Die invasive Art bedroht heimische Bienen. Gerhard Heizmann aus Epfendorf hat Angst um seine Völker und die der Kollegen auch im Neckartal.
Gerhard Heizmann ist Imker. Und er macht sich große Sorgen um seine Bienenvölker und die seiner Kollegen. Denn die asiatische Hornisse breitet sich hierzulande immer mehr aus.
Für sie sind die Bienenvölker ein wahrhaft gefundenes Fressen. Denn die eingewanderte Hornisse hat offenbar schnell herausgefunden, dass man nur vor den Einfluglöchern der Bienenkästen warten muss, bis die Bienen nach Hause kommen. „Ein Kollege von mir hat schon zwölf Völker verloren“, erzählt Gerhard Heizmann.
Ein effektives Gegenmittel habe bislang noch keiner gefunden. Deshalb ist es dem Epfendorfer Imker ein Anliegen, die Bevölkerung zu informieren, damit die Leute erkennen, wenn sie ein Nest der aggressiven Hornisse im Garten haben. Heizmann hat daher auch einen Flyer entworfen, zudem einige der Hornissen in Alkohol eingelegt, damit er zeigen kann, wie sie aussehen – und wo man Hilfe findet.
Grundstücksbesitzer muss Entfernung selbst bezahlen
Das Problem: Man sollte die Nester besser nicht selbst wegmachen, denn noch ist nicht klar, welche Auswirkungen ein Stich einer asiatischen Hornisse hat. Also braucht man einen Fachmann, den der Grundstücksbesitzer allerdings selbst bezahlen muss.
Eine Aufgabe des Landratsamts, meint Gerhard Heizmann. Nicht ganz, betont Andrea Schmider, dessen Pressesprecherin. „Herr Heizmann hat zumindest in einem Punkt recht: Die Kosten für die Entfernung der Nester müssen die Grundstücksbesitzer tatsächlich selbst tragen.
Der Grund hierfür ist der gesetzliche Rahmen – das Bundesumweltministerium hat die invasive Art im vergangenen Jahr umgestuft. Denn die Asiatische Hornisse breitet sich trotz umfangreicher Bekämpfungsmaßnahmen weiter in Baden-Württemberg aus. Die Umstufung bedeutet, dass für die Länder die sogenannte ‚Beseitigungsverpflichtung‘ entfällt. Stattdessen werden nun sogenannte Managementmaßnahmen ergriffen.“
Sichtungen melden
Dafür wurde ein bundesweit einheitliches Management- und Maßnahmenblatt veröffentlicht, es ist über die Webseite der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) abrufbar. „Sichtungen von Einzeltieren und insbesondere Nester sollen weiterhin über die Meldeplattform der Landesanstalt für Umwelt gemeldet werden. Dies kann über die Homepage der LUBW oder über die kostenlose ‚Meine Umwelt-App‘ erfolgen“, erklärt Schmider. Die Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim prüfe dann die eingehenden Meldungen und gebe bei Nestfunden den Meldenden weitere Informationen zur Nestentfernung und zu sachkundigen Personen im Umkreis. „Bedeutet: Der Auftrag zur Nestentfernung und Übernahme der anfallenden Kosten erfolgen nicht mehr durch die Behörden, sondern müssen vom Grundstückseigentümer übernommen werden.“
Spezielle Falle wird entwickelt
Den Hornissen- und Wespenfachberatern des Landkreises Rottweil stehe es grundsätzlich frei, in einem dem Ehrenamt angemessenen Rahmen auch der Beseitigung der asiatischen Hornisse nachzugehen. „Und falls ein Primärnest gefunden wird, hat unsere Untere Naturschutzbehörde Herrn Heizmann Hilfestellung bei der Nestentfernung angeboten – mehr kann der gesetzliche Rahmen aber aktuell nicht leisten.“
Auch das Aufstellen nicht-selektiver Insektenfallen ist eine Möglichkeit. Allerdings: Sie können bei der Beseitigung insbesondere von Königinnen der asiatischen Hornisse hilfreich sein, stellen gleichzeitig aber eine Gefahr für heimische und zum Teil geschützte Insektenfauna dar.
„In dieser Hinsicht ist das Land keineswegs untätig. Momentan läuft ein Projekt mit dem Titel ‚selektive KI-Falle Asiatische Hornisse‘. Es verfolgt das Ziel, einen Fallentypus zu entwickeln, der speziell nur den Zielorganismus anlockt und für die heimischen Bienen- und Wespenarten ungefährlich ist“, betont die Sprecherin des Landratsamts.
Die Sorge um die Bienen treibt Gerhard Heizmann weiter um. Immerhin dürfte inzwischen den meisten Leuten klar sein, wie wichtig Bienen auch für Menschen sind, betont er. Sie produzieren sie ja nicht nur Honig, sondern sorgen auch für die Bestäubung der Pflanzen und Obstbäume. Und da, wo sie fehlen - in manchen Gegenden in China ist das bereits so – müssen die Menschen mit dem Pinselchen alle Blüten von Hand bestäuben, damit sich Früchte bilden können.
Abwehr nicht effizient
Inwiefern die asiatische Hornisse auch heimischen Wildbienen gefährlich wird, ist noch nicht klar, aber dass sie sich enorm schnell ausbreitet, schon. Mansches wird bereits versucht, um den Eindringling von den Bienen fernzuhalten, allerdings mit eher mäßigem Erfolg. So gibt es Abwehrkörbe, die die Imker vor die Eingänge der Bienenkästen montieren können – Kostenpunkt etwa 50 Euro das Stück. Heizmann und seine Kollegen haben allerdings festgestellt, dass das die asiatische Hornisse nicht wirklich ausbremst. „Die fliegen dann vor den Kästen rum und fangen die Bienen ab, die abbremsen, um das Flugloch zu treffen.“