Annette Pehnt hat im Stuttgarter Literaturhaus aus ihrem „Lexikon der Angst“ gelesen.
Annette Pehnt hat im Stuttgarter Literaturhaus aus ihrem „Lexikon der Angst“ gelesen.
Stuttgart - Klaustrophobie, Arachnophobie, Paraskavedekatriaphobie – Menschen können wohl vor nahezu allem Angst haben. Um diese ging’s zum Auftakt der diesjährigen Stuttgarter Literatursaison. Als Startschuss der Reihe „Gefühlslagen“ lud die neue Literaturhausleiterin Stefanie Stegmann Autorin Annette Pehnt und die Historikerin Nina Verheyen ein. Insa Wilke moderierte die Diskussion um Pehnts neuestes Werk „Lexikon der Angst“.
Schnell wird klar, dass dem negativ konnotierten Begriff „Angst“ eine starke Dialektik innewohnt. „Angst ist auch Reichtum – Angstfantasie oder Angstträume sind manchmal großartige Geschichten“, sagt Pehnt mit entschlossener Miene. Darüber hinaus kann Angst auch Antrieb sein oder Warnung: „Viele halten Angst für irrational. Ich hingegen halte Angst für einen rationalen Zustand“, so Pehnt. Ihr „Lexikon der Angst“ enthält Kurzgeschichten. Zum Schmunzeln, weil nicht unwahr, wie da ein Protagonist der Geschichte „Fort“ die Gefahren beim Autofahren aufzählt: Gähnen, betrunkene Lkw-Fahrer oder Teenager, die Steine von Brücken schmeißen. Dabei ist Pehnt willentlich nicht auf Pointen aus: „Die Geschichte muss für mich nicht witzig sein, darum geht’s nicht“ – Sprachwitz sei Dank amüsiert sie dann eben doch.
Verheyen gab wissenschaftliche Gedankenanstöße. Bedenklich sei es, dass Angst heutzutage instrumentalisiert wird, dass Ängste gar erfunden werden und wie die Bindungsangst in Mode kommen. Und was ist mit den anderen Gefühlen, zum Beispiel der Liebe? „Kommt ja gar nicht drin vor!“, meint die Autorin zunächst über „Lexikon der Angst“ – doch ihre beiden Gesprächspartnerinnen überzeugen sie vom Gegenteil: „Mir ist vor der Lektüre nie aufgefallen, wie nah Liebe und Angst beieinanderliegen“, merkt Moderatorin Wilke an. Und siehe da: „Ja, das hab’ ich jetzt gerade kapiert“, witzelt Pehnt. Dank kurzweiliger Geschichten, einer gut aufgelegten Diskussionsrunde und fragewütigem Publikum darf Leiterin Stegmann ihre Premiere als gelungen bezeichnen. Und weil nicht jeder ohne Pointe schreiben will: Paraskavedekatriaphobie ist die Angst vor Freitag, dem 13.