Julia Bangert und Uwe Hüls sind das Integrationsteam in Bad Dürrheim. Sie werden von zahlreichen Ehrenamtlichen unterstützt. Foto: Davydenko

Uwe Hüls, der Integrationsbeauftragte von Bad Dürrheim, und Julia Bangert, die Integrationsmanagerin, kümmern sich täglich um hunderte ukrainische Flüchtlinge.

Bad Dürrheim - Momentan leben 360 Flüchtlinge in der Stadt, die meisten davon im Hotel Solegarten. "Die Menschen mussten fliehen und egal wie lange sie bleiben wollen, soll es keine fatale Lebensweise sein", erklärt Hüls den Grundsatz seiner Arbeit. Mit ihrer "Wir machen Das"-Mentalität sorgt das eingespannte Team dafür, dass es den Menschen, den Umständen entsprechend, gut geht.

 

"Die meisten Geflüchteten wollten in ihrem Land bleiben, haben sich dort eine Existenz aufgebaut und haben durch den Krieg alles verloren", erzählt er von der derzeitigen Situation. Er wolle in Bad Dürrheim alles in seiner Macht stehende tun, um es den Ukrainern so optimal wie möglich zu gestalten. Sie sollen "betreut und geschützt" werden, meint Julia Bangert, seine rechte Hand. Sie begleitete jeden der Fälle und begrüßte die Ukrainer in Bad-Dürrheim persönlich.

Hotel Solegarten, der "ultimative Glücksfall"

Das Hotel Solegarten, welches zuvor leer stand, war der "ultimative Glücksfall" und beheimatet rund 60 Flüchtlinge, erläutert Hüls. "Das Hotel funktioniert gut, fast von alleine", merkt Bangert zufrieden an. Geputzt werde beispielsweise selbst, hierfür wurden eigenständig Dienstpläne organisiert.

"Wir haben viel mehr aufgenommen als wir müssten, doch so ist es auch richtig", führt er fort. Vor allem Kinder, Alte und Kranke kamen nach Deutschland. "Alle die nicht kriegstauglich waren", fasst er zusammen. Unter den Geflüchteten befinden sich aber auch viele Akademiker und Promovierte. "Wir hatten sogar mal eine Gynäkologin hier", meint Hüls grinsend. Doch je höher der Bildungsstand, desto größer sei die Sprachbarriere. Das sei ein großes Problem bei Akademikern. Denn "je höher die Bildung, desto höher sind die Anforderungen", legen Hüls und Bangert unserer Redaktion dar.

Integration beginnt im Kopf

Für viele sei es schwierig, sich im erzwungenen Schicksal zurechtzufinden. "Wie sind meine Zukunftsaussichten? Gehe ich davon aus, nicht lange hier zu bleiben, dann integriere ich mich nicht so sehr. Wenn ich weiß, dass ich hier bleiben muss, weil es kein zu Hause mehr gibt, zu dem ich zurück kann, dann nehme ich die Integrationsangebote eher wahr", erklärt er und betont: "Die Integration beginnt im Kopf."

Viele Angebote von Ehrenamtlichen

Sprachkurse und -gruppen, werden von ehrenamtlichen Helfern im Solegarten angeboten. Auch Tanzkurse, Betreuungen und Animationen für Kinder gibt es dort. "Die Kollegen von der Schule geben Alles", weiß Hüls. Jedes schulpflichtige Kind habe einen Schulplatz. Vorbereitungsklassen und Nachhilfegruppen sollen den Kindern ihren Integrationsprozess erleichtern.

Im Allgemeinen sei das ehrenamtliche Engagement in Bad Dürrheim außergewöhnlich. Hüls beobachtet eine "höhere Hilfsbereitschaft der Deutschen, gegenüber den Ukrainern". Alle hätten zusammengehalten und es wurden adäquate Lösungen für Probleme gefunden, berichtet er stolz. Die Stadt habe alles selber organisiert. Durch Förderungen der Stadt, Geld- oder Sachspenden und viel ehrenamtliches Arbeiten, konnten die Ukrainer ausreichend umsorgt werden. "Wir stehen erstaunlich gut da", versichert der Integrationsbeauftragte. Doch das Problem sei, dass nun alle Geflüchteten nach Bad Dürrheim wollen, verrät Julia Bangert.

Soziale Symmetrie sei wichtig

Ein weiteres Problem sei die Wohnungssuche. Die Flüchtlinge sollen in Bad Dürrheim verteilt werden, sodass sich keine Ghettos oder Schwerpunkte bilden, schildert Uwe Hüls. Soziale Symmetrie sei ihm enorm wichtig, um Neid zu vermeiden. Die Flüchtlinge sollen keineswegs bevorzugt werden, versichert er. "Es ist schwer genug wenn alle zusammenhalten. Sozialer Neid wäre fatal", bekennt Hüls. Um Ukrainer langfristig in eigenen Wohnungen unterzubringen. wollen die Integrationsbeauftragten Leerstand erschließen oder sich an private Mieter wenden. Julia Bangert erkennt in den Ukrainern einen hohen Tatendrang und Eigeninitiative. So sagt sie: "Die Ukrainer warten nicht. Sie informieren sich selber über freie Wohnungen und sind auch bereit eigenständig zu renovieren."

Von den Ukrainern kann man was lernen

"Bis zu den Tränen bedanken sie sich bei uns", erzählt Bangert gerührt. Trotz der spürbaren Verzweiflung in den Fluren, herrscht eine lebendige und lebensfrohe Aura im Hotel Solegarten. "Deutsche können von den Ukrainern ’was lernen", stellt Uwe Hüls fest.