Der Turnverein 1848 Villingen verlieh die 2024 abgelegten Sportabzeichen (von links): Ulrich Köngeter, Günther Brunner, Andrea Salmann, Elfriede Haas, Thomas Geiger, Hansjörg Zucker, Willi Kraus, Carsten Pietzsch, Wilfried Steinhart, Christoph Selc, Dieter Keller, Gunter Wiedemann und Gerhard Bregenzer. Foto: Birgit Heinig

Laut Deutschem Sportbund ist es ein „Ehrenzeichen der Bundesrepublik Deutschland mit Ordenscharakter“, das jedes Jahr an über eine Million Menschen verliehen wird – das Sportabzeichen. Der Turnverein 1848 Villingen (TVV) nahm es 2024 genau 250 Sportlerinnen und Sportlern ab.

Etwas überdurchschnittlich sportlich muss man schon sein, um sich am Ende des Jahres eine der begehrten Metallbroschen in Bronze, Silber oder Gold anheften zu können.

 

Denis Reimchen, beim TVV Teamleiter „Sportabzeichen“, kennt die Anforderungen, die man in den vier Bereichen Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Koordination erbringen muss. Grundsätzlich ist das in vielen Sportarten möglich, sofern man dafür einen Abnehmer findet.

In Villingen-Schwenningen haben sich die Sportarten Leichtathletik (TVV), Schwimmen (Bäder VS) und Radfahren (Kooperation TVV und TG Schwenningen) bewährt. Wer regelmäßig Sport treibt, der könne die Aufgaben laut Tabelle – abhängig von Geschlecht und Alter – „aus dem Stand“ erledigen.

Sinn und Zweck der Aktion sei es aber, so Reimchen, die Menschen dauerhaft in Bewegung zu bringen. Das sehen auch die meisten Krankenkassen so und gewähren ihren Versicherten dafür Boni.

Treff wieder ab Mai

Der TVV bietet ab Anfang Mai auf seiner Freiluftanlage auf dem Hubenloch wieder den Sportabzeichen-Treff an. An jedem Freitagabend stellt sich das Team „Sportabzeichen“ zwischen 17.30 und 19.30 Uhr für die Einweisung ins Prozedere überhaupt, in neue Sporttechniken oder für Tipps zum Trainingsaufbau zur Verfügung.

Die Disziplinen

Der Erwerb des Sportabzeichens könnte dann so aussehen: in den Bereichen Ausdauer und Schnelligkeit eine längere oder kürzere Strecke schwimmen, radfahren oder rennen, für die Kraft Kugel- oder Steinstoßen, Standweitsprung oder Medizinballwerfen, neuerdings ist auch eine Kombination aus Crunches, Liegestütze und Klimmzügen möglich. Für die Koordination sind Hoch- oder Weitsprung, Schleuderballwerfen oder Seilspringen vorgesehen.

Von sechs bis 85 Jahre

Das anspruchsvolle Programm haben im vergangenen Jahr 250 Personen – je zur Hälfte Frauen und Männer – im Alter von sechs bis 85 Jahren erfüllt. Auch Schwerbehinderte wie Christoph Selc können die auf sie zugeschnitten Anforderungen schaffen. Die sechsjährige Emily Würtele ist jüngste Trägerin des Jugendsportabzeichens, Elfriede Haas (81) die älteste. Ältester Teilnehmer war 2024 Günther Brunner (85).

Die am stärksten vertretene Altersgruppe waren im vergangenen Jahr wieder Männer zwischen 20 und 24 Jahren, was auf die Tatsache zurückzuführen sei, dass das Sportabzeichen Teil der Aufnahmeprüfungen für Bewerbungen bei der Polizei sei, weiß Reimchen. Dieter Keller und Willi Kraus ist das sportliche Programm dagegen längst in Fleisch und Blut übergegangen. Beide erledigten es im vergangenen Jahr zum sage und schreibe 38. Mal.

Rückläufige Zahlen

Mit dem Blick in die Statistik stellt Denis Reimchen, der es selbst auch schon auf 14 Abzeichen brachte, trotzdem rückläufige Zahlen bei den erwachsenen Alltagssportlern fest. Während Kinder von den Schulen und Twens beruflich dazu animiert werden, sinkt die Zahl der ab 35-Jährigen offenbar sukzessive. In Angriff nehmen das Sportabzeichen zwar noch erfreulich viele, aber „es gibt leider auch etliche, die es nicht durchziehen. Die Gründe sind Krankheit, Verletzungen, anderweitige Verpflichtungen, aber häufig auch fehlende Motivation. Und am Ende fehlen zum Abzeichen dann einzelne Disziplinen“, bedauert Reimchen.

Die infrastrukturellen Voraussetzungen sind auf jeden Fall gegeben und der TVV-Vorsitzende Ulrich Köngeter hofft, dass das auch so bleibt. Die Sportanlage auf dem Hubenloch würde man nicht nur auf Dauer behalten, sondern von der Stadt auch gerne immer wieder modernisiert bekommen, sagte er bei der Verleihung der Sportabzeichen.

Sein Dank galt dem ehrenamtlich wirkenden Team „Sportabzeichen“ mit Denis Reimchen, Christoph Selc, Andrea Salmann, Monika Junghanns und Carsten Pietzsch.

Was es kostet

Jeden Teilnehmenden kostet die Abnahme des Sportabzeichens übrigen zehn Euro, die an den Verband gehen. Das Training dafür ist jedoch gratis. Und was hat der Verein davon? Je mehr Menschen mitmachen, desto größer ist die Chance auf einen Geldgewinn beim Wettbewerb der erfolgreichsten Vereine. Reimchen: „2023 wurden wir mit unserer Teilnehmerzahl Vierter und erhielten 1000 Euro für die Vereinskasse.“