CDU und AfD haben im Kreis Calw bei der Landtagswahl besser, SPD, Grüne und Linke schlechter abgeschnitten als im Landesschnitt. Keine Überraschung. Überraschend ist die Bandbreite.
Bei der Landtagswahl 2021 erhielt die CDU im Landkreis Calw 28,8 Prozent, die Grünen bekamen 27,1 Prozent. Auf Platz drei rangierte die AfD mit 13,5 Prozent, die Liberalen durften sich über 10,0 Prozent freuen. Die SPD kam auf 7,8 Prozent und die Linke landete bei 2,7 Prozent.
Das war einmal. Am Sonntag verschoben sich all diese Balken mal mehr, mal weniger.
Die Ergebnisse
Größter Gewinner der Landtagswahl im Kreis Calw ist die AfD. Diese legte im Vergleich zu 2021 satte 11,8 Prozentpunkte auf 25,3 Prozent zu. Größter Verlierer ist die FDP mit einem Minus von 5,6 Punkten auf 4,4 Prozent. CDU (plus 3,1 Punkte, jetzt 32 Prozent), Grüne (minus 3,7 Prozentpunkte, jetzt 23,3 Prozent), SPD (minus 2,9 Prozentpunkte, jetzt 4,9 Prozent) und Linke (plus 0,1 Prozentpunkte, jetzt 2,9 Prozent) rangieren dazwischen.
Die Wahlbeteiligung im Kreis Calw lag bei 70,3 Prozent. Die anteilsmäßig meisten Wähler schritten in Ostelsheim zur Urne (79,1 Prozent), die wenigsten in Bad Wildbad (61,2 Prozent). Insgesamt waren es jedoch deutlich mehr als noch vor fünf Jahren. Bei der Landtagswahl 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 63,6 Prozent.
Neu hinzugekommen sind in diesem Jahr die Erststimmen. Hier sicherte sich Carl Christian Hirsch (CDU) mit 37,6 Prozent den klaren Sieg und das Direktmandat vor Miguel Klauß (AfD) mit 25,3 Prozent, Fynn Rubehn (Grüne) mit 16,3 Prozent, Daniela Steinrode (SPD) mit 9,8 Prozent, Johannes Feldmann (FDP) mit 5,0 Prozent und Thomas Hanser (Linke) mit 3,7 Prozent.
Ebenfalls als Direktkandidaten angetreten waren außerdem Markus Bender für das Bündnis C (1,7 Prozent) und Stephan Schaible für die WerteUnion (0,5 Prozent).
Besonders spannend sind indes nicht nur die Ergebnisse – sondern auch die große Bandbreite der Zahlen im Landkreis. Denn nicht jede Partei und jeder Kandidat bekamen überall gleich viel (oder gleich wenig) Zuspruch.
Grüne
Die Hochburg der Grünen im Kreis Calw liegt offenbar in Ostelsheim. Hier fuhren sowohl Direktkandidat Rubehn mit 28,3 Prozent als auch die Partei mit 36,2 Prozent die besten Ergebnisse ein. Ostelsheim ist zudem der einzige Ort im Landkreis, in dem die Grünen Wahlsieger wurden – und die meisten Stimmen unter allen Parteien bekamen.
Besonders schlecht lief es in Sachen Erststimme dagegen in Egenhausen (9,8 Prozent). In Sachen Zweitstimme stammt der schlechteste Wert aus Haiterbach (15,1 Prozent).
CDU
Klarer Sieger in Sachen Direktmandat ist im Kreis Calw die CDU. In allen 25 Kommunen des Landkreises vereinigte Hirsch die meisten Stimmen auf sich. Das beste Erststimmenergebnis holte Hirsch in Enzklösterle (45 Prozent), das schlechteste in Dobel (30,0 Prozent).
Doch auch das Zweitstimmenergebnis färbte die Landkarte schwarz – zumindest fast überall. Ostelsheim ging, wie erwähnt, an die Grünen, in Dobel und Oberreichenbach zeigen sich blaue Flecken. Hier heimste jeweils die AfD die meisten Stimmen ein.
