Vor dem Landgericht Tübingen wird der Gechinger Mordfall fortgesetzt Foto: Stadler

Am vorletzten Prozesstag im Gechinger Mordfall vor dem Tübinger Landgericht sagten die Schwester der Ermordeten und der Cousin der Angeklagten aus. Ein ärztlicher Gutachter hält die Angeklagte, die im vergangenen Oktober ihre eigene Mutter aus Habgier ermordet haben soll, für schuldfähig.

Gechingen/Tübingen - Die Beweisaufnahme wurde nach der dreistündigen Verhandlung geschlossen. Am kommenden Montag, 26. September, stehen die Schlussanträge auf der Tagesordnung der Großen Strafkammer.

Während die 48-jährige Tochter der in Gechingen im vergangenen Oktober mit einer Eisenstange ermordeten 75-jährigen Frau teilnahmslos den Verhandlungsverlauf am fünften Prozesstag mitverfolgte, wurden ihre Tante und ihr Cousin in den Zeugenstand gerufen.

Cousin berichtet: Hämatome bei der Angeklagten

Zunächst sprach der Cousin darüber, dass das Verhältnis der Angeklagten zu ihrer Mutter von außen ganz normal aussah. Er wusste jedoch, dass die Mutter bei der geplanten Hochzeit ihrer Tochter aufgrund von Streitigkeiten und Stress, aber auch aus finanziellen Gründen nicht dabei sein wollte.

Er berichtete über Hämatome, die er bei der Angeklagten gesehen habe. Seine Zeichnung eines großen Hämatoms lag der Polizei vor. Darüber hinaus habe er bei ihr blaue Flecken im unteren Armbereich gesehen. Ihm habe die Angeklagte gesagt, dass sie einen Tag vor der scheußlichen Tat über einen Teppich im Schlafzimmer gestolpert sei. Nach seinen Worten erlebte er die Angeklagte in den Tagen nach dem Tod ihrer Mutter ruhiger als sonst und in sich gekehrt.

Mehr als eine Stunde äußerte sich die Schwester der Ermordeten. Über den Sohn der Angeklagten sagte sie, dass er, solange sie lebte, Omas Liebling war. Von ihrem Tod sei er nicht berührt gewesen. Das habe sie sehr schockiert.

Die Schwester geht davon aus, dass sowohl die Ermordete als auch ihr bereits vorher verstorbener Ehemann finanziell gut gestellt waren, da beide eine Betriebsrente bezogen. Trotzdem lebten sie sparsam, kauften wenig, gingen nur sporadisch auf kleine Reisen und steckten auch kein Geld ins Haus.

Angeklagte wirkte gefasst

Über den schockierenden Tod ihrer Schwester erfuhr sie während der Feldarbeit. Die Angeklagte sei ihr anschließend ziemlich ruhig begegnet, sehr gefasst. Ihr Lebensgefährte habe sogar bei seinem Eintreffen gelacht.

Die Schwester berichtete, dass die Ermordete bis auf einen Schlüpfer nackt, mit dem Kopf auf einem Kissen liegend aufgefunden wurde und ziemlich viel Blut zu sehen war. Ein Waschlappen lag ebenfalls bei ihr. Auf Nachfrage sagte die Angeklagte der Tante, dass sie ihre Mutter gewaschen habe, weil es so schlimm ausgesehen habe. Auch habe sie weder Polizei noch einen Arzt gerufen gehabt.

Bei einem Gespräch am selben Tag sagte die Angeklagte zu ihrer Tante: "Da will einer von der Familie uns was anhängen." Die Tante sah vier blaue Flecken bei der Angeklagten am linken Arm – und das habe ausgesehen wie von einer Hand stammend, aber nicht wie von einem Sturz.

Zum Thema Hochzeit der Angeklagten habe die ermordete Mutter vorab völlig aufgebracht gesagt: "Sie kriegt keinen Pfennig von mir." Und zur Hochzeit ihrer Tochter wolle sie auch nicht gehen.

Die Tante vermutet Geldprobleme bei der Angeklagten, weshalb sie auch nach längerer Abwesenheit wieder bei ihrer Mutter gewohnt habe.

Telefonat vor Gericht abgespielt

Ein rund 15-minütiges Telefonat zwischen der Angeklagten und ihrer Tante wurde im weiteren Verlauf der Verhandlung eingespielt. Die Tante machte der Angeklagten dabei deutlich, dass die Tat durch sie, ihren Sohn oder ihren Lebensgefährten passiert sein müsse, da kein Fremder im Haus gewesen sei, obwohl von deren Seite behauptet wurde, es habe einen Einbrecher gegeben.

Auch bezüglich der Tatzeit gab es unterschiedliche Aussagen. Während die Angeklagte in diesem Telefonat immer wieder von Psychodruck und Psychoterror sprach, stritt sie ab, dass einer von den drei Genannten diese monströse Tat begangen habe.

Im letzten Teil des vorletzten Verhandlungstages äußerte sich der ärztliche Gutachter zur Schuldfähigkeit der Angeklagten. Da ihrerseits eine psychiatrische Untersuchung abgelehnt worden sei und die Anknüpfungspunkte aus den vorliegenden Untersuchungsunterlagen für eine Beurteilung nicht ausreichten, wurden die Unterlagen von stationären und ambulanten Behandlungen ausgewertet.

Keine psychotischen Symptome

Der Gutachter beurteilte zunächst die zentralen Befunde im internistischen, orthopädischen, neurologischen und psychologischen Bereich. Bezüglich der epileptischen Anfälle der Angeklagten ließ er offen, ob diese psychisch bedingt seien. Sie wurde mit einem Nervenschmerzmittel und primär mit Antiepileptikum behandelt, war mehrfach stationär wegen Depressionen in psychiatrischen Einrichtungen, aber nicht wegen psychotischen Symptomen.

Der Gutachter konnte keinen Nachweis erbringen, dass sie nach den Klinikaufenthalten in 2010 und 2014 eine ambulante Psychotherapie durchgeführt hat. In seiner sachverständlichen Feststellung konnte der Gutachter keine Hinweise auf eine krankhafte seelische Störung im letzten Herbst finden, die eine Schuldunfähigkeit begründen würde.