Es ist ein Millionenprojekt, das über Jahre dauert, von dem man aber nur wenig mitbekommt: die Sanierung der Neckardole. Und so geht’s in Schwenningen voran.
Die Neckardole: ein Mischwasserkanal, der in den Sechzigerjahren gebaut wurde und sich über eine Länge von 1,4 Kilometern durch Schwenningen erstreckt. Viele kennen den Verlauf des noch jungen Neckars vom Fahrradweg aus, der vor einigen Jahren nach oben geholt wurde und sich idyllisch zwischen der Alten Herdstraße – beginnend an der Brücke neben dem Hotel Neckarquelle – und der Roßbergstraße – ins Rückhaltebecken mündend – entlang schlängelt. Doch dass im Untergrund seit rund drei Jahren fleißig gearbeitet wird, bekommen viele wohl gar nicht richtig mit.
Anfang 2022 hatte der Gemeinderat den Weg freigemacht für eine unumgängliche Sanierung der stark beschädigten Dole – wissend, dass die Betoninstandsetzung eher ein lästiges Übel darstellt und vor allem viel Geld kostet: Von rund 8,5 Millionen Euro war bereits beim Projektbeschluss die Rede. Klar war damals auch, dass sich die Sanierung über Jahre ziehen wird und in Bauabschnitte aufgeteilt werden muss.
Start im Mai 2022
Im Mai 2022 wurde also mit dem ersten Bauabschnitt gestartet, und zwar in der Dole hinter dem Möbelgeschäft Toni Herner an der Rottweiler Straße. Für die umfangreichen Arbeiten wurde die Spezialbaufirma Lach aus Winden im Elztal beauftragt. Ihr Auftrag: sich Stück für Stück vom Industriegebiet in Richtung Neckartower vorzuarbeiten.
Auch wenn das Prozedere auf der Strecke eigentlich immer dasselbe ist – es geht vor allem um Strahl- und Beschichtungsarbeiten an den Innenflächen des Kanals, um Rohr- und Wasserumleitungen sowie Fugen- und Abdichtungsarbeiten – müssen sich die zuständigen Arbeiter immer wieder auf Überraschungen gefasst machen. Etwa auf Schäden, die erst bei genauer Prüfung zu Tage treten, vor allem aber auf die sich stets ändernde Wetterlage.
Neun Monate länger
Diese und andere Faktoren hatten zu einer erheblichen Bauzeitenverlängerung von neun Monaten – also bis Ende März 2024 – geführt, wie aus der Verwaltungsvorlage zum ersten Bauabschnitt hervorgeht. Weil die Stadträte nach Abschluss und Abrechnung jedes Bauabschnitts über den aktuellen Stand informiert werden, so die Pressesprecherin der Stadt VS, Madlen Falke, im Gespräch mit unserer Redaktion, hatte die Verwaltung im vergangenen Mai die erste Vorlage in die Gremien gebracht.
Sie beschreibt zudem die diversen Erkenntnisse, die aus dem ersten Abschnitt gewonnen wurden: Unter anderem, dass die Bauabschnitte für die Umsetzung in ihrer Länge zu optimistisch angesetzt waren und es fortan fünf statt in vier Abschnitte geben werde.
Jetzt 9,93 Millionen Euro
Eine Kostenanpassung aufgrund von Preissteigerung von rund 18 Prozent hatte es bereits im Laufe des ersten Abschnitts gegeben, hinzu gekommen sind laut Vorlage zusätzliche Kosten unter anderem durch ein neues Sicherheitskonzept. Die Gesamtkosten-Prognose beläuft sich also seitdem auf satte 9,93 Millionen Euro.
Im dritten Abschnitt
Wie Madlen Falke mitteilt, befindet sich das Projekt inzwischen im dritten Bauabschnitt. Eine ausführliche Informationsvorlage sei für voraussichtlich Ende Juli geplant. Der zweite Bauabschnitt sei Ende März baulich schlussgerechnet worden. Mit der Erstellung der Vorlage sei aber bewusst abgewartet, bis das Ergebnis der Ausschreibung für den vierten Bauabschnitt vorliegt. Nur so habe bewertet werden können, ob eine Anpassung der Gesamtkosten erforderlich wird.
Die Submission für den vierten Bauabschnitt laufe derzeit. Nach aktuellem Stand sei nicht von einer gesamthaften Kostenanpassung des Gesamtprojekts auszugehen, so die Pressesprecherin weiter.
Die Lage vor Ort
Und vor Ort? Dort, wo die Sanierung vor drei Jahren im hintersten Winkel der Roßbergstraße begonnen hat, weisen noch Absperrungen und gelagerte Rohre auf die Bauarbeiten hin. Inzwischen ist die Betoninstandsetzung bis zum Bereich Tal- und Landhaussstraße, auf die Höhe der NeckarFair-Wohnhäuser, vorgedrungen.
Drei Mitarbeiter der Firma Lach sind rund um den dortigen Schacht beschäftigt ist. „Wir machen die Beschichtung neu“, erklärt er kurz und knapp und verweist auch auf den Wasserstrahler, der mit ordentlich Druck im Einsatz sei. Schächte gebe es auf der Strecke jede 50 Meter, und ihre Eingänge hätten erst einmal von 60 Zentimeter auf einen Meter erweitert werden müssen, damit man überhaupt im Inneren der Dole arbeiten könne.
Die Arbeit sei anstrengend, manchmal zäh und manchmal auch nicht ungefährlich. Man müsse immer zu dritt sein: Während zwei Männer unten sind, müsse einer draußen bleiben, auch, um das Gasgerät zu kontrollieren.
Schreckgespenst Regen
Die unsichere Wetterlage machen ihnen regelmäßig zu schaffen, erzählt der Mitarbeiter weiter. Das Schlimmste sei, wenn es regnet. Das ganze Regenwasser mache ein Weiterarbeiten manchmal sogar unmöglich. Die derzeitige Hitze sei weniger schlimm. Denn der große Vorteile der Kanalarbeiten sei: „Wenn es draußen 30 Grad heiß ist, haben wir hier unten angenehme 18 Grad.“