Schon die Jüngsten an die Musik heranführen – das ist das Ziel der elementaren Musikpraxis (EMP). Wie genau funktioniert das? Und was sind die Ziele? Elias Zuckschwerdt, Leiter der Jugendmusikschule (JMS) St. Georgen/Furtwangen gibt Auskunft.
St. Georgen/Furtwangen - Singen, auf Instrumenten oder auch Alltagsgegenständen spielen, Musik wahrnehmen, erleben und sie mit anderen Ausdrucksformen wie dem Sprechen, dem szenischen Spiel und der bildenden Kunst verbinden – so umreißt Elias Zuckschwerdt, der Leiter der Jugendmusikschule (JMS) St. Georgen/Furtwangen, die Inhalte der elementaren Musikpraxis (EMP). "Sinnliche Wahrnehmung und körperliches Agieren prägen den Zugang zur Musik."
Angesprochen sind Kinder. Die jüngsten Schüler der JMS in diesem Bereich sind erst sechs Monate alt. Hat EMP in diesem Alter schon Sinn? Ja, ist Zuckschwerdt sich sicher. Denn: "Bereits im Babyalter sind Kinder durch pränatale Erfahrungen im Mutterleib offen für Klänge, Musik und Bewegung." Natürlich richtet sich die EMP aber nicht nur an Kleinkinder – die Angebote der musikalischen Früherziehung sowie die neue detektivische Instrumentensuche sind für Kinder im Vorschulalter bestimmt.
Natürliche Neugier als Startpunkt
Egal, in welchem Alter sie sind, im Zuge der EMP sollen die Kinder "in einer wertfreien Umgebung ohne Leistungserwartung auf unterschiedlichen Ebenen mit Musik in Berührung kommen. Es soll der natürlichen Neugier für alles Klingende nachgegangen werden", erklärt Zuckschwerdt. Ausgehend davon sammeln die Teilnehmer der Kurse dann erste Erfahrungen in den verschiedenen Bereichen der Musik: beim Musikhören und -machen oder auch beim gemeinsamen Tanzen und Bewegen in der Gruppe.
"Es ist uns ein besonderes Anliegen, die Kinder bereits früh mit Musik in Berührung zu bringen und den Weg beispielsweise für das spätere Erlernen eines Instruments zu ebnen", meint JMS-Leiter Zuckschwerdt. Daher komme der EMP an der St. Georgener Musikschule eine große Bedeutung zu. In Zahlen bedeutet das: Im Jahr 2021 entfiel fast ein Viertel der Unterrichtsbelegungen auf den Elementarbereich. Diese Angebote, sagt Zuckschwerdt, seien "das Fundament für unseren breiten Fächerkanon. Bereits in diesem Alter wird die Grundlage für eine oft lebenslange Beschäftigung mit Musik gelegt."
Große Nachfrage an der Jugendmusikschule
Doch auch hier hat Corona seine Spuren hinterlassen, wie Zuckschwerdt berichtet: "In den Jahren 2020 und 2021 war Unterricht in Gruppen aufgrund der Pandemie leider mehrmals untersagt. Darunter litt insbesondere der Elementarbereich an unserer Schule." Die Folge: Die Schülerzahlen gingen zurück. Nun zieht der Bereich laut Zuckschwerdt wieder an. "Die Nachfrage nach Angeboten im Kleinkind- und Vorschulalter ist prinzipiell groß."
Das mag auch daran liegen, dass die Angebote der EMP vielerlei Entwicklungsbereiche berührt, die mit dem Umgang mit Musik verbunden sind. Zuckschwerdt gibt einen Überblick: "Das Durchdringen musikalischer Strukturen stellt eine kognitive Anforderung dar, das Erleben von Ausdruck fällt in den emotionalen Bereich. Soziale Aspekte kommen beim Einordnen in eine musizierende Gruppe oder beim Übernehmen musikbezogener Rollen zum Tragen. Die Wahrnehmung musikalischer Nuancen betrifft das Sensorische. Sprechen über Musik und Singen von Texten berühren die Sprachentwicklung. Die Handhabung von Instrumenten und das Bewegen zu Musik sind dem Entwicklungsfeld der Motorik zuzuordnen." So hat EMP, sind die Verantwortlichen der JMS überzeugt, einen insgesamt positiven Einfluss auf die Entwicklung von Kindern.
Info: Neues Musikschuljahr – neue Angebote
Zum neuen Musikschuljahr, das offiziell am 1. Oktober beginnt, macht die Jugendmusikschule (JMS) St. Georgen/Furtwangen zusätzlich zu den Kursen der musikalischen Früherziehung, die unverändert in den verschiedenen Kindergärten sowie am Mittwochnachmittag in der JMS stattfinden, einige neue Angebote speziell für jüngere Kinder. Inzwischen stehen die Termine fest, und Anmeldungen zu den verschiedenen Kursen sind möglich. Sie werden unter Telefon 07724/49 68 oder E-Mail jms@jugendmusikschulen.de entgegengenommen. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.jugendmusikschulen.de.
■ Eltern-Baby-Kurs: Zusammen mit einer vertrauten Bezugsperson, meist einem Elternteil, können Kinder ab sechs Monaten am Mittwochvormittag an einem Eltern-Baby-Kurs, der erstmals angeboten wird, teilnehmen. Hier erfahren die Allerkleinsten in entspannter Umgebung Musik in ihrer Vielfältigkeit. Die Musikpädagogin Selina Fritz möchte in ihren Stunden nicht nur die oft lebenslange Freude an der Musik entfachen und erhalten, sondern auch Ideen und Anregungen für das gemeinsame Musizieren im Alltag geben.
■ Zwei Eltern-Kind-Gruppen: Neu ist ebenfalls, dass die JMS ab dem bevorstehenden Musikschuljahr zwei Eltern-Kind-Gruppen anbietet. Grund ist, dass der Entwicklungsstand von Kindern im Alter von anderthalb bis vier Jahren oft stark differiert. Am Mittwoch- oder Donnerstagvormittag findet ein Kurs für Kinder zwischen anderthalb und drei Jahren statt, am Mittwochnachmittag ein Kurs für Kinder zwischen drei und vier Jahren.
■ Kinder als Detektive: Ebenfalls am Mittwochnachmittag startet ab Oktober mit der detektivischen Instrumentensuche ein gänzlich neues Angebot. Hier sind alle Kinder ab fünf Jahren angesprochen, die im Laufe eines Jahres mit Lehrerin Brigitte Heizmann-Merkel die verschiedenen Instrumente kennenlernen.