Lahr bleibt AfD-Hochburg, Ettenheim ist am grünsten und das Tal ist CDU-Land: Die Landtagswahl brachte in der südlichen Ortenau spannende Ergebnisse. Eine Analyse.
Die Landtagswahl 2026 ist Geschichte, übrig bleiben einige offene Fragen: Wo holt die AfD ihre Stimmen her? Welche Gemeinde ist die grünste? Eine Analyse.
Wahlbeteiligung steigt: Fast zwei Drittel aller Wahlberechtigten (66,3 Prozent) haben im Wahlkreis ihre Stimmen abgegeben. Das sind 5,3 Prozentpunkte mehr als bei der vergangenen Landtagswahl, der Wert liegt jedoch unter dem Landesergebnis von 69,6 Prozent. In der südlichen Ortenau waren die Wähler in Schuttertal besonders fleißig. Hier beteiligten sich 78,1 Prozent. Seelbach folgt mit 74,5 Prozent. Das Schlusslicht in Sachen Wahlbeteiligung ist üblicherweise Lahr, dieses Mal jedoch (zunächst) nicht. In Lahr stieg der Wert von 50,6 auf 57,4 Prozent. Komplett gegen den Trend sank scheinbar in Mahlberg die Wahlbeteiligung. Nur 51,7 Prozent gaben ersten Zahlen zufolge ihre Stimmen ab, 2021 waren es noch 57,8 Prozent.
Woran liegt das? Bürgermeister Dietmar Benz klärte am Montag auf: „Es war ein Rechenfehler bei der Ermittlung der Wahlbeteiligung.“ Die Verwaltung hatte demnach zur Zahl der Wahlberechtigten alle Briefwahlanträge addiert, die Briefwähler also doppelt gezählt. „So kamen wir auf fast 5000 Wahlberechtigte“, so Benz. Bereits am Montag habe die Stadt das Ergebnis korrigiert – „die eigentliche Wahlbeteiligung liegt bei 67,6 Prozent“. Mahlberg hat also knapp zehn Prozent zugelegt.
Schuttertals Bürgermeister ist erfreut über Wahlbeteiligung
Korrekt hingegen hat Schuttertal die Wahlbeteiligung errechnet. Bürgermeister Matthias Litterst freute sich am Montag über das hohe Interesse an der Wahl in seiner Gemeinde. „Es hat schon Tradition“, sagt er. Er sieht, dass sich in Schuttertal der Trend „je ländlicher, desto mehr Wahlbeteiligung“ widerspiegelt. Litterst findet aber auch, dass Land- und Bundestagsabgeordnete eine hohe Präsenz im Schuttertal zeigen. Besonders im Fokus stand der Ortsteil Schweighausen. Hier waren Mitarbeiter des Umfrage-Instituts Infratest-Dimap im Einsatz, um ein Stimmungsbild für die 18-Uhr-Prognose der ARD zu erheben. Klaus Schütz sprach die Wähler im Bergdorfhaus direkt an und teilte ihnen einen Fragebogen aus. In bestimmten Zeitfenstern wertete er die Ergebnisse aus – und übermittelte sie an das Institut.
Grüne in Ettenheim am stärksten
Anders als auf Landesebene wurden die Grünen im Wahlkreis nur zweitstärkste Kraft. Die Auswertung zeigt: Ettenheim hat Seelbach als „grünste“ Kommune in der südlichen Ortenau überholt. Lag die Schuttertal-Gemeinde 2021 noch knapp vorne (37,9 zu 37,2 Prozent), hat sich das Blatt nun gewendet (29,6 zu 28,5 Prozent). Die geringsten Verluste mussten die Grünen in Kippenheim hinnehmen (29,1 auf 26,8 Prozent), die deutlichsten in Schuttertal (31,8 auf 20 Prozent). Der Trend bei den Erststimmen für Direktkandidatin Sandra Boser ist ähnlich.
CDU dominiert im Schuttertal
46,4 Prozent – der höchste Zweitstimmenwert in der südlichen Ortenau – ergatterte die CDU in Schuttertal und baute dort ihre Vormachtstellung aus. Auch in Seelbach (34,4), Ringsheim (34,0) und Kappel-Grafenhausen (33,8) waren die Christdemokraten stark. Die schlechtesten Ergebnisse fuhren sie in Lahr (23,5 Prozent, sogar nur dritte Kraft) und in Mahlberg (27,1) ein. Marion Gentges lag bei der Erststimme überall vorne – außer in Lahr, wo sie Benjamin Rösch (AfD) den Vortritt lassen musste.
Lahr ist erneut AfD-Hochburg
„Lahr – die blaue Stadt“, hieß es im Anschluss an die Bundestagswahl vergangenes Jahr. Der Trend bestätigt sich, wenngleich die 30-Prozent-Marke dieses Mal nicht geknackt wurde: Mit 29,4 Prozent fährt die AfD dennoch ihr mit Abstand bestes Ergebnis in Lahr ein. Im Wahlbezirk Dinglingen-West kam die Rechtsaußen-Partei gar auf 47,3 Prozent. Auch in Langenwinkel (42,5 Prozent), Dinglingen-Ost (42,4 Prozent) und Kippenheimweiler (41,2 Prozent) hat die Partei viele Wähler mobilisiert. Überdurchschnittlich hohe AfD-Ergebnisse lieferten auch Mahlberg (25,8 Prozent), Rust (23,4 Prozent) und Schwanau (23,1 Prozent). Am unbeliebtesten war die AfD in Ringsheim (15,5 Prozent) und in Schuttertal (15,9 Prozent). Direktkandidat Benjamin Rösch vereinigte in seiner Heimatstadt 30,9 Prozent der Stimmen auf sich – und hätte damit das Direktmandat geholt, wenn es nur um Lahr gegangen wäre.
SPD sieht nur in Kippenheim einen Stich
Historisch schlecht schnitt die SPD bei dieser Landtagswahl ab – auch in der südlichen Ortenau. In Schuttertal (4,4 Prozent) wären die Sozialdemokraten gar an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Am besten sah es noch in Kippenheim (neun Prozent) aus. Ein (kleiner) Trost für Direktkandidat Kai Schröder-Klings: Sein Erststimmen-Ergebnis lag in ausnahmslos jeder Kommune über dem Zweitstimmen-Ergebnis seiner Partei. In seiner Heimat Lahr erhielt er wackere 9,1 Prozent, in Kippenheim sogar 11,1 Prozent.
FDP liegt überall unter dem Schnitt
Ohne statistische Auffälligkeiten ist das Ergebnis der FDP im Wahlkreis. Der Ringsheimer Udo Zahn holte mit 5,8 Prozent in seiner Heimat sein bestes Erststimmen-Ergebnis.
Linke finden Zustimmung in Ringsheim
Die Linke wäre – wie die FDP – in der südlichen Ortenau überall an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Am knappsten war es in Ringsheim (4,8 Prozent).