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Analyse der Gewässerproben St. Georgener Klosterweiher ist stark belastet

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Von April bis September wurden dem Klosterweiher nun zahlreiche Wasserproben entnommen. Foto: Stratenschulte

Was viele befürchtet haben, hat sich jetzt bestätigt: Der Klosterweiher in St. Georgen ist stark belastet. Damit nächstes Jahr wieder gebadet werden kann, müssen baldige Maßnahmen erfolgen. Die Analyse der Gewässerproben war nun Thema im Gemeinderat.

St. Georgen - Der Klosterweiher muss ein Problem haben – das war bereits letztes Jahr klar, als der See wegen starker Algenblüte und zu geringer Sichtweite vorübergehend für den Badebetrieb gesperrt war. Das gleiche Spiel 2020: Auch diesen Sommer wurde der Badespaß in den Ferien getrübt und der See abgesperrt.

Nun hat die Stadt handfeste Zahlen, die die schlechte Wasserqualität belegen – Gewässerökologe Karl Wurm erläuterte die Ergebnisse der Untersuchungen, die von Anfang April bis Ende September im Klosterweiher vorgenommen worden sind. Als Referenzwerte wurden die Wasseruntersuchungen aus den Jahren 2004/05 herangezogen – hier lagen die Werte noch in der Norm. Die damalige Untersuchung hatte die Stadt infolge des überaus heißen Sommers im Jahr 2003 in Auftrag gegeben. Das Wasser im Weiher sei zu warm, erklärte Wurm. Der pH-Wert des Wassers viel zu hoch, er liege bei weit über 9 – normal ist ein pH-Wert von 7,5 bis 8. Das liegt daran, dass Algen Hydrogencarbonat verarbeiten – und je mehr Algen, desto basischer wird folglich der See. "Das sind Extrembedingungen, bei denen empfindliche Organismen absterben", so Wurm.

Damit steigt auch der Ammoniakwert an. "Der Wert ist zwar noch nicht so hoch, aber in Kombination mit dem hohen pH-Wert ist er gefährlich für Fische", erklärt der Gewässerökologe.

Im nitratarmen Wasser kann die Alge prächtig gedeihen

Normalerweise liege der Stickstoff im Gewässer als Nitrat vor. Das sei, so Wurm, im Gegensatz zu Ammoniak nicht giftig. Waren die Nitratwerte im Frühjahr noch in der Norm, war das Nitrat im Sommer praktisch weg. "Das ist ein großes Problem", sagt Wurm. "Das starke Algenwachstum zehrt das Nitrat auf." Das Wasser, das im Sommer im Weiher lande, sei sehr nitratarm – so könnte die Alge prächtig gedeihen. Auch der Phosphatwert steige dann viel zu stark an.

"Im Sommer, sobald es warm ist, schichtet sich der See und ist somit sauerstofffrei", erklärt der Gewässerökologe. Im Juli sei praktisch kein Sauerstoff mehr im Wasser vorhanden gewesen – Bedingungen, unter denen kaum Leben existieren kann. Die Sichtweite im Wasser betrüge nur noch unter einem Meter, einmal sei sogar ein halber Meter unterschritten worden. "Hohe Alarmstufe!", kommentiert das Karl Wurm.

Ein wichtiger Faktor ist auch der Grad der Eutrophierung, der die Anreicherung von Nährstoffen in einem Ökosystem anzeigt. Hier hat der See mittlerweile die polytrophe Stufe erreicht – ideal für einen Badebetrieb ist aber der mesotrophe Bereich. Hiervon liegt der See drei Stufen entfernt.

Auch die Untersuchung des Sediments brachte wenig Gutes zum Vorschein: Die organische Belastung im See sei angestiegen, teilweise liege auch schon eine Schwarzfärbung vor. Eine Schwermetallbelastung wurde nicht festgestellt, dafür aber auffallend erhöhte PAKs, also polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Diese sind krebserregend, können das Erbgut verändern und haben fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften. Die mögliche Ursache hierfür könnte, wie der Gewässerökologe spekulierte, der Straßenverkehr sein. Als "Überraschung", so Wurm, wurden auch polychlorierte Biphenyle, kurz PCBs, gefunden. Das sind giftige und krebsauslösende organische Chlorverbindungen. Bezüglich der PAKs und PCBs gab Wurm aber Entwarnung: "Diese Stoffe sind fest im Sediment verbunden, für den Badebetrieb also nicht problematisch."

Die Entschlammung des Sees ist die wichtigste Maßnahme

Doch wie bekommt man den Klosterweiher wieder in einen guten Zustand? "Die Entschlammung ist am wichtigsten", erklärte Wurm. Mit der Entschlammung des Sees soll die Sauerstoffaufzehrung und die interne Rückdüngung unterbunden werden. Auch sollte der Biberdamm entfernt werden, um den Anstau der Brigach zu verhindern und den Frischwasserzufluss zu fördern. Alternativ könnte man die Zuflüsse von Brigach und Sommerauer Bach über Rohrleitungen umleiten.

Auch eine Umstellung des sogenannten Mönches, der Ablaufvorrichtung des Sees, stand zur Debatte: So könnte man den Mönch auf Tiefwasserableitung umstellen, damit das sauerstoffärmere und nährstoffreichere Tiefenwasser im Sommer ausgeleitet wird. Ebenso möglich sei es laut Wurm, die Wasserausleitung in den Umlaufgraben im Freibadbereich zu reduzieren. All diese Maßnahmen würden jedoch bis mindestens Mitte nächsten Jahres dauern, sagte der Gewässerökologe.

Als erste Sofortmaßnahme, auch, um den Badebetrieb im nächsten Sommer zu retten, schlug Wurm vor, den Weiher abzulassen, also "wintern" zu lassen. "Wenn man den Weiher dann wieder aufstaut, wird es besser", so Wurm. Durch den Luftzutritt kämen neue Tiere, das Sediment werde wieder etwas "lebensfreundlicher". Bei der extremen Belastung des Wassers würde der positive Effekt jedoch nur etwa ein Jahr anhalten – die anderen Maßnahmen müssten daher, so Wurm, in jedem Fall auch ergriffen werden.

Bürgermeister Michael Rieger betonte, dass die gefundenen toxischen Stoffe für den Menschen nicht problematisch seien, was Wurm abermals bestätigte: "Sie sind fest im Sediment gebunden". Die Gifte der Blaualge könnten jedoch, so Wurm, insbesondere für Kinder neurotoxisch wirken. Daher sei, da waren sich alle Beteiligten einig, schnelles Handeln erforderlich.

Karl Wurm zeigte sich aber zuversichtlich: "Aus Erfahrung kann ich sagen, dass wir nächstes Jahr wesentlich bessere Verhältnisse haben werden."

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