Von den Pfadfindern bis zur Arbeiterwohlfahrt – viele Veranstalter von Kinder- und Jugendfreizeiten planen derzeit ihre Angebote für den Sommer. Können sie aber alle stattfinden? Was schon fest steht – und was nicht.
Stuttgart - Die meisten Freizeiten seien so gut wie ausgebucht, sagt Nico Teerenstra, Landesgeschäftsführer der Naturschutzjugend (Naju) im Land. Sieben Angebote für Jugendliche und vier für Kinder bietet die Jugendorganisationen des Naturschutzbundes (Nabu) diesen Sommer an: „Geheimnisse im Donautal“, „Querwaldein“ oder „Bauernhof hautnah“ heißen sie zum Beispiel. Auf der Homepage kann man sich informieren, was hinter den jeweils einwöchigen Angeboten steckt. Nur: Ob sie tatsächlich auch stattfinden können, das ist noch ungewiss. „Wir haben uns die Deadline 21. Juni gesetzt. Dann entscheiden wir, ob wir die Programme machen oder nicht“, sagt Teerenstra.
Bis spätestens dann braucht die Naju Planungssicherheit vom Land. Unter anderem, ob Übernachtungen möglich sind und Auslandsfahrten zulässig und falls ja, unter welchen Bedingungen. Das Sozialministerium hat nun immerhin gegenüber unserer Zeitung angekündigt, Mitte Juni die aktuelle Coronaverordnung ändern zu wollen, um Angebote der Kinder- und Jugendarbeit mit Übernachtungen möglich zu machen.
Wie der Naju geht es derzeit vielen Veranstaltern von Sommerferienprogrammen im Land. Sie müssen jetzt schon planen, um später nicht in Zeitnot zu geraten, tun dies aber mehr oder weniger ins Blaue hinein. Denn neben der Übernachtungsfrage ist derzeit auch noch unklar, welche Hygiene- oder Testkonzepte für Ferienfreizeiten nötig sein werden. Die Veranstalter – und damit auch die Familien – bräuchten möglichst bald Gewissheiten und klare Rahmenbedingungen, sagt Eberhard Fuhr vom Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (EJW). Andernfalls könnte die Unsicherheit dazu führen, „dass viele Angebote abgesagt werden“, warnt Fuhr.
Aktuelle Verordnung untersagt Übernachtungen
Tatsächlich lassen die aktuell gültigen Regeln des Landes, die bis 11. Juni gelten, seit Mitte Mai wieder Tagesprogramme der Kinder und Jugendarbeit je nach Inzidenz in unterschiedlichem Umfang zu. Das machte bisher zumindest die Organisation von Angeboten ohne Übernachtungen einfacher. „Wir planen derzeit ganz normal für unsere vier Waldheime“, sagt etwa Julia Toma, zuständig für die Waldheim-Ferien der Awo Stuttgart. Auch auf eventuelle Hygieneregeln des Landes sei man vorbereitet. Letzten Sommer beispielsweise mussten sie feste Gruppen bilden, innerhalb derer keine Abstandsregeln nötig waren. „ In unsere Waldheime kommen etwa 50 bis 70 Kinder, die können wir gut in Gruppen mit eigenen Räumen unterbringen“, sagt Julia Toma.
Auch die evangelischen Veranstalter bereiten sich auf verschiedene Szenarien vor: So hat das EJW ein Baukastensystem mit Freizeiten entwickelt, die einfach an die geltenden Regeln angepasst werden können. Außerdem werde ein Testkonzept erarbeitet, sagt Sprecher Fuhr. Beim Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder Baden-Württemberg (BdP) weiß man, dass die Ortsgruppen verschiedene Wege gehen. „Manche planen Zeltlager mit Übernachtungen, andere welche, bei denen die Teilnehmer abends nach Hause gehen“, sagt Sprecher Lukas Wacker. Der Landesverband, der 1600 Pfadfinder vertritt, hofft außerdem, dass das mehrtägige Ausbildungsangebot für Gruppenleiterinnen und -leiter im Sommer stattfinden kann.
Landesjugendring fordert Übernahme der Kosten für Tests
Die Verbände wie die EJW oder der Landesjugendring drängen die Landesregierung, Sommerfreizeiten für Kinder und Jugendliche unbedingt möglich zu machen. Sie dürften in der Öffnungsdiskussion „nicht baden gehen“, schreibt der Landesjugendring, der außerdem fordert, dass das Land sämtliche Zusatzkosten für Teststrategien und Hygienebedarf im Sommer trägt.
Eine Kerbe, in die auch die SPD-Landtagsfraktion mit einem entsprechenden parlamentarischen Antrag schlägt. Die Situation des letzten Jahres, in der der Großteil der Angebote nicht stattgefunden habe, dürfe sich nicht wiederholen, sagt deren jugendpolitischer Experte Andreas Kenner. 2020 kam das Okay erst kurz vor den Ferien, als viele Angebote bereits abgesagt waren. Außerdem fordert die SPD von der Landesregierung, den Trägern Planungskosten zu erstatten, falls Angebote ausfallen müssen.
Das Sozialminister will nun abwarten, wie eine Modellfreizeit in den Pfingstferien im Kreis Emmendingen läuft. Auf Grundlage der Erkenntnisse daraus will das Ministerium dann laut einem Sprecher die Rahmenbedingungen für den Sommer festlegen.
Ministerium will Modellprojekt abwarten
Dass der Bedarf bei den Familien groß ist, zeigt das Anmeldeverhalten. „Vor allem bei den Jugendlichen war das auffällig“, sagt Nico Teerenstra von der Naturschutzjugend. „Normalerweise sind in dieser Altersgruppe die Plätze nicht so schnell weg, aber dieses Mal kam der Ansturm schon im Januar.“