Mit einem neuen Format schenken Pfarrerin Gudrun Ehmann und Pastoralreferentin Ulrike Erath Patienten, Mitarbeitenden und Angehörigen einen Moment der Ruhe.
Ulrike Eraths Stimme verklingt im Andachtsraum des Zollernalb Klinikums. Sie nutzt eine Geschichte aus der Bibel als Impuls für eine Adventsmeditation. Draußen sind quietschende Schritte zu hören, immer wieder geht ein Notruf ein. Doch hier drin ist es still.
20 Menschen sitzen in einem Stuhlkreis. Patienten und Pflegepersonal haben sich hier versammelt. Für eine kleine Tagesunterbrechung. „Wir wollen den Alltag für eine halbe Stunde ruhen lassen, das Krankenzimmer für diese Zeit verlassen“, sagt die evangelische Pfarrerin Gudrun Ehmann.
Gemeinsam mit ihrer Kollegin hat sie sich ein besonderes Format im Krankenhaus einfallen lassen: Jeden Donnerstagnachmittag im Dezember, bis Weihnachten, gibt es eine Adventsmeditation. „Immer zur Zeit des Schichtwechsels.“ Zu ihren Gottesdiensten im Klinikum seien zuletzt kaum noch Menschen gekommen, bemerkt die Seelsorgerin. „Wir haben uns deshalb ein neues Format überlegt.“
Moment der Gemeinschaft
Dieses Format umfasst einen Impuls, ein gemeinsames Gebet und Weihnachtslieder. Teilnehmen können neben Patienten und Krankenhauspersonal auch Angehörige und Besucher. Klaviermusik ertönt im Andachtsraum. Cornelia Frick stimmt die ersten Töne an. Das Licht der Kerzen flackert, ein Patient im Rollstuhl schluchzt leise. Es ist ein Moment der Gemeinschaft. Raum für Emotionen, für Zusammenhalt. Letzterer ist es auch, der die beiden Organisatorinnen immer wieder antreibt.
Ihnen Mut macht: „Wir begleiten hier kranke Menschen. Patienten, die zum Teil schwere Diagnosen erhalten. Angehörige, die einen geliebten Menschen verlieren“, sagt Ulrike Erath. Eine Botschaft, die sie den Menschen immer wieder auf den Weg gibt: „Du bist nicht allein.“ Auch, ja, vor allem im Schmerz nicht.
Ängste und Sorgen rücken kurz in den Hintergrund
Ihre Aufgabe als Seelsorgerinnen im Krankenhaus sei es vor allem, da zu sein. „Manchmal geht es auch darum, erste Worte für die Gefühle zu finden. Zuzuhören. Und zu begleiten“, sagt Pfarrerin Gudrun Ehmann. Das Krankenhaus sei mit Sicherheit nicht der Ort, an dem man am liebsten Weihnachten verbringen wolle. Doch an diesem Nachmittag im Andachtsraum rücken die Diagnosen, die Krankheitsgeschichten, die Ängste und Sorgen für einen Augenblick in den Hintergrund.
„Mitten unter uns“
„Mitten unter uns“ ist das Motto des neuen Formats. „Suchen wir Gott in der Begegnung mit anderen Menschen?“, fragt Erath in die Runde. Eine ältere Frau im Rollstuhl nickt andächtig. „Das hat mir jetzt wirklich gutgetan“, sagt sie wenig später, als der letzte Ton des Lieds verklingt. Eine Botschaft der Hoffnung habe sie an diesem Tag dringend gebraucht. Ein schlichtes, fast gehauchtes „Danke“ ist neben ihr zu hören. Der Mann einer Patientin reicht Erath und Ehmann die Hand. Dann lächelt er. Sie haben ihm ein bisschen Hoffnung geschenkt, mit dem Impuls, schiebt er dann hinterher.
Kleine Momente sind wichtig
Die stille Kraft der Adventsmeditation zeigt sich in kleinen Momenten: ein Blick, ein Nicken, ein leises „Danke“. Für Patienten, Angehörige und Mitarbeitende gleichermaßen – und für die Seelsorgerinnen, die jeden Donnerstag ein Stück Hoffnung weitertragen.
Die nächste und vorerst letzte Adventsmeditation findet am kommenden Donnerstag, 18. Dezember, ab 14.15 Uhr im Andachtsraum statt. Schon ab 14 Uhr spielt Pianistin Cornelia Frick im Foyer des Krankenhauses. Die Reihe „Mitten unter uns“ mündet schließlich am ersten Weihnachtsfeiertag mit einem gemeinsamen Gottesdienst im Klinikum.