltmeistertitel.
Sportlich war Annika Huynh schon immer. In ihrem Heimatort Durchhausen war sie über viele Jahre erfolgreiche Kunstradfahrerin. Erst im Frühjahr 2022 fand die heute 38-Jährige zur Kampfkunst – das mit großem Erfolg im vergangenen Jahr.
Zuvor war sie Trainerin der Abteilung Kinderturnen der TG Trossingen. Als die ältere ihrer beiden Töchter dem Kinderturnen entwachsen war, suchte sie eine Alternative und ist dabei auf die seit Juni 2019 in die TG Trossingen integrierte Kampfkunstabteilung Koku-Ryu-Do gestoßen, die für Kinder Kampfkunst- und Selbstverteidigungstraining anbot.
„Ich wollte, dass sich Lana selbst verteidigen kann“. Erst Wochen später beim Helferfest der TG Trossingen habe sie dann erfahren „dass es Kampfkunst auch für Erwachsene gibt“, habe es sich angeschaut und „ich bin dabei geblieben“, denn „Kampfkunst ist sehr vielseitig“.
Disziplin, Konzentration und Ausdauer brauche es bei jeder Sportart, weiß Annika Huynh, allerdings gebe es bei Kampfkunstwettkämpfen weit mehr Zuschauer als damals beim Kunstradfahren. Bereits in ihrem ersten Trainingsjahr im Dezember 2022 war Annika Huynh erfolgreich. Bei der Corona bedingten Online-Teilnahme mit mehr als 10 000 Teilnehmern hat sie sich einen ersten Platz bei der Formenmeisterschaft X-World Championships der Martial-Arts-Association International, die eigentlich in München stattgefunden hätte, erkämpft und wurde somit Weltmeisterin der MAA-I. Etliche weitere Siege folgten.
Ohne Fleiß kein Preis
Doch auch bei Annika Huynh gilt „ohne Fleiß kein Preis“. Neben den normalen Trainingsstunden in der Rosenschulturnhalle steht für sie ein fast tägliches Training auf dem Plan, dies im Dojo bei ihr zu Hause.
Kampfkunst sei zwar eine Randsportart, weiß ihr Trainer Michael Gracia Hernandez-Heger, der selbst Kampfkunst seit seinem siebten Lebensjahr betreibt, seit seinem 20. Lebensjahr Trainer ist und die Kampfkunstabteilung Koku-Ryu-Do bei der TG Trossingen aufgebaut hat.
Hohes Teilnehmerfeld bei Bundesebene
Die Turnierstrukturen seien aber nicht vergleichbar mit Fußball. „Bei offenen Meisterschaften kämpft man auf Bundesebene und hat deshalb ein hohes Teilnehmerfeld und eine sehr hohe Konkurrenz.“ Bei geschlossenen Meisterschaften müsse man diverse Qualifikationsturniere durchlaufen, wie beispielsweise den Fibo-Cup in Köln. „Das Höchste, was man erreichen kann, ist in den Nationalkader zu kommen“, erklärt Annika Huynh, die diese Hürde überwand, womit sie nicht gerechnet hatte. Somit war ihr die Tür geöffnet für die WKU-Weltmeisterschaft (World Kickboxing and Karate Union), die vom 26. Oktober bis 1. November 2025 in Trier ausgetragen wurde. „Zum Glück war die Weltmeisterschaft in Deutschland“, so Annika Huynh, die eine Woche Urlaub nehmen musste und dank Sponsoren eine Teilnahme überhaupt möglich war.
Eröffnungsveranstaltung überwältigend
Schon die Eröffnungsveranstaltung sei sehr überwältigend gewesen „es war ein Einlauf ähnlich wie bei Olympia“. Mit zwei Podestplätzen, Gold in Waffenformen Female 35+ und Silber in Softstyle 18+, hat Annika Huynh nicht nur das deutsche Team glänzend vertreten, sondern auch gezeigt, dass sie zur internationalen Spitze gehört. Die WKU-Weltmeisterschaft in Trier war ein emotionales, intensives und hochklassiges Event. Die Trossingerin hat es mit ihren Leistungen eindrucksvoll geprägt.
Die nächste Weltmeisterschaft findet in Abu Dhabi statt. „Eine Teilnahme dort macht es mir schon von den Kosten her unmöglich“, weiß Annika Huynh. Doch sie trainiere diszipliniert und voller Begeisterung weiter, denn als nächstes Ziel steht bei ihr die Schwarzgürtelprüfung an. „Es macht einfach Spaß, denn man kann sich auch mit anderen Kampfkunstschulen bei Wettbewerben messen.“
Kampfkunst gibt großes Selbstbewusstsein
Kampfkunst gebe ein großes Selbstbewusstsein, was vor allem in der heutigen Zeit auch für Kinder sehr wichtig sei, weiß die Sportlerin, die seit 2022 auch Kindertrainerin ist. Die Kampfkunstabteilung Koku-Ryu-Do. Mittlerweile werden knapp 40 Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren von Michael Gracia Hernandez-Heger und Annika Huynh, sowie einer Trainerin in Ausbildung und weiteren vier Helfern, trainiert.
Im Kindertraining seien alle sehr diszipliniert, betont Gracia Hernandez-Heger, das bringe der Sport mit sich „und erstaunt die Eltern oft“ ergänzt Annika Huynh. „Wir haben im Training viele Kinder, die zunächst schüchtern und introvertiert waren, die aber nach und nach aus sich herauskommen und bei Wettkämpfen total aus sich herausgehen“. Bei Wettkämpfen sei es sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern oft eine große Überwindung, sich vor der Jury zu präsentieren. „Man wird von mindestens vier Personen extrem beobachtet, und es fällt vielen zunächst nicht leicht, sich das zu trauen“.
Töchter treten auch bei Wettkämpfen an
Auch die beiden Töchter von Annika Huynh haben bereits erste Wettbewerbserfahrung gesammelt „im Jahr 2026 werden wir mit einigen unseren trainierenden Koku-Ryu-Do- Kindern bei der Deutschen Meisterschaft in Wertheim antreten“. Insgesamt laufe es bei der Kampfkunstabteilung Koku-Ryu-Do der TG Trossingen sehr gut. „Nach dem Start im Jahr 2019 mit fünf Personen haben wir mittlerweile rund 70 Mitglieder“, so der Leiter Michael Gracia Hernandez-Heger. Es gebe auch keinen Aufnahmestopp bei den Kindern „solange es die Hallengröße zulässt“. Im Jahr 2025 sei Koku-Ryu-Do um das Angebot mit Kungfu erweitert worden.