Andreas Pahlow setzte sich 16 Jahre lang als Jugendreferent der Gemeinde für die heranwachsenden Friesenheimer ein. Foto: Bohnert-Seidel

Andreas Pahlow geht in den Ruhestand. Die vergangenen 16 Jahre war er Sprachrohr für die jungen Bürger der Gemeinde Friesenheim – solange wie noch keiner vor ihm. Die Sozialarbeit war für ihn mehr als nur ein Job.

Der Friesenheimer Jugendreferent Andreas Pahlow hatte am 31. Januar seinen letzten Arbeitstag. Von der Jugend in Friesenheim hat er sich im Laufe der vergangenen Woche bereits verabschiedet. Für sie war er mehr als nur ein Angestellter der Gemeinde. Für die Jugend war er Halt, väterlicher Freund, ein Mann mit Ecken und Kanten, der sich der Jugend auf Augenhöhe stellte, dem sie sich anvertrauen durften, der manch einem auf die richtige Bahn verholfen hat oder einfach nur da war, wenn Hilfe gebraucht wurde. Was Pahlow anvertraut wurde, blieb bei ihm hinter Schloss und Riegel und sein Mund blieb versiegelt. Viele Kinder und Jugendliche hat er so wertschätzend begleitet.

 

Die Sozialarbeit war mehr als nur ein Job für ihn. Seine Aufgabe in Friesenheim wurde Pahlow zusehends zur Berufung. Zur Sozialarbeit kam er ursprünglich über seinen Beruf als Erzieher. Im Zivildienst machte er Schwerstbehindertenbetreuung bei einer Familie auf dem Bauernhof. Während des Studiums zur Sozialarbeit wurden dann seine beiden Kinder geboren. Geld verdiente sich Pahlow als Lkw-Fahrer.

Als schwierig hat er die Jugend nicht empfunden

Im „Radhiesli“ in Schuttern hatte er einen Halbtagsjob und wohnte mit seiner Familie in der Nachbarschaft. Parallel dazu baute er 2001 in Schuttern die Randzeitbetreuung auf und wurde verstärkt in der Schülerbetreuung in Friesenheim eingesetzt.

Im Jahr 2008 wurde er Jugendreferent der Gemeinde Friesenheim und erarbeitete dort die Konzeption Jugendbeteiligung, Berufsorientierung und Ausbildung von Jugendlichen und brachte diese mit auf den Weg. Vor allem habe er sich immer die Förderung des Ehrenamts auf die Fahne geschrieben, was ihm sowohl in der Beteiligung von Jugendlichen als auch von Vereinen, Gruppen und Privatleuten beim Friesenheimer Ferienprogramm gelang „Ohne die Unterstützung der Jugend aus dem Jugendbüro ließe sich ein Ferienprogramm, wie es die Kinder und Eltern in Friesenheim schätzen und lieben, kaum realisieren“, betont Pahlow im Gespräch.

Wenn Bewohner von „schwierigen Jugendlichen“ sprachen, musste er vielfach die Eindrücke aus der Bevölkerung korrigieren und prägte lieber den Begriff von „verhaltensoriginellen Jugendlichen“. Als schwierig habe er sie nicht wahrgenommen. Vielmehr habe er sich Zeit genommen – oft auch über die Arbeitszeit hinaus. Wenn er auf dem Nachhauseweg mit dem Fahrrad Grüppchen entdeckte blieb er für ein Gespräch stehen. Wenn die Jugend von sich hören machte, sprach Pahlow weniger von „bösem Willen“, als einfach nur von „Unwissenheit“. Erklärungen von ihm trafen oft auf fruchtbaren Boden. Vielen habe er eine Ausbildung vermittelt, ihnen bei der Zusammenstellung von Bewerbungsunterlagen geholfen oder sie auch in Einzelberatungen gestärkt. Lachend lehnt er sich zurück und sagt: „Tatsächlich sind ein paar Erzieher heute rausgekommen.“ Pahlow hat der Jugend über einen Vertrauensvorschuss auch einen Weg in die Verantwortung für die Gesellschaft geebnet. Wichtig war ihm: „Jugendbeteiligung darf keine Alibifunktion haben.“

Er kritisiert die Bürokratie, die Jugendarbeit erschwert

Alle öffentlichen Themen wurden auch von der Jugend bearbeitet und vieles ist bis heute von Erfolg getragen. Am Bahnhof sei so nicht nur ein Graffitiwerk durch Luca Blank entstanden, auch der Jugendplatz in Oberweier dürfte bald Gestalt annehmen.

Insgesamt bilanziert Pahlow die 24 Jahre in Friesenheim als gute Jahre. Leider greife die wachsende Bürokratie verstärkt in die Jugendarbeit und raube so manche Zeit, die im direkten Kontakt mit der Jugend dringend gebraucht werde. „Alles in allem bin ich mit den allermeisten Leuten recht gut ausgekommen“, resümiert er. Seinem Nachfolger in Friesenheim hinterlässt er große Spuren. Ganz untätig will er jedoch nicht werden, sondern seine Unterstützung weiterhin der Flüchtlingsarbeit im Netzwerk Solidarität schenken.

Nachfolger

Der Gemeinderat Friesenheim hat sich in einer nicht öffentlichen Sitzung für die Einstellung eines neuen Jugendreferenten entschieden. Dieser wird seine Stelle voraussichtlich am 1. April antreten. Wer es ist, ist noch nicht öffentlich bekanntgegeben worden.