Auch im Zollernalbkreis gibt es Fälle von „Animal Hoarding“ – die Halter horten viel zu viele Tiere. (Symbolbild) Foto: stock.adobe.com/Irina Gaudy

Der Mist lag fast bis zur Türklinke hoch, der Besitzer war aggressiv: 221 Kaninchen hielt ein Mann in einer Lagerhalle im Zollernalbkreis. Das Veterinäramt schritt ein.

Nichts für schwache Nerven waren die Fotos, die Claudia Pouillon präsentierte: verdreckte Ställe, ein verendetes Rind, verwahrloste Katzen. Wie der Alltag der Tierschützer aussieht, stellte die Mitarbeiterin des Veterinäramts im Zollernalbkreis stellte den Mitgliedern des Verwaltungs- und Finanzausschusses vor. Die Mitarbeiter schreiten ein, wenn Tiere verwahrlosen oder schlicht und einfach so viele Tiere gehalten werden. Dabei kann es auch mal brenzlich zugehen.

 

Wenn Pouillon und ihre Kollegen zu den Haltern kommen, sind diese oft in einem psychischen Ausnahmezustand, Tränen fließen, manche werden aggressiv, andere schwanken zwischen Dankbarkeit und Wut, berichtet die Veterinärin.

Pouillon gibt Beispiele und zeigt erste Bilder. Sie zeigen 43 Katzen, die ein älterer Herr in seinem Haus in einer Kreisgemeinde gehortet hatte. Die Tiere hatten keinen Freigang, keines war kastriert, überall lag Kot, im Kleiderschrank sogar mehrere Zentimeter hoch. Es habe Tage gebraucht, um die ich wild gebärenden Fellnasen einzufangen. „Die Tiere haben sogar in den Zwischendecken gehaust“, erzählt Pouillon.

Verzweifelter Halter bedroht Tierschützer

In seiner Verzweiflung habe der Halter die Tierschützer sogar mit einer Schrotflinte bedroht. „Wir hatten nicht gesehen, dass er eine Waffe hat“, erinnert sich Pouillon. „Die war zum Glück unbrauchbar.“

Im Ganzen hat seine falsch verstandene Tierliebe den Mann 5760 Euro gekostet. Diese Tierarztkosten stottert er in monatlichen Raten ab. Die Katzen wurden auf mehrere Tierheime verteilt und das Veterinäramt schloss einen Vertrag mit dem Mann: Er darf nur noch vier kastrierte Tiere halten. Was auch kontrolliert werde.

Das Rind musste sofort eingeschläfert werden

Ein anderer Fall: Ein Landwirt hatte massive psychische Probleme. Zwei Suizidversuche habe er schon hinter sich gehabt. „Da muss man sensibel vorgehen.“ Der Rinderhalter konnte sich nicht mehr adäquat um seine Kühe kümmern. Noch vor Ort musste beim Kontrollbesuch der Veterinäre ein Rind eingeschläfert werden. Gegen den Landwirt erging ein Strafbefehl, den Betrieb hat er aufgegeben.

Belastet hat die Mitarbeiter laut Pouillon auch der Einsatz in einer Lagerhalle im Kreisgebiet. Ein Mann hatte 221 Kaninchen gehortet, die Mistmatte reichte bis fast an die Türklinke hinauf. Auch hier wurden die Tiere sichergestellt und in Tierheimen untergebracht. Der Einsatz kostete den Halter 9600 Euro. Bei der Nachkontrolle zählten die Tierschützer 132 Kaninchen, die sich unkontrolliert vermehrt hatten. Es wurden weitere 1500 Euro fällig.

Einsätze belasten die Mitarbeiter

In den allermeisten Fällen gehen Beschwerden von Nachbarn beim Veterinäramt ein. Im Jahr 2023 gingen 331 Mails oder Anrufe, teils auch anonym, bei der Behörde ein. Ist das Tier in Gefahr, wird sofort gehandelt, ansonsten werden die Fälle bei einer „Tierschutz-Tour“ mit aufgenommen. 552 Kontrollen wurden 2023 durchgeführt, in fünf Fällen wurden die Tiere den Haltern entzogen, vier Mal ein Haltungsverbot ausgesprochen.

Der überwiegende Teil kontrollierten der Fälle sei unproblematisch. Probleme würden eher die Beschwerdeführer machen, wenn sie nicht akzeptieren wollten, dass für die Tiere alles in Ordnung sei.

An dem Mitarbeitern gehen solche Einsätze nicht spurlos vorbei. Schwierige Tierhalter, Anfeindungen – auch privat – und das tierisch und menschliche Leid machen den Mitarbeitern zu schaffen. Pouillon: „Das ist psychisch belastend und wir sind dankbar, dass uns der Landreis einen Supervisor zur Verfügung stellt.“