Die Biogasanlage in Hausen war einst ein Vorzeigeprojekt. Doch für diese Art der Wärmeerzeugung ist ab 2027 Schluss – obwohl man sogar als „Energiekommune des Monats“ galt.
Das Ende war absehbar und kam dann doch überraschend schnell. In einer kurzfristig anberaumten Bürgerversammlung Ende März hatte die ENRW die Hausener Kunden über die Stilllegung der Biogasanlage informiert und darüber, wie es mit dem Wärmestandort Hausen weitergehen soll.
„Eines vorweg: Die Versorgung ist gesichert“, sagte Hausens Ortsvorsteher Hans-Peter Alf auf die Frage, wie es dazu kam, dass nun recht überstürzt ein Ersatz für das bisherige Vorzeigeprojekt der Hausener geschaffen werden muss. „Es besteht Versorgungssicherheit“, betont auch ENRW‑Geschäftsführer Holger Hüneke am Telefon.
Ende eines Vorzeigeprojekts
Die Biogasanlage in Hausen gilt in zweierlei Hinsicht als Vorzeigeprojekt. Zum einen, weil die Hausener vor dem Bau aktiv in den Entwicklungs- und Planungsprozess eingebunden worden waren. Ein Forscherteam der Universität Stuttgart hatte das Verfahren begleitet. Zum anderen ermöglicht die Anlage, seit sie 2008 in Betrieb ging, die Erzeugung von umweltfreundlichem Strom und Wärme aus regionalen und nachwachsenden Rohstoffen wie Mais und Gras, aber auch Mist.
Die Gärreste wiederum wurden als Düngemittel auf die Felder gebracht. Ein geschlossener nachhaltiger Kreislauf, für den Hausen im Februar 2010 von der Agentur für Erneuerbare Energien zur Energiekommune des Monats gekürt wurde. „Aus meiner Sicht eine regionale, CO₂‑neutrale Wärmeerzeugung“, fasst es Hüneke zusammen.
Für die anliefernden Landwirte, die sich in der BMH Biomasse Hausen GmbH & Co. KG zusammengeschlossen hatten, eine stabile zusätzliche Einnahmequelle. Doch 2027 ist damit Schluss. Der Grund: Wegen neuer gesetzlicher Vorgaben kann die Biogasanlage nicht mehr wirtschaftlich weiterbetrieben werden. Damit ist die Hausener Anlage kein Einzelfall. Für zahlreiche Biogasanlagen in Deutschland, die vor etwa 20 Jahren gebaut wurden, endet die EEG‑Vergütung. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft trifft das auf etwa 15 Prozent der Anlagen in Deutschland zu.
Ungelegte Eier
„Wir hatten immer angestrebt, dort weiterzumachen“, sagt Hüneke. Mit Biogas sei das nun nicht mehr möglich. Vor dem Hintergrund, die Kunden – Hausen plus die Maximilian-Kolbe-Schule – auch weiter mit einer sicheren Wärmeversorgung auf einem stabilen Preisniveau zu versorgen, würden derzeit verschiedene Optionen für den Standort im Wald zwischen Hausen und Zimmern geprüft.
Varianten wie eine Kombination aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, Großwärmepumpe und Holzheizung sind angedacht. „Es geht tendenziell Richtung Holz“, sagt Hüneke. Allerdings sei, was die Gesetzeslage anbelange, gerade einiges im Gange. Wegen „unterschiedlichster Planungsvarianten in Abhängigkeit vom noch im Gesetzgebungsprozess befindlichen Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG)“, mache es noch keinen Sinn, die Öffentlichkeit detaillierter zu informieren.
Sicher sei jedoch: Die Biogasanlage werde nicht zurückgebaut, um sich die Möglichkeit eines Weiterbetriebs zu einem späteren Zeitpunkt offen zu halten. Die Verträge mit den zuliefernden Landwirten würden bis zum Vertragsende weiterhin erfüllt. Und: Für die Kunden werde es keine Änderungen geben, die ENRW werde die Qualität der Wärmeversorgung auch künftig sicherstellen.
Auswirkungen aufs große Ganze
Doch welche Auswirkungen hat die Stilllegung der Hausner Biogasanlage für die kommunale Wärmeplanung? Schließlich sollte die Hausener Anlage als Nahwärmelieferant stärker in den Fokus rücken, wenn wegen des Baus des geplanten Kombibads die Heizleistung des Aquasols für das Quartier „Krummer Weg“ wegfällt.
Wie die ENRW in der Bürgerversammlung in Hausen informierte, soll die Anlage in Hausen nach wie vor zentraler Baustein der künftigen Weiterentwicklungspläne der Wärmeversorgung der ENRW auf dem Weg zur Klimaneutralität sein. Die Versorgungssicherheit solle sich künftig sogar erhöhen. Und zwar durch den Anschluss an das Rottweiler Wärmenetz.
Mit dem Biogas-Aus endet für Hausen dennoch mehr als nur eine Möglichkeit, Energie und Wärme zu erzeugen – die Anlage ist ein Bürgerprojekt und Sinnbild für einen Beteiligungsprozess, wie es ihn in Rottweil so kein zweites Mal gab.