Notarzt und Polizei stimmten sich bei der Großübung an der Ecke Goldenbühl-/Vockenhauser Straße in Villingen ab. Foto: Malteser-Hilfsdienst

Das Szenario war sehr realitätsnah: Ein Drama spielte sich im Schulungsraum des Kabel BW-Gebäudes in Villingen ab. Ein Amokläufer war eingedrungen und feuerte Schüsse ab.

Zufällig lief ein Passant auf dem Gehweg die Goldenbühlstraße entlang und wählte aufgrund des Knalls die Notrufnummer.

 

Der Täter fuchtelte derweil im Schulungsraum wild mit einem Messer um sich und fügte diversen Schulungsteilnehmern Stich- und Schnittverletzungen zu. Der nahende Sirenenlärm vorn rund 20 Einsatzfahrzeugen entging auch dem Täter nicht, der unvermittelt aus dem Schulungsraum flüchtete.

Auf dem Weg durch den Ausgang begegnete er der Polizei, welcher er mit Waffengewalt begegnen wollte. Doch die Polizei war schneller und erschoss den flüchtenden Täter, der zu keinem Zeitpunkt daran dachte aufzugeben. Neben der Bergung eines Toten waren zudem 17 Verletzte mit Wunden unterschiedlichen Schweregrades zu versorgen.

Im Szenario wird an den Waffen rege Gebrauch gemacht. Foto: Malteser-Hilfsdienst

Was sich anhört wie ein reales Drama, war glücklicherweise eine Probe der Malteser, die für ihre außergewöhnlichen Probensituationen bekannt sind. Traditionell war eine Vorgabe, die Proben so reell wie möglich nachzustellen, um im Ernstfall für den Einsatz gewappnet zu sein.

So hatte ein Fahrzeug den Transfer vom Bereitstellungsraum am Flugplatz Donaueschingen nach Villingen in Echtzeit nachgestellt. Auch die umliegenden Kliniken waren in Echtzeit angefahren worden.

Die beiden Einsatzleiter Benjamin Crain als Ehrenamts- und Stadtbeauftragter und Dienststellenleiter Rainer Kühl vom Malteser-Hilfsdienst Villingen-Schwenningen erläuterten, dass 14 Fahrzeuge der Einsatzeinheiten unter anderem des Bevölkerungsschutzes Baden-Württemberg von Maltesern und Johannitern vor Ort waren, die Erstversorgung der Verletzten zu übernehmen.

Dei beiden Einsatzleiter Benjamin Crain (links) und Daniel Kühl sind mit dem Probenverlauf zufrieden. Foto: Rainer Bombardi

Die Feuerwehr des Kreises war mir ihrer Logistikabteilung „AB Logistik Großschadenslage“ vor Ort. Auch das Technische Hilfswerk war unter anderem mit seiner Atemschutzausrüstung angerückt.

Zum Zeitpunkt der Alarmierung hatte keiner geahnt, welche Dimensionen dieses Ereignis hatte, weshalb keiner der insgesamt 65 Einsatzkräfte zu viel vor Ort war. „Wir haben diese Übung auch genutzt, die Freiburger Einsatzeinheit der Malteser auszubilden“, ergänzte Crain, der insgesamt von einem seiner Meinung nach sehr guten Probenverlauf berichtete.

Lob gab es auch von Kreisbrandmeister Florian Vetter und Oberbürgermeister Jürgen Roth. Beide sprachen von einem sehr realitätsnahen und gelungenen Probenverlauf, bei welchem auch zwei Kinder mitwirkten.

„Die Übungsannahme, wie auch die Vorbereitung waren vorbildlich und sehr realistisch angelegt. Ein Amokfall mit 17 Verletzten, Schusswechsel und Gefahrstoffen ist ein Maximalszenario, dass sich keiner wünscht. Solche gemeinsamen Übungen sind jedoch essenziell, damit im Ernstfall die Schnittstellen zwischen den Einsatzorganisationen reibungslos funktionieren. Hier hat es vorbildlich und unaufgeregt, wie auch hoch professionell zwischen allen Beteiligten funktioniert. Ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement und ihren Einsatz bei der Vorbereitung und Durchführung dieser wichtigen Ausbildung“, sagte OB Roth.

Der Villinger Polizeirevierleiter Daniel Heuseck war ebenfalls beeindruckt vom Szenario, von dem zu erwarten ist, dass es auch polizeiintern aufgearbeitet wird. Der Probe vorausgegangen waren zwei Wochen Vorbereitungszeit unter Mitwirkung von Kai Eggenweiler, der als Leiter der Führungsgruppe Villingen die Polizei vertrat.