CDU-Hochburg der Zweitstimmen wurde Simmersfeld (38,3 Prozent), die wenigste Zustimmung gab es ebenfalls in Dobel (25,6 Prozent).
AfD
Die AfD kann den Wahlsieg in Dobel und Oberreichenbach für sich verbuchen; in Oberreichenbach fuhr die Partei mit 30,9 Prozent auch das beste Ergebnis im Kreis ein. Die wenigsten Zweitstimmen gab es in Gechingen (19,6 Prozent).
Miguel Klauß als AfD-Direktkandidat hat offenbar in Simmersfeld die meisten Unterstützer (30,4 Prozent der Erststimmen), die wenigsten dagegen in Ostelsheim (19,9 Prozent.
SPD
Einen Heimvorteil konnte Daniela Steinrode als Direktkandidatin der SPD in Nagold geltend machen. Hier holte sie das mit Abstand beste Erststimmenergebnis (14,5 Prozent). Schlecht sah es in Bad Herrenalb aus (5,4 Prozent).
Bei den Zweitstimmen reicht die Bandbreite von 6,3 Prozent (Dobel) bis 3,2 Prozent (Neuweiler).
FDP
Ebenfalls einen Heimvorteil hatte offenbar FDP-Direktkandidat Feldmann. Die meisten Erststimmen gab es in seinem Heimatort Bad Liebenzell (7,2 Prozent). Die wenigsten sammelte er in Simmersfeld (4,0 Prozent).
Die Zweitstimmenergebnisse rangieren zwischen 6,3 Prozent (Höfen) und 3,2 Prozent (Egenhausen).
Linke
Keinen Heimvorteil hatte der Calwer Direktkandidat der Linken, Thomas Hanser. Dessen bestes Ergebnis stammt aus Bad Herrenalb (5,4 Prozent der Erststimmen), das schlechteste aus Egenhausen (2,2 Prozent).
Die Zweitstimmenergebnisse lagen zwischen 4,2 Prozent in Bad Herrenalb und 1,1 Prozent in Enzklösterle.
Erst- und Zweitstimmen
Generell lässt sich feststellen, dass im Kreis Calw teils die Partei mehr Eindruck auf die Wähler machte als die Direktkandidaten, dass es sich teils aber auch umgekehrt verhielt.
Deutlich weniger Erststimmen gab es etwa für die Grünen, deutlich mehr für die CDU und die SPD. Auch Feldmann und Hanser schnitten leicht besser ab als ihre Parteien.
Eine Ausnahme stellen Miguel Klauß und die AfD dar. hier hielten sich Erst- und Zweitstimmen die Waage.
Analyse
Dass bei dieser Wahl einige Parteien unter die Räder gerieten – insbesondere FDP und Linke, die nicht im Landtag vertreten sein werden, aber auch die SPD –, das bringt Manfred Stehle in einer kurzen Einschätzung prägnant auf den Punkt. Verantwortlich dafür sei „die starke Polarisierung zwischen den Spitzenkandidaten von Grünen und CDU und das damit verbundene taktische Wahlverhalten vieler Wählerinnen und Wähler“.
Stehle lebt in Althengstett, ist langjähriges Mitglied der SPD in verschiedenen Ämtern und Funktionen. In der grün-roten Landesregierung zwischen 2011 und 2016 fungierte er als Amtschef im Integrations- und Kultusministerium.
Mit Blick auf seine Partei sagt er: „Der Landes-SPD ist es als Oppositionspartei in den vergangenen zehn Jahren offensichtlich nicht gelungen, mit eigenen Themen die Menschen in Baden-Württemberg für sich zu gewinnen und für eine Wahl der SPD zu mobilisieren.“
Gefehlt habe aber auch Rückenwind aus Berlin. Doch immerhin könne sich die Kreis-SPD über eine Kandidatin freuen, die ein respektables persönliches Wahlergebnis erzielt habe. „Daniela Steinrode hat als Person und Politikerin voll überzeugt“, so Stehle. „Die Kreis-SPD sollte weiterhin auf sie bauen.“