Nach Gießen nun Stuttgart: Wieder kommt es im Zusammenhang mit einer Eritrea-Veranstaltung zu brutalen Szenen. Steine und Flaschen fliegen auf Polizisten, Holzlatten werden als Waffen eingesetzt. Die Beamten sprechen von Scharmützeln. Zusätzliche Kräfte werden eingeflogen.
Bei einer Veranstaltung im Römerkastell in Stuttgart ist es Angaben der Polizei zufolge am Samstagnachmittag zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Laut eines Pressesprechers lud der Verband der eritreischen Vereine Stuttgart und Umgebung e.V., der als regierungsnah gilt und die dortige Militärdiktatur unterstützt, zu einem Treffen. Rund 100 Regime-Gegner machten sich daraufhin auf den Weg nach Bad Cannstatt, um die Veranstaltung zu stören. Gegen 14 Uhr eskalierte die Situation im und um das Römerkastell.
Straßen und Römerkastell gesperrt
Die Gegendemonstranten, die dem oppositionellen Lager einzuordnen sind, sollen laut Polizei – teilweise vermummt und mit Schlagstöcken und Wurfgeschossen bewaffnet – Polizisten und die rund 200 Teilnehmer der Veranstaltung angegriffen haben. Mindestens zehn Beamte wurden verletzt. Vier Personen wurden festgenommen. Zahlreiche Polizisten waren im Einsatz, um die massiven Ausschreitungen zu stoppen und die angemeldete Veranstaltung zu schützen. Auf Videos in den Sozialen Netzwerken ist zu sehen, wie Stühle und Gegenstände in Richtung der Beamten fliegen.
Am Abend beruhigt sich die Lage
Am Samstagabend sprach die Polizei dann von einer weitgehend stabilen Lage. Es gebe aber immer noch einzelne Scharmützel, kleinere Gruppen griffen die Beamten an. "Dass es zu Störungen bei so einer Veranstaltung kommt, war uns bewusst, allerdings war die Massivität der Ausschreitungen nicht vorhersehbar", sagte der Sprecher der Polizei.
Cem Özdemir meldet sich auf Twitter zu Wort
Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, meldete sich via X - ehemals Twitter - zu den Ausschreitungen zu Wort: "Warum dürfen sich Unterstützer der Diktatur in #Eritrea in #Stuttgart versammeln? Und was sind das für "Oppositionelle", die auf unsere Polizei losgehen?" Die Gewalttäter müssten schnell zur Rechenschaft gezogen werden, so der Grünen-Politiker. Den verletzten Beamten wünsche er schnelle und vollständige Genesung.
Im Juli Ausschreitungen in Gießen
Im Juli war es im hessischen Gießen zu Ausschreitungen bei einem Eritrea-Festival mit mindestens 26 verletzten Polizisten gekommen, als Gegner der Veranstaltung Sicherheitskräfte mit Stein- und Flaschenwürfen attackierten und Rauchbomben zündeten. Die Beamten hatten unter anderem Schlagstöcke gegen sie eingesetzt. Die Organisatoren des Events in Gießen standen der umstrittenen Führung des ostafrikanischen Landes nahe. In Stockholm kam es im August bei einem Eritrea-Festival zu gewalttätigen Ausschreitungen mit mehr als 50 Verletzten.
Info: Eritrea
Eritrea mit seinen gut drei Millionen Einwohnern liegt im Nordosten Afrikas am Roten Meer und ist international weitgehend abgeschottet. Seit einer in einem jahrzehntelangen Krieg erkämpften Unabhängigkeit von Äthiopien vor 30 Jahren regiert Präsident Isaias Afewerki in einer Ein-Parteien-Diktatur das Land. Andere Parteien sind verboten, die Meinungs- und Pressefreiheit ist stark eingeschränkt. Es gibt weder ein Parlament noch unabhängige Gerichte oder zivilgesellschaftliche Organisationen. Zudem herrscht ein strenges Wehrdienst- und Zwangsarbeitssystem, vor dem viele Menschen ins Ausland fliehen.