Auf dem Grat zwischen Dörlinbach und Ettenheimmünster zieht seit ein paar Tagen ein meterhoher Sandstein die Blicke vorbeikommender Wanderer auf sich. Der Platz an dem er steht, am „Totenruhstein“, hat eine Jahrhunderte alte Geschichte.
Mitten im Wald, halb im Schatten der Bäume, ragt seit Kurzem ein riesiger rötlicher Sandstein in die Höhe. Der Platz an dem er steht und sich schon jetzt trotz der Größe in die Natur einzufügen scheint, liegt genau auf der Grenze der Wälder der Gemeinden Schuttertal und Ringsheim. Unsere Redaktion hat mit Alois Göppert, dem Mann hinter der Idee, gesprochen.
Den Plan den tonnenschweren Sandstein an den Platz am „Totenruhstein“zu stellen, habe er schon seit einigen Jahren, erzählt Alois Göppert. Der Dörlinbacher reist seit Jahren nach Südtirol. Die Region und seine Menschen seien ihm ans Herz gewachsen. Bei einem seiner Besuche, zusammen mit seiner Frau, berichtete ihm ein Einheimischer, wie er aus einer Felswand eine Lücke geschlagen hatte, um dort eine Marienstatue aufzustellen.
Tief beeindruckt und mit einer Idee im Kopf kam Göppert zurück. Eine Marienstatue, verrät er, wird auch in dem Stein im Schuttertäler Wald bald einen Platz bekommen. „Ein christlicher Wegweiser“, so Göppert. Der Ort, an dem er nun steht, könne passender nicht sein, findet der Dörlinbacher.
Ein Wanderweg führt vorbei
Bis 1656 wurden die Toten in ihrem Sarg über den Bergrücken hinab nach Ettenheimmünster getragen, um sie dort zu begraben. Um auf dem beschwerlichen Weg zu rasten, stoppte man am „Totenruhstein“, einem kleineren viereckigen Sandstein, auf dem der Sarg abgestellt wurde. „Einen anderen Standort hätte es für mich nicht gegeben“, so Göppert.
Woher aber bekommt man so einen Fels, wie er nun am Rand des vorbeiführenden beliebten Wanderwegs „Alter Kirchweg“ steht? Ganz in der Nähe seines jetzigen Standorts hat der Sandstein seinen Ursprung, erklärt Göppert. Vor zwölf Jahren kam er ans Licht. Bei der Anlegung eines Waldwegs im Gemeindewald wurde er freigelegt.
„In diesem Frühjahr habe ich dann Nägeln mit Köpfen gemacht“, schildert Göppert. Der 78-Jährige machte sich auf den Weg ins Rathaus. Denn ohne Einverständnis der Gemeinde gehe es natürlich nicht. Dort sei es dann ganz schnell gegangen. Sowohl aufseiten der Gemeinde, als auch bei dem zuständigen Förster.
Auch wenn die Verwaltung ganz unkompliziert ihr Einverständnis gegeben hat – es ist kein Projekt der Gemeinde. Die Pläne und auch das Finanzielle, dafür war Göppert zuständig. „Da überlegt man sich das auch sorgfältig“, stellt er klar.
Ein Spezialfahrzeug brachte den Sandstein an den Platz
Die Planung ist das eine, die Umsetzung das andere. Um den Felsbrocken von seinem Fundort aufzuladen und dann etwas entfernt aufzurichten, brauchte es viel Geschick. Das Gewicht, zunächst nur auf acht Tonnen geschätzt, machte schweres Gerät unabdingbar. Ein Laster mit Stützen und Lastkran wurde organisiert. Ein erster Versuch den Stein anzuheben wurde schnell abgebrochen – zu schwer.
Die Schlingen um den Stein waren nur für zehn Tonnen ausgelegt, soviel wie der Stein auch tatsächlich wog. Um kein Risiko einzugehen, wurden stärkere Schlingen angelegt. Dann wurde der Sandstein auf einer Holzkonstruktion zu seinem jetzigen Platz manövriert.
Um den Stein senkrecht aufzustellen, musste ein Loch durch die obere Mitte des Steins gebohrt werden, durch die eine Eisenkette gelegt wurde. Alle Schritte, schildert Göppert, klappten ohne Probleme. Nachdem der Fels in sein rund ein Meter tiefes Fundament gehoben und fixiert wurde, ging es ans Betonieren. Über zwei Kubikmeter Beton mussten per Hand in die zuvor Ausgehobene Grube geschaufelt werden. „Die Anstrengung habe ich am Abend gemerkt“, erinnert sich Göppert.
Noch ein paar Tage wird es dauern, bis der Beton vollständig ausgehärtet ist. Dann geht es an die Öffnung für die Marienstatue. „Dafür lasse ich mir Zeit“, sagt Göppert, als er vor dem Stein steht, der noch fixiert ist – zur Sicherheit, bis das Fundament vollständig ausgehärtet ist. Dann wird Göppert viele kleine Löcher durch die Mitte des Steins bohren, um einen Durchbruch für die Statue zu schaffen.
Rückmeldungen aus der Bevölkerung hat der 78-Jährige, der schon vor Jahrzehnten mit Sandsteinen arbeitete, noch nicht erhalten. Ganz bewusst wollte er ohne große Aufmerksamkeit den Stein an seinen Platz bringen.
Feier geplant
Es wird auf jeden Fall eine feierliche Einweihung des Felsens geben, kündigt Göppert an. Aktuell ist der 13. Oktober dafür geplant. Offiziell ist das aber noch nicht. Bei der Feier soll die Marienstatue gesegnet werden. Die katholische Seelsorgeeinheit habe dafür bereits ihre Unterstützung angekündigt.