Die Tankstelle der Familie Schmidt wird nach 45 Jahren schließen. Leider haben sich die Gründe den Betrieb einzustellen summiert, aber das Autohaus bleibt weiterhin bestehen.
Die Tankstelle mitten in Wildberg kann auf eine lange Tradition und viele Meilensteine zurückblicken. Ihre Pforten öffnete die sie 1979 während der ersten Ölkrise. Jetzt wird sie den Betrieb zum 1. August einstellen.
Die ersten Zapfsäulen in Baden-Württemberg mit bleifreien Benzin seien im nördlichen Schwarzwald aufgestellt worden erzählt Schmidt im Gespräch mit unserer Redaktion. Auch konnte in der Region schon früh Autogas und in Selbstbedienung getankt werden.
„Es tut uns natürlich sehr leid, vor allem für unsere treuen Kunden“, sagt Kai Schmidt, der die Tankstelle 1996 von seinem Vater übernommen hat. Doch die Entwicklungen in letzter Zeit hätten es unausweichlich gemacht.
Durch neue Vorschriften hätte eine große Summe investiert werden müssen. Auch die großen Marktschwankungen beim Treibstoffpreis von manchmal 15 bis 30 Cent am Tag, seien für eine freie Tankstelle nicht mitzumachen. Dadurch sei die Gefahr sogar draufzuzahlen, wenn man zum falschen Zeitpunkt eine Bestellung aufgibt, immer gegeben. „Wir können den Spritpreis nicht zehnmal am Tag verändern, wie die großen Ketten“, erklärt der 53-Jährige.
Durch Krisen und Kriege schwankt der Preis
Die Krisen und Kriege der vergangen Jahre verursachen solche unkalkulierbare Aufs und Abs bei den Preisen, dass es einem Blick in Glaskugel ähnelt, wohin sich der ganze Markt entwickelt. „Keiner kann sagen, wo es hingeht“, beschreibt Schmidt die Misere. Und für ihn bedeute das ein zu hohes wirtschaftliches Risiko.
Die Tage des Verbrennermotors sind ohnehin gezählt. Ab dem Jahr 2035 dürfen nur noch Neuwagen verkauft werden, die im Betrieb keine Treibhausgase ausstoßen. Wenn nun aber kein Benzin oder Diesel mehr gezapft wird, was wird dann aus all den Tankstellen?
„Um die Zukunft der Tankstelle haben wir keine Sorge“, sagt Herbert Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverband (TIV), vergangenes Jahr in einem Interview mit Focus online. Seine Schlussfolgerung ist bereits damals, dass „die Tankstelle davon lebt, dass sie Mobilität verkauft und Mobilität wird weiter gebraucht werden.“
Von der Politik hätte sich Kai Schmidt mehr erwartet, so zum Beispiel ein sinniges Konzept in Bezug auf das Autogas. Eine solche Tankmöglichkeit besteht schon lange und er hätte sich auch überlegt diese weiter zu betreiben. Doch es sei erstens schwierig ordentliches Gas herzubekommen und zweitens habe die gesamte Mineralöl-Lobby eine zu gewichtige Stimme bei den Entscheidungen auf diesen Treibstoff zu setzen, vermutet er.
Weniger Verkehr da Bundesstraße gesperrt wird
Zu den unüberschaubaren Herausforderung in Bezug auf den Treibstoffmarkt, wird obendrein ab November die Bundesstraße durch den Ort gesperrt. Dadurch fahren mindestens die Hälfte weniger Fahrzeuge an der Tankstelle vorbei und das für knapp zwei Jahre, meint Schmidt. Das bedeute dann selbstverständlich weniger potenzielle Kundschaft.
Der Kioskverkauf endet damit auch, wobei dieser hauptsächlich ein Service für die Tankkunden war. Die Zeiten, dass man an der Tanke noch samstagabends das Nötigste für das Wochenende gekauft hat, seien schon lange vorbei, sagt Judith Schmidt. Die verlängerten Öffnungszeiten der Supermärkte bis spätabends hätten dazu einen großen Teil beigetragen.
Die Autowerkstatt und den Subaru-Service wird es weiterhin geben. Dennoch hätten Schmidts schon von vielen Stammkunden gehört, dass diese das Ende der Tankstelle „sehr bedauern“. Genauso wie das Ehepaar selber, doch die Menge und Masse an Argumenten gegen einen Weiterbetrieb, lasse leider keine andere Option zu. Das Paar schaue zwar mit einem weinenden Auge auf das Ende dieses Kapitels, aber freut sich dafür umso mehr, weiterhin für die langjährigen Kunden ihres Autohauses dazu sein.