Das Klischee der Malediven ist den Eutingern auf Weltreise zu langweilig. Sie berichten von der Realität hinter dem Urlaubsparadies. Doch zuvor sind sie noch in Sri Lanka.
Stefan und Andrea Klumpp sind schon seit November auf ihrer Weltreise auf der Aidadiva unterwegs. Was ihre Reise immer wieder auszeichnet: Sie unternehmen nicht das gewöhnliche Pauschaltouristenprogramm, sondern entdecken die Welt auf eigene Faust. Sie lernen Menschen in verschiedenen Ländern kennen, entdecken Orte abseits jeglicher Touristenströme und erleben Abenteuer. In diesem Reise-Update berichten sie aus Sri Lanka und von den Malediven.
Von Thailand aus überqueren die Klumpps mit dem 252 Meter langen 36.000-Tonner namens Aidadiva den nordöstlichen Indischen Ozean: Ihr nächstes Ziel: die Hafenstadt Hambantota an der Südküste Sri Lankas. „Hambantota ist der größte Tiefwasserhafen Sri Lankas, hierüber läuft ein großer Teil des Warenverkehrs nicht nur für die Republik sondern auch des internationalen Handels. Ein Blick auf die Weltkarte erklärt das sehr schnell, das ist ein Knoten für Schiffe, die von Asien nach Westen ins Arabische Meer, das Rote Meer und in den Suezkanal oder nach Ostafrika wollen. Oder eben anders herum“, schreibt Stefan Klumpp. Auch Aidadiva nutze Hambantota in erster Linie zum Bunkern und Entsorgen. „5000 Tonnen Kraftstoff passen in die Tanks für Marinediesel und Schweröl, mit denen die Generatoren des Schiffs betrieben werden, die den Strom für den Antrieb und die Energieversorgung der schwimmenden Kleinstadt liefern“, weiß Klumpp.
Unterwegs in Sri Lanka
Die Eutinger machen sich auf, die Insel zu erkunden: „Wir nehmen uns am Vormittag für kleines Geld einen Taxibus und lassen uns die nähere Umgebung zeigen. Riesige Bananenplantagen und Reisfelder sind mit seltsamen, gut drei Meter hohen Drahtvorhängen umgeben. Unser Guide erklärt: Es sind Elektrozäune, mit denen Elefanten ferngehalten werden sollen“, schreibt Klumpp. Während der Fahrt bekommen sie einen Eindruck vom Straßenverkehr in Sri Lanka. „Hier regeln offensichtlich die Größe des Fahrzeugs und die Lautstärke der Hupe die Vorfahrt. Zwischen Pkw, überfüllten Bussen, stinkenden Lastwagen und todesverachtenden Tuk-Tuk-Fahrern versuchen Fußgänger mit Handkarren am Leben zu bleiben.“
Paradies im Indischen Ozean
Dann geht die Schiffsreise weiter: Nächster Stopp Malediven. „Das Traumparadies schlechthin, so kennt man die 26 Atolle und rund 1200 Koralleninseln im Indischen Ozean. Postkartenidylle, türkisfarbenes Wasser, weiße Strände, man sitzt im schweineteuren Resort, schlürft eisgekühlte Cocktails und lässt sich von mindestens zwei angestellten Locals pro Gast umsorgen.“ So beschreibt Stefan Klumpp das Klischee. Doch die Eutinger machen etwas anderes. „Wir haben wenig Lust, für 500 Euro pro Nase im heißen Sand zu hocken, dieses Prollgehabe passt nicht in unser Weltbild und wäre mir eher peinlich. Zudem langweilig, wir wollen lieber wissen, wie das System Malediven funktioniert. Genau das erfährt man auf der Hauptinsel Malé. Und das haut einen komplett aus den Socken.“
Auf der Hauptinsel Malé
Die Versorgung dieses „Paradieses“ erfolgt zentral über Malé, das über einen ins Meer aufgeschütteten Flughafen verfügt, berichtet Klumpp. „Bereits im kleinen Hafen herrscht ein unbeschreibliches Durcheinander und Chaos, zumindest wirkt das auf uns so. Palettenweise werden Boote beladen, die die Versorgung der Touristen in den Inselresorts gewährleisten. Überall herrscht ein unheimliches Gedränge. Zahllose Roller zwängen sich im Schritttempo zwischen Autos und schrecken auch vor den wenigen Gehwegen nicht zurück. Wir zwängen uns durch die Menschenmengen zunächst bis zum lokalen Gemüsemarkt. Hier finden sich keine Aida-Touristen mehr. Der Markt ist abenteuerlich, unter den Zeltplanen ist es heiß und stickig, außerdem riecht es –vorsichtig ausgedrückt – sehr exotisch. Wir gehen bis zum bekannten Fischmarkt von Malé, hier werden frisch gefangene sogenannte Bonitos, Gelbflossen- und andere Thunfischarten in Massen gehandelt, auf Wunsch auch gleich filetiert. Am Abend liegen die dann auf den Grills der Resorts.“
Gemischte Gefühle
Dann verlassen die Eutinger die Insel mit gemischten Gefühlen. „Einerseits sehen wir einmal mehr, wie Menschen für die schuften müssen, die auf den Inseln den dicken Max machen, andererseits hat es dem Inselstaat auch Wohlstand geschenkt“, so die nachdenklichen Worte von Klumpp. Zwei große Probleme hätten die Trauminseln: Der immense Müll, den man auf der künstlich entstandenen Müllinsel Thilafushi unsortiert verbrennt oder im Meer versenkt, nach Schätzungen 300 bis 500 Tonnen täglich, sowie den ansteigenden Meeresspiegel, den Malé liegt nur etwa einen Meter über dem Meeresspiegel.
Damit ist Asien für die Klumpps abgeschlossen. „Wir segeln weiter nach West-Süd-West, queren den Äquator nach Süden und werden in drei Tagen die Insel Mahe und damit die Seychellen erreichen. Dann sind wir in Afrika.“
Routenänderung der Aida
Geopolitische Konflikte sind der Grund
Stefan und Andrea Klumpp berichten: „Die ursprünglich geplante Rückroute via Mumbai (Indien) durch das Arabische Meer mit Stop im Oman sowie den Weg ums Horn von Afrika, durch den Golf von Aden, die Meerenge Bab al Mandab ins Rote Meer und den Suezkanal hatte die Rostocker Reederei bereits vor einem Jahr aus Sicherheitsgründen geändert und ums Kap geleitet. Hier ging die Gefahr von den Huthis im Jemen aus.“ Schon im Februar schreibt Klumpp in seinem Reisetagebuch: „Mittlerweile sind die Drohungen des US-Präsidenten gegenüber dem Iran kein Geheimnis mehr, auch die Entsendung des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln in Richtung Persischer Golf im Januar ist Gesprächsthema, zumindest unter geopolitisch interessierten Gästen, zu denen wir uns auch zählen. Es brodelt in Vorderasien und wir sind froh, in die andere Richtung zu segeln. Zu Recht, denn in 15 Tagen werden Israel und die USA das Mullahregime angreifen und unter anderem vor der Küste Sri Lankas ein iranisches Kriegsschiff mit einem Torpedotreffer versenken. Indem der Iran jedoch die Straße von Hormus kontrolliert, wird damit der gesamte Arabische Golf zur Mausefalle für die dort befindlichen Schiffe, darunter zwei deutsche Kreuzfahrer. Ich habe mich gefragt, ob diese Reedereien keine Seekarten lesen können. Spätestens als Trump mit der USS Gerald R. Ford am 23. Februar den zweiten Flugzeugträger in die Region entsandte, hätte man aufwachen müssen.“