Die Fußballer der Region stehen nicht nur auf dem Spielfeld vor vielen Aufgaben. Unsere Redaktion hat Einblicke in die Clubberatung vom Verband erhalten.
Wie finde ich genug Ehrenamtliche für meinen Verein? Wie können wir die Jugend begeistern, mit dem Fußball anzufangen? Müssen wir mit den Kickern aus dem Nachbardorf vielleicht kooperieren, statt nur in Konkurrenz zu stehen? Dass sind nur einige Fragen, die sich Vereinsvertreter in der Ortenau wohl schon einmal gestellt haben. Samuel Keienburg nimmt nicht für sich in Anspruch, auf all diese Fragen eine Antwort zu haben. Doch als Clubberater des Südbadischen Fußballverbands bietet er einige Ideen für Lösungen.
„Ich habe Politikwissenschaft und Germanistik studiert. Nach meinem Studium habe ich in der Erwachsenenbildung gearbeitet und Unterricht in Wirtschaft und Sozialkunde, Bilanzen/Finanzierung und Deutsch gegeben“, erklärt Keienburg zu seinem Hintergrund im Gespräch mit unserer Redaktion. Seit rund dreieinhalb Jahren ist er nun hauptberuflich in der Geschäftsstelle des Verbands angestellt.
„Zusätzlich war ich anfangs noch für Kinderfußball zuständig – doch jetzt, nachdem die Umstellungen umgesetzt wurden, hat sich mein Tätigkeitsfeld auf Ehrenamt, Nachhaltigkeit und die Vereinsmanager-Ausbildung geändert. Ich bin im Verein groß geworden, habe während meines Studiums in Mainz eine Integrationsmannschaft betreut und bin auch nach meinem Umzug nach Freiburg direkt im Sportverein aktiv geworden“, so Keienburg.
Wenn er sich mit Vereinsvertretern zur Beratung trifft, kommen mannigfaltige Themen auf den Tisch. „Um Ehrenamtsgewinnung geht es überall und auch Spielgemeinschaften sind ein großes Feld. Über Jugendfördervereine muss ich viel Aufklärungsarbeit leisten. Diese gilt nur für Spitzenspieler, die Jugend bleibt also zum Großteil im Stammverein. Außerdem ist in jeder Altersstufe auch eine andere SG möglich. Der Trend geht zu größeren Spielgemeinschaften mit mehreren Vereinen“, erklärt der Clubberater.
Flexibilisierung ist bei Helfern gewünscht
Dass es immer weniger Ehrenamtliche gibt, ist für Keienburg aus der gesellschaftlichen Entwicklung heraus erklärbar. „Die Flexibilisierung schreitet voran. Über einen Zeitraum von zehn Jahren will sich kaum noch einer bereit erklären. Daher ist mein Tipp, dort über abgegrenzte Zeiträume zu verhandeln“, sagt Keienburg.
Er empfiehlt – als digitale Unterstützung – eine Helferkartei anzulegen. Dort können potenzielle Unterstützer Angaben zu ihrem Beruf und Ausbildung machen, in welchen Bereichen sie sich am besten auskennen und wie viel Zeit sie in einer Woche für die Vereinsarbeit entbehren können. Diese Kartei könne der Vorstand dann zentral verwalten. Eine Eintragung bedeute nicht, dass der Helfer jede Woche angefragt wird. Sie soll den Vorstandsmitgliedern vereinfachen, die richtigen Leute anzusprechen, wenn mal was zu tun ist. „Die Erfolgsquote, so projektbezogen Menschen zu finden, ist größer“, berichtet der Berater.
Keienburg hat schon rund 100 Vereine beraten. Er erlebt die Clubs in der Regel kollegial. „Die Helferkartei kann auch von mehreren Vereinen genutzt werden. Ich nutze auch Beispiele, wie es andere Vereine machen, in der Beratung. Der Name des Clubs muss dabei nicht genannt werden, aber ein Verein aus Baden-Baden hat auch keinen Schaden, wenn ein Club vom Bodensee ähnlich handelt wie er“, so Keienburg. Er erhält nach einer Beratung keine direkte Rückmeldung, wie seine Vorschläge angekommen sind. „Aber die Clubberatung ist ein DFB-Projekt und vom Dachverband gibt es einen Fragebogen zur Rückmeldung. Dort schneidet Südbaden mit einem Notenschnitt von 1,4 sehr gut ab“, freut sich der Verbandsmitarbeiter.
Anmeldung zur Beratung
Die Clubberatung steht allen Vereinen des SBFV-Gebiets ligenübergreifend zur Verfügung. Alle Vereine, die Interesse an der Weiterentwicklung des Vereins und des Vereinslebens haben, können den Clubberater anfragen. Die Anmeldung erfolgt über ein Formular auf der Internetseite des Südbadischen Fußballverbands und ist kostenlos. Termine dauern zwei Stunden.