In Baden-Baden ist das Stadtoberhaupt dienstunfähig, der Schömberger Schultes zieht sich zurück, in Bad Liebenzell fehlt der Amtsinhaber schon länger. Ist der Job zu hart?
Wenn sich im Kreis Calw jemand mit dem Amt des Bürgermeisters auskennt, dann ist es Volker Schuler. Vor 34 Jahren wurde der damals 27-Jährige mit überwältigender Mehrheit zum Bürgermeister der Nagoldtalgemeinde Ebhausen gewählt. Und seitdem ist er im Amt.
Dazu ist er Fraktionschef der Freien Wähler im Kreistag und Mitglied der Regionalversammlung. Ein echter Politprofi also, der die Branche beobachtet und kennt. Und als solcher hat er natürlich bemerkt, dass sich die Zeiten für die Bürgermeister geändert haben.
Gestiegener Aufwand sorgt für Frustration
Da ist einmal das, was sich Bürokratie schimpft. „Die Verfahren, mit denen die Bürgermeister zu tun haben, werden immer komplizierter“, erzählt Schuler, der ein einfaches Beispiel nennt: „Ein normaler Kaufvertrag für ein Haus oder Grundstück hatte früher zwei Seiten, jetzt sind es zehn.“ Dazu kommt, dass man enorm viele Rückfragen bei anderen Behörden tätigen muss, um die Angelegenheiten korrekt abzuwickeln. Der deutlich gestiegene Aufwand sorge bei vielen Kollegen für „Frustration“.
Dazu kommt, dass die Bürger trotz der komplizierten Bürokratie eine schnelle Antwort vom Bürgermeister erwarten. Und der habe allerdings dann auch den Anspruch an sich selbst, die Sache so schnell wie möglich abzuwickeln. Was natürlich den Druck auf die Person des Bürgermeisters erhöhe.
„Da unterscheiden die Leute leider nicht mehr so“
Noch mehr Druck entstehe durch die Entwicklung, dass bei strittigen Positionen zwischen Bürger und Bürgermeister immer weniger zwischen der Sache und der Person unterscheiden würde. Aus einer sachlichen Debatte werde an der Öffentlichkeit oftmals eine persönliche Auseinandersetzung. „Da unterscheiden die Leute leider nicht mehr so“, muss Schuler feststellen. Es gebe dann keinerlei Verständnis für die Position des Anderen.
Die Frage ist, wie geht ein Bürgermeister mit dem gestiegenen Druck um, wie stark lässt er Dinge an sich ran. Schuler selbst sieht sich davon „eher weniger beeinträchtigt“. Der 62-Jährige, der nach eigener Aussage seinen Beruf „mit Leidenschaft“ ausübt, nimmt das alles zwischenzeitlich recht gelassen, was bei ihm mit der Amtserfahrung zusammenhänge. Denn er weiß: „Auch bei Bürgermeistern passieren Fehler. Denn auch sie sind keine Maschinen.“
Da wird die Bezahlung schnell mal zum Schmerzensgeld
Die Form der Auseinandersetzung in der Lokalpolitik habe sich deutlich verändert, sagt Ebhausens Schultes und nennt den Fall des Dobler Bürgermeisters Christoph Schaack, an dessen Auto die Reifen zerstochen wurden und der Lack zerkratzt wurde. „Da werden leichter Grenzen überschritten – und das ganz unabhängig vom Alter der handelnden Personen.“ Da würde die Bezahlung schnell mal zum Schmerzensgeld, witzelt der Politprofi, der da einen Tipp für seine Kolleginnen und Kollegen hat: „Nicht zu viele Konflikte gleichzeitig austragen.“
Aber Schuler weiß auch, dass die große Politik einige Konfliktherde neu in die Kommunalpolitik und in die Rathäuser hineingebracht hat – sei es nun Corona, Flüchtlinge oder die miserable Finanzsituation. „Bei diesen Themen sind wir als Bürgermeister die Prellböcke für den Staat.“
Man sollte das Anforderungsprofil des Jobs schon kennen
Doch Volker Schulers Blick geht nicht nur nach außen, er blickt auch auf die Bürgermeister oder die Kandidaten. „Wenn man für das Amt eines Bürgermeisters kandidiert, sollte man sich vorher gut darüber informieren, was denn mit diesem Amt zusammenhängt“, meint Schuler. „Man sollte das Anforderungsprofil dieses Jobs schon vorher kennen.“
Und das sei schon hoch komplex. „Da geht es nicht nur ums Buffet eröffnen.“ Immerhin ist man zur gleichen Zeit Vorsitzender des Gemeinderates, Chef der Verwaltung und auch noch Repräsentant der Kommune. „Und alle drei Bereiche haben ihre Tücken.“ Deshalb habe er „großen Respekt“ vor allen, die sich gewissenhaft für dieses Amt bewerben. „Und das sage ich erst recht aus Sicht eines Veteranen.“