Schon zum zweiten Mal innerhalb relativ kurzer Zeit steht die Firma Galvanoform vor einem Insolvenzverfahren. Foto: Baublies

Die 120 Mitarbeiter der Lahrer Firma Galvanoform können hoffen: Der vorläufige Insolvenzverwalter Marc-Philippe Hornung schätzt die Chancen der Firma gut ein.

Lahr – Die Nachricht kam am Mittwoch durchaus überraschend: Das Unternehmen Galvanoform musste innerhalb relativ kurzer Zeit bereits zum zweiten Mal Insolvenz anmelden, das zuständige Amtsgericht Offenburg hat Marc-Philippe Hornung von der Kanzlei Schilling, Zutt und Anschütz in Frankfurt zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt. In einer erster Stellungnahme hatte Hornung angekündigt, in den nächsten Wochen und Monaten "mit Nachdruck an einer Sanierung des Unternehmens" zu arbeiten.

Langfristige Perspektive für das Unternehmen ist das Ziel

Das Ziel sei, eine langfristige Perspektive für das Unternehmen – durch eine übertragende Sanierung oder im Rahmen eines Insolvenzplans – zu schaffen. Im Gespräch mit unserer Redaktion bittet Hornung um Verständnis darum, dass er nach drei Tagen als vorläufiger Insolvenzverfahren noch nicht allzu viel über Einzelheiten sagen könne.

Nachfrage nach Produkten von Galvanoform

Klar sei aber, dass es für die Produkte der Firma Galvanoform als Automobilzulieferer einen Markt gebe. Und das sei unabhängig von der Frage, ob es sich um Fahrzeuge mit Verbrennermotor oder um E-Autos handelt: So werden in Lahr hergestellte Kunststoffformen für Armaturen in Autos verwendet. "Es gibt eine Nachfrage nach Produkten von Galvanoform. Deshalb läuft auch der Geschäftsbetrieb in vollem Umfang weiter", betonte Hornung.

Höhere Energie- und Rohstoffpreise

Das Problem von Galvanoform kenne man bundesweit auch von anderen Unternehmen, so der vorläufige Insolvenzverwalter weiter. Die Corona-Pandemie habe der Wirtschaft zu schaffen gemacht, und auch die höheren Energie- und Rohstoffpreise durch den Krieg in der Ukraine führe dazu, dass die Liquidität der Unternehmen zurückgehe. Bei Galvanoform komme hinzu, dass eine Firma, die gerade erst ein Insolvenzverfahren hinter sich gebracht habe, in einer solchen Situation anfälliger sei.

Welche konkreten Schritte bei der jetzt anstehenden Sanierung des Unternehmens im Rahmen des Insolvenzverfahrens unternommen werden, soll laut Hornung in der kommenden Woche bei einer Sitzung des vorläufigen Gläubigerausschusses diskutiert werden. Die Frage, ob ein neuer Investor gesucht werde, könne er deshalb noch nicht beantworten.

Im Dezember 2019 hatte die Lahrer Firma ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt: Die schwierige Lage auf dem Automobilsektor machte dem Unternehmen arg zu schaffen. Es wurde ein Sanierungskonzept erarbeitet, das den Abbau von rund 40 der bis dahin 180 Arbeitsplätze vorsah. Für die Mitarbeiter, die nicht weiterbeschäftigt werden können, sollte eine Transfergesellschaft installiert werden.

Formenbau

Die Firma in der Raiffeisenstraße im Industriegebiet West gilt als Spezialist im Formenbau für die Luftfahrt- und Automobilindustrie. Sie fertigt Galvanoschalen und Komplettwerkzeuge auch an Kunden aus der Sanitärtechnik und anderen industriellen Bereichen. Erst vor wenigen Monaten hatte die Firma Gaja aus Hasbergen im Rahmen einer Kapitalerhöhung die Mehrheit der Gesellschaftsanteile bei dem Lahrer Unternehmen Galvanoform übernommen. Weitere Anteile haben nach wie vor Selina Jursch und Jan Hippenstiel-Imhausen.