Angst vor der Zukunft Future Thinking für die eigene Karriere nutzen: Expertin verrät wie

Lea Krug
Angst vor der Zukunft? Innovationsmanagerin Elle Langer rät zum Perspektivwechsel. Foto: KI/Midjourney/Montage: Sebastian Ruckaberle

Future Thinking hilft gegen Zukunftsangst und kann bei der eigenen Karriereplanung helfen, sagt die Innovationsmanagerin Elle Langer. Die Tipps der Unternehmerin.

Deutschland steckt im Umbruch. Die klassische Industrie wankt, während der Druck zur Transformation in nahezu allen Branchen wächst. Neue Bereiche wie die Künstliche Intelligenz verunsichern viele Beschäftigte eher anstatt ihnen neue Perspektiven zu eröffnen. Denn es geht um Existenzielles: Habe ich morgen noch einen Job – und wenn ja, welchen? Und vor allem: Wie mit den zahlreichen Unsicherheiten umgehen? Elle Langer, Innovationsmanagerin und Unternehmerin rät: „Sprechen Sie mit Menschen, die anders denken als Sie selbst.“ In Workshops, Vorträgen und mit Methoden wie Futures Thinking zeigt sie anderen, wie sie neue Perspektiven auf ihre Zukunft gewinnen und Visionen entwickeln.

 

Manchmal helfe es ihr selbst, einen Schritt zurückzutreten. „Wenn ich Überforderung spüre, schaue ich mir die Aufnahmen des James-Webb-Weltraumteleskops online an, um meinen Fokus zu verändern.“ Raus aus dem Gedankenstrudel, neue Sichtweisen gewinnen – das sei ihr zentraler Rat. Wer mit Weltraumaufnahmen nichts anfangen kann, dem helfe vielleicht der klassische Schlager „Über den Wolken“ von Reinhard Mey. Die Botschaft sei die gleiche: von oben auf die eigenen Herausforderungen schauen, Abstand gewinnen.

Der Blick durchs Weltraumteleskop helfe ihr persönlich, sagt Elle Langer. Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Was Ängste und Schreckenszenarien mit dem Einzelnen machen, das habe sie als Teenager selbst erfahren, erinnert sich die 58-Jährige. Sie sei in einer Zeit aufgewachsen, in der Schulen auf einen Atomangriff vorbereitet wurden. „Wir sollten uns unter dem Tisch verstecken“, erzählt sie. Als 15-Jährige war diese Angst allgegenwärtig. Heute seien die Ängste andere, doch auch damals hätten Menschen Wege gefunden, Hoffnung zu schöpfen und eine Zukunft aufzubauen. „Im Futures Thinking Prozess werden deshalb auch dystopische Zukunftsvisionen entwickelt, die uns heute helfen, die Signale für warnende Entwicklungen frühzeitig zu erkennen“, sagt Langer.

Jungen Menschen könne es beispielsweise helfen, sich mit älteren Generationen auszutauschen – etwa mit denen, die den Wiederaufbau der Bundesrepublik miterlebt haben. „Die Menschen standen vor dem Nichts. Es geht darum, Geschichten zu kreieren, die uns helfen, Szenarien für eine positive Zukunft zu entwickeln.“

Die Methode des Futures Thinking lasse sich nicht nur auf die eigene Karriere anwenden, sondern auch auf die Zukunft von Unternehmen und sogar auf das ganze Land, erklärt Langer. „Wir sollten das Wir wieder in den Vordergrund stellen, denn wir alle stehen vor ähnlichen Herausforderungen und die meistern wir am besten gemeinsam“, sagt sie. Deutschland sei nach wie vor die drittgrößte Exportnation der Welt, ein starker Mittelstand trägt das Land – und viele Menschen verfügen über bemerkenswerte Fähigkeiten. „Doch oft denken wir zu isoliert“, sagt sie.

Mut sei dabei entscheidend. „Ich möchte jeden ermutigen, alte Bahnen zu verlassen. Für manche mag das esoterisch klingen, aber es fängt im Alltag an: Nehmen Sie morgens einfach mal einen anderen Weg zur Arbeit, vielleicht fällt Ihnen schon dort etwas Neues auf.“ Solche kleinen Übungen könnten helfen.

„Wir haben massive Umbrüche“, sagt Langer, „das will ich nicht schönreden.“ Doch unabhängig von der Branche erlebten viele Menschen momentan ähnliche Herausforderungen. Langer ist ein Fan von Science-Fiction, in denen sich Gesellschaften durch Technologie verändert haben – von Orwells 1984 bis zu The Creator. Warum gerade auch dystopische Szenarien helfen? „Science-Fiction bietet eine Reflektion auf eine gesellschaftlichen Entwicklungsmöglichkeit an“, sagt sie. Wer verstehen wolle, wie Zukunft gestaltbar wird, findet aus einem Negativszenario auch wieder den Weg in ein Positives, so Langer. „Es sind Geschichten über Helden, die Schlimmeres abwenden“, sagt sie. Denn letztlich seien es die Menschen, die Zukunft gestalten, nicht Maschinen oder Technologie. „Und solche kleinen Helden tragen wir alle in uns.“