Der Angeklagte hat seinen Kollegen mti einer Tasse malträtiert. Foto: Svetlana Lukienko – stock.adobe.com

Auf gefährliche Körperverletzung lautete die Anklage gegen einen 36-Jährigen vor dem Amtsgericht Oberndorf. Die warf ihm vor, im Dezember 2019 in einem Aistaiger Betrieb seinen Arbeitskollegen mit einer Tasse malträtiert zu haben.

Oberndorf -  Die Tasse zerbrach, dennoch habe der Beschuldigte weiter, mit dem nun scharfkantigen Gegenstand, auf den Geschädigten eingeschlagen und ihn verletzt, führte die Anklage aus. Der geschlagene, ein 55-jähriger Metallarbeiter, erlitt dabei eine Gehirnerschütterung und Schürfwunden und musste eine Nacht im Krankenhaus stationär verbringen.

Der Auseinandersetzung war die Kündigung des Beschuldigten vorausgegangen. Er hatte trotz strengstem Verbot im Betrieb geraucht und auch die Firma in den Pausen verlassen, um verspätet zurückzukehren. Zudem hatte er die Stempeluhr in diesen Pausen nicht bedient. Diese Verfehlungen hatte der Geschädigte dem Geschäftsführer des Aistaiger Betriebes mitgeteilt. Dieser kündigte dem Angeklagten daraufhin fristlos am 20. Dezember 2019. Beim Verlassen des Büros gewahrte der Entlassene den Geschädigten der gerade dabei war einen Ölfleck vom Boden zu entfernen. Die weiteren Ereignisse wurden der Richterin nun in verschiedenen Versionen präsentiert. Der Beschuldigte gab an, er habe den Geschädigten darauf angesprochen, weshalb er ihn beim Geschäftsführer diffamiert habe. Der Geschädigte habe ihm daraufhin die Brille vom Gesicht gerissen und nach ihm geschlagen und ihn getreten. Er beteuerte, er habe sich schützen müssen, weil der Geschädigte auf ihn eingeschlagen habe.

Verschiedene Versionen

Die Tasse habe er in der Hand gehabt, allerdings habe er nur einmal zugeschlagen, erklärte der Angeklagte. Nachdem die Tasse kaputtgegangen sei, habe er damit nicht mehr zugeschlagen, sondern sie auf den Boden geworfen. Die Vernehmungen des Geschäftsführers und eines weiteren Mitarbeiters ließen den Vorfall in einem anderen Licht erscheinen. Bei ihrem Eintreffen sei der Geschädigte zwischen den Ölfässern gelegen und der Angeklagte habe mit der bereits zerbrochenen Tasse mehrfach auf ihn eingeschlagen. Bestimmt zehnmal habe er geschlagen bis er und sein Mitarbeiter die beiden getrennt hätten, so der Geschäftsführer. Dabei sei der Geschädigte meist auf dem Boden gelegen und habe versucht, den Angreifer mit den Händen abzuwehren. Schließlich sei es ihm und seinem Mitarbeiter gelungen, den Angeklagten vom Geschädigten zu trennen. Dieser habe dann sofort das Gebäude verlassen.

Auch der Geschädigte schilderte den Tathergang ganz anders als der Beschuldigte. Er habe gerade einen Ölfleck auf dem Boden aufgewischt, als ihn der Angeklagte von hinten mit der Tasse niedergeschlagen habe. Er habe ihn nicht kommen sehen und sei vom Angriff vollkommen überrascht gewesen. Ihm sei gleich dunkel vor den Augen geworden und er habe nichts mehr gesehen. Sein Widersacher hätte dann mehrfach mit der Tasse auf ihn eingeschlagen. Danach sei er ins Krankenhaus gekommen und habe dort über Nacht bleiben müssen. Das Gericht folgte bei der Urteilsfindung dem Vorschlag der Staatsanwältin und stellte das Verfahren nach § 153 a der Strafprozessordnung wegen des fehlenden öffentlichen Interesses vorläufig ein. Nach kurzer Beratung mit seinem Rechtsanwalt stimmte der Angeklagte, sichtlich erleichtert, dieser Lösung zu und erklärte sich bereit, 2000 Euro an den Förderverein für krebskranke Kinder Tannheim zu zahlen. Kommt er seiner Zahlung pünktlich nach wird das Verfahren gegen ihn endgültig eingestellt, ansonsten wird es wieder aufgenommen.

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