Corona gibt es doch: Daniel Idelmann aus Hechingen hat die Erkrankung mit schwerem Verlauf erlebt, durchlitt Todesängste und leidet bis heute unter Atemnot. Für Impfgegner und Corona-Leugner hat er auch deshalb kein Verständnis. Foto: Stopper

Impfgegner und Corona-Leugner – Daniel Idelmann machen solche Leute fassungslos. Er war schwer an Covid erkrankt, und er leidet drei Monate nach der Diagnose noch immer an den Spätfolgen.

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Hechingen - Wobei – ein klein wenig Verständnis hat er schon, dass manche Corona unterschätzen. "Wenn du’s kriegst, dann kriegst du’s halt", hat er lange gedacht. Sogar noch am 5. März, als er erfuhr, dass sich enge Familienangehörige von ihm angesteckt hatten. Für ihn hieß das Quarantäne. "Auch nicht schlecht, mache ich halt Homeoffice", habe er sich damals gedacht.

Ein Tag geht das auch wie erhofft. Am nächsten Tag wacht er früh um 6 Uhr auf und bekommt kaum noch Luft. Es folgten zwei Wochen, in denen er buchstäblich um Atem ringt, in denen ihn die Angst vor dem Erstickungstod nicht mehr los lässt. Tag und Nacht.

Daniel Idelmann ist 42 Jahre alt, in Hechingen aufgewachsen, Ausbildung im juristischen Bereich, Vorsitzender der Hechinger FDP. Seit fünf Jahren arbeitet er für Landtagsabgeordnete der FDP im Stuttgarter Landtag. Zunächst für Andreas Glück, nun für Rudi Fischer.

Chef hat Verständnis

"Gott sei Dank hat mein Chef Verständnis für meine Situation", sagt er. Denn obwohl seine Erkrankung Wochen zurückliegt, leidet er bis heute unter Atemnot. Meistens nur sehr wenig, an manchen Tagen aber wieder massiv. Dann muss er zu Hause bleiben. Jede körperliche Anstrengung bringt ihn an seine Grenzen.

Als er kürzlich aus Stuttgart auf dem Heimweg gewesen sei, sei er an einem Riesenplakat vorbeigefahren. "Covid gibt’s nicht", stand da drauf. Am liebsten wäre es ausgestiegen, "um die mal zur Rede zu stellen", sagt er. Er ließ es bleiben. Sinnlos. Aber dem Schwarzwälder Boten berichtet er von seiner Erkrankung, weil er zwei Botschaften vermitteln will. Erstens: Wer noch nicht durchgeimpft ist, darf auf keinen Fall leichtsinnig werden. Mundschutz, Abstand, Kontakte beschränken. Und zweitens: "impfen, impfen, impfen" – wer kann. Denn es kann um Leben und Tod gehen.

Ihm sei es ja nicht mal am schlimmsten ergangen, sagt er. Er musste nicht in die Klinik, "aber es war knapp dran". Drei Tage sei es besonders extrem gewesen. "Da habe ich nur noch auf meinen Atem geachtet, ob das noch funktioniert." Eine Riesenangst vor dem Einschlafen: "Ich war fertig, todmüde, aber ich wusste wirklich nicht, ob ich noch mal aufwache." Mal wurde es besser, dann wieder schlimmer. Sein Hausarzt konnte nichts für ihn tun. Notarzt anrufen, Klinik. Das war die Option, falls die Situation unerträglich würde. Aber wann ist eine Situation unerträglich? Spürt man das?

"Nur nicht ins Krankenhaus", habe er sich gedacht. Kein direkter Kontakt mehr zur Familie. Er wusste von einem Landtagskollegen, der schwer erkrankt war, wie das ist. Dazu Bilder von intubierten Intensiv-Patienten aus den Nachrichten. Todeszahlen. Von wegen Corona gibt’s nicht. "Ich hatte die nackte Angst vor dem Ersticken", erzählt er.

Es geht aufwärts

Nach zehn Tagen war die akute Phase vorbei. Kurzatmig war er noch. Aber es geht aufwärts, hoffte er. Um so geschockter war er, dass wenige Tage später wieder Atemnot einsetzte. Das ging wieder weg. Und kam wieder.

"Was das genau ist, wie das funktioniert, das können die Ärzte auch nicht sagen", erklärt er. Post-Covid, das ist eine völlig neue und bislang kaum erforschte Krankheit. "Mich hat es auch hier nur leicht erwischt", sagt Idelmann. Andere Corona-Genesene leiden unter Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, extremer Antriebslosigkeit. Manche sind berufsunfähig.

"Ich kann an diesen schwierigen Tagen immerhin im Homeoffice arbeiten", erklärt er. Zudem: Die Ungewissheit, was Post-Covid an Langzeitschäden nach sich zieht, die vielleicht erst in Jahren sichtbar werden, belastet ihn.

"Das Risiko, sich impfen zu lassen, ist da mit Sicherheit viel geringer", versichert er. Für sich hat er gesundheitlich kleine Ziele gesetzt. In den nächsten Tagen mal wieder mit den Kindern kicken. Das wäre schön. Er freut sich drauf. Und er ist neugierig. "Denn ich bin echt gespannt, wie ich das durchstehe."

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