Christian Fazekas (links) und Daniel Henninger laden zu einem besonderen Angebot ein. Foto: privat

Christian Fazekas und Daniel Henninger haben „Goldnaht“ gegründet. Auf Montag laden sie zum Bürgerdialog „Lahr spricht“ ein. Hier sprechen sie über die Hintergründe.

Wie geht es mir aktuell in Lahr? Dieser Frage widmet sich ein Bürgerdialog am Montag, 18. Mai, im Bürgerzentrum im Bürgerpark. Los geht das Angebot im Rahmen der „Woche der Demokratie“ um 19 Uhr. Eingeladen haben Christian Fazekas und Daniel Henninger. Sie sind Gründer von „Goldnaht“ und machen sich für Demokratie und Mitbestimmung stark.

 

Herr Fazekas, Herr Henninger, wie ist das Projekt Goldnaht entstanden?

Fazekas: Wie viele andere verfolge ich die politische Entwicklung mit wachsender Sorge. Ich habe mich gefragt, in welcher Welt meine drei Kinder aufwachsen werden. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, dass ich nicht nur länger beobachten, sondern aktiv etwas tun will.

Henninger: Ich bin mit Christian über das Bündnis Demokratie in Ettenheim in Kontakt gekommen. Ich hatte das Bedürfnis, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die politisch weit von mir entfernt stehen. Aus unserer beider Überzeugung heraus, ins Handeln kommen zu wollen, entstand die Zusammenarbeit.

Was erwartet die Menschen beim Bürgerdialog „Lahr spricht“?

Fazekas: Entwickelt hat das Format der Verein Mehr Demokratie. Es ist so strukturiert, dass es nicht um einen argumentativen Schlagabtausch gehen kann, sondern ums Sprechen und Zuhören. Moderiert wird es von Yasmina Steck und mir.

Henninger: Die Menschen werden in Kleingruppen zu jeweils vier Personen eingeteilt. Jede Person bekommt vier Minuten Zeit, um über seine Sicht auf die Fragestellung zu sprechen. Die Frage lautet „Wie geht es mir aktuell in Lahr?“. Es wird nacheinander gesprochen, reihum ohne Unterbrechungen und Zwischenfragen. Dieselben vier Personen sprechen dreimal, das heißt es gibt drei Gesprächsrunden. Die Frage bleibt dabei die gleiche.

Fazekas: Wichtig ist, dass die sprechende Person bei sich bleibt und die anderen drei nur zuhören. Schweift die sprechende Person ab, können die anderen als Zeichen ihre Hand aufs Herz legen. Das signalisiert, dass sie wieder zu ihren Empfindungen zurückkommen soll. So muss sich keiner angegriffen fühlen.

Henninger: Man muss aber auch nicht vier Minuten reden. Wenn man nichts mehr zu sagen hat, schweigt man die restliche Zeit einfach.

Darf jeder teilnehmen?

Fazekas: Die Veranstaltung ist an Menschen aus Lahr und den Umlandgemeinden gerichtet. Die Teilnahme setzt voraus, dass man die Fragestellung versteht und sich sinnvoll mitteilen kann. Die Altersgrenze liegt bei 16 Jahren.

Wie stellen Sie die Gruppen zusammen?

Fazekas: Je nach Fragestellung kann man die Gruppen auf verschiedene Art und Weise zusammenstellen, aber bei dieser Fragestellung in Lahr haben wir entschieden, nach dem Zufallsprinzip vorzugehen.

Was wäre für Sie ein erfolgreicher Abend beim Bürgerdialog?

Fazekas: Das wäre für mich ein Abend, der ein Zeichen setzt. Ich wünsche mir, dass die Menschen über die Grenzen der eigenen Gruppe hinaus miteinander sprechen, sich begegnen, zuhören und Zeit schenken. Im Idealfall leistet der Abend einen Beitrag oder sogar einen Anfang zu einer veränderten Kultur des Miteinanders. Ich hoffe, dass die Teilnehmenden hinterher sagen, dass ihnen der Austausch gutgetan und sie persönlich weitergebracht hat. Vielleicht empfehlen sie dann auch Menschen in ihrem Umfeld, beim nächsten Bürgerdialog mitzumachen.

Besteht die Gefahr, extremen Positionen zu viel Raum zu geben?

Fazekas: Nein, wenn man das Format so gestaltet, wie es gedacht ist, kann das nicht passieren. Die Bürger sind ja dazu aufgefordert, nur über ihre eigenen Empfindungen zu sprechen. Wir geben Menschen Raum, nicht Positionen. Und sollte es doch Probleme geben, sind wir ja auch präsent und könnten notfalls von unserem Hausrecht Gebrauch machen.

Was würden Sie Menschen sagen, die der Meinung sind, dass solche Formate nichts bringen?

Fazekas: Ich würde diese Menschen dazu einladen, es auszuprobieren und selbst zu erleben. Und ich würde sie nach der Alternative fragen. Wenn jemand eine bessere Idee hat und mich beziehungsweise uns davon überzeugt, dann würden wir unsere Energie auch darauf verwenden. Wir machen das alles zu 100 Prozent ehrenamtlich und zahlen für alle Aktionen drauf. Wären wir nicht davon überzeugt, dass es etwas bringt, würden wir es nicht machen.

Teil des deutschlandweiten Ehrentags

„Lahr spricht“ wird vom Bundespräsidialamt beworben. In einer Mail werden ausgewählte Aktion rund um den „Ehrentag“ vorgestellt. Dabei laden Initiativen, Vereine, Verbände und Nachbarschaften dazu ein, gemeinsam mit anzupacken und sich für die Gemeinschaft zu engagieren. Weitere Veranstaltungen von „Goldnaht“ sind in Lahr geplant. Weiter gehen soll’s am Montag, 29.Juni, mit der Frage „Wie geht es mir, wenn ich an die Zukunft unserer Stadt denke?“. Am Montag, 28. September, steht die Frage „Wie geht es mir nachts in Lahr?“ im Fokus. Eine dritte Veranstaltung ist für Montag, 17. November, geplant – mit der Frage „Wie geht es mir, Menschen zu begegnen, die anders sind als ich?“