Der Calwer Weihnachtsmarkt ist eröffnet. Doch solcherlei Feiern waren in der Stadt nicht immer wohl gelitten, berichtete der Oberbürgermeister zum Auftakt.
Der Calwer Marktplatz ist voller Menschen, Grill- und Glühweinduft liegt in der Luft. Auf der großen Bühne stimmt die Stadt- und Jugendkapelle Calw das bekannte Weihnachtslied „Tochter Zion“ an.
Kurz darauf tritt Oberbürgermeister Florian Kling ans Mikrofon, um den Weihnachtsmarkt offiziell zu eröffnen. Im Grunde eine Art Formalie. Denn das Fest hat seit dem Nachmittag schon ordentlich Fahrt aufgenommen.
„Ein bedeutendes Jahr geht zu Ende“, sagt Kling. 950 Jahre Calw sorgte für viele Feiern, für einen Blick in Vergangenheit und Zukunft. Der Oberbürgermeister freut sich, dass am Ende dieses Jahres einmal mehr ein Weihnachtsmarkt steht, wie er seit vielen Jahren gefeiert wird – „noch viel schöner als jedes Mal davor“.
Doch das war nicht immer so. Wie lange wohl, fragt er in die Runde, gibt es dieses Fest? In den Geschichtsbüchern, berichtet er, fand er keine eindeutige Auskunft. Es müssten jedoch weniger als 50 Jahre sein. Und davor?
„Damals war die Welt katholisch“, erzählt Kling. Der Nikolaustag wurde gefeiert, deshalb gebe es auch Nikolausbrücke und -kapelle in der Stadt. Eine Zäsur kam mit der Reformation; das Christkind ersetzte gewissermaßen den Nikolaus. Doch auch dieses war offenbar nicht immer wohl gelitten.
Kling zitiert aus einer behördlichen Warnung des Jahres 1872 gegen das Haus-zu-Haus-Christkindle. Darin wird „bekannt gemacht, dass dieß durchaus nicht mehr geduldet wird“. Wer dennoch umherziehe und Lieder singe, werde wegen Bettelns zur Rechenschaft gezogen.
Und dass Kinder überdies erhaltene Gaben „zur Befriedigung ihrer Naschhaftigkeit“ verwendeten – „das war eine Sünde in Calw“, berichtet Kling.
Wer dieser Tage während des Weihnachtsmarktes das Bedürfnis nach Naschereien habe, brauche sich dagegen keine Sorgen zu machen. „Die Stadt wird’s Ihnen nicht übelnehmen“, meint der Oberbürgermeister schelmisch.
Der Weihnachtsmarkt empfängt noch bis Sonntag, 30. November, Besucher. Los geht es jeweils um 11 Uhr, Ende ist am Freitag und Samstag um 21 Uhr, am Sonntag gegen 18 Uhr.
Mehr als 80 Stände, ein adventlicher Kunsthandwerkermarkt im Saal der Musikschule und ein umfangreiches Rahmenprogramm erwarten die Gäste – darunter nicht zuletzt der Besuch des Nikolauses, der am Freitag ab 15 Uhr über den Marktplatz spazieren wird.
Neu, so sagt Kling, ist in diesem Jahr unter anderem, dass sich der Markt bis in die Salzgasse erstreckt. Und dass auch ein DJ für Stimmung sorgt.
Bewährtes bleibt dadurch aber nicht auf der Strecke. Auch das Weihnachtscafé im Rathaus, der Bärentatzen-Verkauf für soziale Zwecke und die „Engelpost“ sind wieder feste Bestandteile.