Der Biber scheint sich an den hiesigen Gewässern wohlzufühlen: Sowohl in Schiltach als auch an der Eschach bei Aichhalden hinterlässt das Nagetier seine Spuren. Was bei Spaziergängern für Erheiterung sorgen dürfte, löst längst nicht nur Begeisterung aus.
Der Biber selbst zeigt sich zwar nicht, aber seine Spuren sind längst nicht mehr zu übersehen: Wer die Schiltach am Ortsausgang in Schiltach Richtung Schramberg entlang geht, findet jede Menge angenagte Bäume, die von einem Haufen Spänen umgeben sind.
Obwohl der Biber seine Umgebung spürbar verändert, sieht Schiltachs Bürgermeister Thomas Haas die Lage entspannt: Ihm seien keine Probleme durch das Tier bekannt, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Dass der Biber Bäume abnage, könne man schlimm finden oder nicht.
Konflikte mit Landwirten und Waldbesitzern
Deutlich anders sieht es hingegen in Aichhalden und Umgebung aus: Vor allem am Fischweiher ist der Biber dort sehr fleißig – und auch entlang der Eschach hinterlässt er immer wieder seine Spuren. Aichhaldens Bürgermeister Michael Lehrer erklärt im Gespräch, dass das Nagetier „ordentliche Probleme“ mache. Zum einen, weil durch die Biberdämme landwirtschaftliche Flächen überflutet würden. Zum anderen, weil sich Waldbesitzer an der Eschach über Schäden an Bäumen beklagten – und der Aufwand schließlich zu groß sei, jeden Baum mit einem Maschendraht zu schützen.
Das Landratsamt Rottweil teilt als Untere Naturschutzbehörde mit, dass diese Probleme bekannt seien. Doch wie lassen sie sich Konflikte zwischen Biber und Mensch lösen? „Generell lässt sich sagen, dass sich für die meisten der von Bibern verursachten Probleme in der Regel mit Hilfe der unteren Naturschutzbehörde oder der freiwilligen Biberberater eine praktikable Lösung findet“, erklärt Pressesprecherin Andrea Schmider.
Sie weist auf die Möglichkeit hin, dass Waldbesitzer beim Landratsamt Baumschutzmaterial erhalten können. Im betroffenen Wald an der Eschach gebe es ohnehin sehr viel Fichte, eine Baumart, die beim Biber nicht ganz vorne auf der Speisekarte stehe. „Uns ist nicht bekannt, dass der Biber an dieser Stelle einen großflächigen Schaden angerichtet hat.“
Probleme am Flugplatz in Winzeln
Schmider macht stattdessen auf ein anderes Problem aufmerksam: „Tatsächliche Probleme hat der Biber am Flugplatz in Winzeln verursacht. Durch den Rückstau des Biberdammes war die Wiese vor und hinter der Landebahn sehr nass, was den Flugbetrieb behindert hat. Wir haben nach einer Lösung gesucht und in einen der Dämme – ohne den Lebensraum für den Biber zu beeinträchtigen – eine Drainage eingebaut, so dass die Fläche nun nicht mehr vernässt. Durch diese Maßnahme wurden andere Flächen gleich mitentwässert.“
Biber sorgt für Entstehung von Feuchtbiotop
Dennoch gebe es noch ein bis zwei Abschnitte, an denen das Wasser stehe. „Wo der Bannmoosgraben in die Eschach fließt, staut der Biber das Wasser stark an – hier hat sich inzwischen ein Feuchtbiotop gebildet, mit entsprechender Tier- und Pflanzenwelt“, teilt Schmider zur Situation in Aichhalden mit.
Es sei typisch für den Biber, dass er die Umgebung entlang der Bachläufe durch das Aufstauen von Wasser verändere und dafür sorge, dass neue Biotope entstünden. „Diese Flächen können natürlich nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden.“ Betroffene Landwirte hätten aber die Möglichkeit, sich an die untere Naturschutzbehörde zu wenden und mit ihr einen sogenannten LPR-Vertrag abzuschließen. LPR stehe für Landschaftspflege-Richtlinie, und dieser Vertrag ermögliche Ausgleichszahlungen für die „verlorene“ Fläche.
Konkurrenz zwischen Biber und Bachmuschel?
Aichhaldens Bürgermeister Lehrer macht derweil auf einen weiteren Konflikt aufmerksam: Mit dem Biber und der Bachmuschel gebe es zwei streng geschützte Arten, die gegeneinander konkurrieren würden. So brauche die Bachmuschel bestimmte Wirtsfische für ihre Fortpflanzung und damit ein Fließgewässer, während der Biber mit seinen Dämme das Wasser staue.
Schmider teilt dazu mit: „Inwieweit Biber und Bachmuschel tatsächlich vereinbar oder nicht vereinbar sind, ist derzeit auch Thema eines Projektes auf Ebene des Regierungspräsidiums. Hier liegen noch keine endgültigen Ergebnisse vor. Experten gehen aber davon aus, dass diese beiden Tierarten miteinander klarkommen, wie sie es seit hunderten von Jahren bereits getan haben.“ An einigen Biberdämmen im Landkreis könne man Bachmuscheln finden. Bei der Eschach, die einen sehr niedrigen Wasserstand habe, könnte der Biber für die Bachmuschel sogar von Vorteil sein, weil er das Wasser aufstaue.
Entfernung von Biberdämmen ist strafbar
Schmider rät ausdrücklich davon ab, bei Problemen auf eigene Faust aktiv zu werden: „Die nicht genehmigte Entfernung von Dämmen ist nach §44 BNatschG verboten. Das ist nämlich kein ‚Kavaliersdelikt‘, sondern ein Straftatbestand, der mit hohen Geldstrafen belegt werden kann.“
Wie viele Biber an den hiesigen Gewässern leben, kann die Sprecherin nicht beantworten. Biber würden – im Gegensatz zu anderen Tierarten wie Rebhuhn, Feldhase oder Baummarder – nicht systematisch erfasst. Wenn der Biber Bedingungen vorfinde, die für ihn passen – ein freies Revier, genügend Nahrung, geeignete Uferbereiche – sei es wahrscheinlich, dass er sich niederlasse.