Die Anglervereinigung Donaueschingen-Pfohren feiert 2025 ihren 100. Geburtstag. Mitglieder pflanzen am Freitag, 14. März, Schwarzpappeln am Donauufer in Pfohren. Werner Mattes, Vorsitzender (am Baum), blickt stolz auf das Werk. Foto: Denise Kley

Die Anglervereinigung Donaueschingen-Pfohren feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Zur Feier helfen sie der Natur an der Donau. Zur Renaturierung pflanzen sie Schwarzpappeln.

Mit einem kräftigen „Hauruck“ heben Werner Mattes, Vorsitzender der Angelvereinigung Donaueschingen-Pfohren und drei weitere Vereinsmitglieder eine zwei Jahre alte Schwarzpappel in ein Erdloch am Ufer der Donau, neben dem Vereinsheim, in welchem am Freitag, 14. März, der 100. Geburtstag des Angelvereins begangen wird. Otto Körner, Vorsitzender des Baar-Vereins, hat die Veranstaltung initiiert.

 

Beobachtet wird die Pflanzaktion von einer kleinen Äsche und einer Bachforelle, die in einem Aquarium auf einem Holzstumpf auf ihre Rückkehr in die Donau warten. Diese haben die Angler zu Anschauungszwecken aus der Donau geholt.

Sensible Äsche

Die Äsche mag gerne kalte Gewässer und ist sehr sensibel: Bei einer Temperatur von 25 Grad stirbt der Fisch mit der auffällig großen Rückenflosse. Besonders in Sommern mit lang andauernden Hitzeperioden kommen sie an ihre physiologischen Grenzen.

Das Äschensterben sei besonders besorgniserregend, so Christian Haas vom Landesfischereiverband. Deshalb sei es wichtig, kühlere Rückzugsräume zu schaffen. „Eine beschattete Wasseroberfläche sorgt für bis zu fünf Grad Abkühlung.“ Deshalb sollen nun die Ufergebiete großzügig bepflanzt werden, unter anderem mit Sträuchern und Bäumen.

Werner Mattes, Vorsitzender der Anglervereinigung Donaueschingen-Pfohren. Foto: Denise Kley

Eine wichtige Rolle wird die Schwarzpappel spielen. Die Schwarzpappel, die ehemalige Charakterart der Flussauen, ist so selten geworden, dass sie laut dem Naturschutzbund Nabu auf der Roten Liste bedrohter Pflanzenarten steht. Vor allem die Rodung von Flussauen und die Absenkung des Grundwassers haben den Lebensraum des imposanten Baumes zerstört, der in den Donau-Auen über Jahrhunderte seine Heimat hatte. Doch durch Renaturierungsmaßnahmen wirken das Land und die Kommunen dem Artensterben entgegen.

Eine Bachforelle und eine Äsche. Sie wurden zur Anschauung aus der Donau geholt und danach wieder in die Freiheit entlassen. Foto: Denise Kley

1000 Pappeln sollen gemäß den Plänen des Regierungspräsidiums (RP) Freiburg in den nächsten Jahren entlang des rund 400-kilometerlangen Donauufers des Regierungsbezirks wieder angesiedelt werden. Die Anglervereinigung übernimmt die Bepflanzung von 100 Pappeln, welche ihr vom RP geschenkt werden, wie Flussmeister Stefan Müller vom Regierungspräsidium Freiburg ankündigt.

Mehr als nur angeln

Doch weshalb fühlt sich die Anglervereinigung dazu berufen, bei der Ufergestaltung – die im Prinzip und gemäß Gewässerschutzverordnung Sache der Kommunen und Länder ist – ehrenamtlich mit anzupacken? „Ja, wir üben die Angelfischerei aus und fangen auch mal einen Fisch. Aber viel wichtiger ist uns die Hege und Pflege der Gewässer, so wie Erhaltungsmaßnahmen kleinster Wiesenbäche oder die Aufwertungen eines Ökosystems“, erklärt Werner Mattes, Vorsitzender der Angelvereinigung. Die Angler betreiben dadurch Naturschutz unter der Wasseroberfläche, so Mattes.

Konflikte beigelegt

Und was von allen Beteiligten bei der Veranstaltung hervorgehoben wird: Umweltschützer und Angler begraben das Kriegsbeil, wie auch Gerhard Bronner, Leiter des Umweltbüros der Stadt Donaueschingen anmerkt. „In der Vergangenheit gab es Konflikte zwischen den verschiedenen Akteuren, keine Frage. Doch beide Seiten haben die Schützengräben verlassen.“ Man ziehe nun an einem Strang, als „aktiven Dienst an der Gesellschaft und gegen den Klimawandel und für den Erhalt der Biodiversität“, wie auch Haas sagt.

Otto Körner, Vorsitzender des Baar Vereins, Abteilung Naturgeschichte. Foto: Denise Kley

Bis zu 2500 Arbeitsstunden leisten die Mitglieder des Anglervereins in Kooperation mit dem Schwarzwaldverein Donaueschingen jährlich. Die nächste Pflanzaktion findet am Mittwoch, 18. März, statt. Die Donaueschinger Realschule wird derzeit zur „Naturparkschule“ umgewandelt und wird bei den Hegeaktionen der Ufergebiete kräftig mit anpacken.

Der Verein

Geschichte
Die Anglervereinigung Donaueschingen-Pfohren wurde am 19. Dezember 1925 unter dem Namen Angelsportvereinigung Donaueschingen gegründet. 1926 erhielt man dann den ersten Pachtvertrag mit der Gemeinde Pfohren. Der Eintrag in das Vereinsregister erfolgte allerdings erst im Jahre 1929. Damals bestand der Verein aus 19 Mitgliedern. 1987 folgte dann die letzte Namensänderung in Anglervereinigung Donaueschingen-Pfohren und zählte knapp 200 Mitglieder. Die Anglervereinigung besteht aktuell aus 170 Mitgliedern. Dem Verein stehen die Fließgewässer Brigach, Donau und Breg sowie der Riedsee, der Fischbachweiher und der Hirschenwirtweiher zur Ausübung der Angelfischerei als Fischwasser zur Verfügung.