Annekathrin Faißt-Bendel leitet den Gesprächskreis. Foto: Faißt-Bendel

Annekathrin Faißt-Bendel hat einen Gesprächskreis für Angehörige von Demenzkranken gegründet. Hier gibt sie Einblick in ihre Arbeit und gibt wertvolle Tipps.

Oft ist es schwer für den geliebten Menschen und besonders für sein Umfeld, wenn sich die Lebenssituation durch Demenz verändert. Gerade Angehörige von Menschen mit Demenz stehen im Alltag oft vor großen emotionalen, organisatorischen und psychischen Herausforderungen. Viele stehen dann ratlos da. Doch dass es viele Betroffene gibt und auch Hilfsmöglichkeiten, wissen die meisten nicht.

 

Annekathrin Faißt-Bendel ist gelernte Altenpflegerin und hat eine Weiterbildung zur gerontopsychiatrischen Fachkraft gemacht. Unter dem Motto „Hilfe beim Helfen“ hat sie einen Gesprächskreis für Angehörige gegründet, der kostenlos jeden zweiten Dienstag im Monat im Seniorenzentrum Waldheim in Baiersbronn stattfindet.

Angehörige oft überfordert

Ihre Arbeit macht sie ehrenamtlich aus innerer Überzeugung heraus. „Um den Angehörigen einen geschützten Raum für Austausch, Unterstützung und fachliche Begleitung zu bieten, habe ich diesen Gesprächskreis für Angehörige von Menschen mit Demenz ins Leben gerufen“, sagt Annekathrin Faißt-Bendel.

Für sie sei es schon immer eine Aufgabe gewesen, mit herausfordernden Menschen umzugehen und Lösungsansätze für Probleme zu finden. Als gelernte Altenpflegerin hat sie viel persönliche Erfahrung im Umgang mit Menschen, die dement sind, und oft seien die Angehörigen mit der Situation überfordert. „Jeder ist bei uns im Gesprächskreis willkommen und kann offen über Probleme und Sorgen sprechen“, sagt sie.

Mit Herausforderungen nicht allein

Wichtig sei es gerade bei diesem Thema, zu wissen, dass man nicht alleine ist und auch zu verstehen, warum sich der geliebte Mensch in manchen Situationen auf einmal anders verhält. Die Fragen sind vielfältig und die Arbeit in der Gruppe habe schon vielen die Augen geöffnet.

Im Mittelpunkt der Treffen stehen der offene Austausch, gegenseitige Entlastung sowie praxisnahe Informationen rund um den Umgang mit dementiellen Erkrankungen. Die Teilnehmer erhalten die Möglichkeit, ihre Sorgen, Fragen und Erfahrungen zu teilen und zu erleben, dass sie mit ihren Herausforderungen nicht allein sind.

Aktuell sind es immer vier bis sechs Personen, die sich regelmäßig treffen. Der Wunsch von Faißt-Bendel ist es aber, den Kreis zu vergrößern und so mehr Menschen erreichen zu können. „Wir würden uns gern über mehr freuen“, sagt sie.

Wenige Pflegeplätze

Ein wichtiger Punkt sei auch, dass es wenige Pflegeplätze gebe und die Menschen oft daheim gepflegt würden. „Viele wissen gar nicht, dass es uns gibt und würden sich bestimmt freuen mal für ein bis zwei Stunden von zu Hause rauszukommen“, erklärt sie. Das gemeinsame Gespräch und den Ratschlägen seien sicher gut investierte Zeit, um dann mit neuer Kraft wieder in den Alltag einzutauchen.

Nicht nur die festen Gesprächskreise seien Teil des Angebots, auch gemeinsame Unternehmungen standen schon auf dem Programm der Gruppe. „Im Vordergrund steht immer die Freiwilligkeit. Zwang – das geht nicht bei uns“, betont die Gruppengründerin.

Auf die Frage, was denn wichtig sei bei Demenzerkrankungen hat sie eine klare Antwort. „Echt bleiben, die Betroffenen nicht kindlich behandeln und Fehler auch mal Fehler sein lassen.“ Es gehe ganz viel über Gefühl, denn Gefühle würden nicht dement.